Sobotkas flüchtiger Sitznachbar

Sobotka & Wirecard-Marsalek

Wolfgang Sobotka hatte am 30. Mai 2017 bei einem Dinner in Moskau einen prominenten Sitznachbarn: Jan Marsalek. Wenige Wochen später übernahm Kurz das Kanzleramt und Wirecard genoss beste Verbindungen in die türkis-blaue Ibiza-Regierung. Bisher konnte sich der Nationalratspräsident an das Treffen mit Marsalek nicht erinnern, ZackZack hilft nun mit einem exklusiven Foto nach.

 

 

Wien, 17. Dezember 2020 | Markus Braun überwies im Nationalratswahlkampf 2017, als Sebastian Kurz um die Kanzlerschaft kämpfte, 70.000 Euro an die ÖVP. Damals war Braun Chef von Wirecard- Nach dem Wahlerfolg wurde er Teil des Kurz-Beraterstabs „Think Austria“. Heute sitzt er in U-Haft.

Sobotka kann sich nicht erinnern

Brauns Finanzvorstand Jan Marsalek ist weiter flüchtig. Man vermutet ihn in Moskau. Auch im Vorfeld des Wahlkampfs 2017 war Marsalek in der russischen Hauptstadt. Dort traf er sich mit dem damaligen Innenminister von Österreich, Wolfgang Sobotka. Bei einem Abendessen, das der österreichische Botschafter in seiner Residenz am 30. Mai 2017 „zu Ehren“ von Sobotka gab, war der Wirecard-Manager ebenso anwesend wie der Innenminister.

Auf der Einladung, die auch Marsalek vom österreichischen Botschafter in Russland erhielt, steht: „Aus Anlass des Moskaubesuchs des Herrn Bundesministers für Inneres Mag. Wolfgang Sobotka“.

Als Sobotka in Moskau war, lud die österreichische Botschaft Jan Marsalek zum Abendessen. Auf ZackZack-Anfrage betonte Botschafter Brix, konkret könne er sich nicht an Marsalek erinnern, es habe jedenfalls keine 3er-Runde mit ihm, Sobotka und Marsalek oder dergleichen gegeben.

Bisher hatte Sobotka behauptet, er wüsste nicht, ob auch Marsalek dort anwesend war, es seien ihm „24 Leute vorgestellt worden.“ Im U-Ausschuss plagten ihn bei der Frage, ob er bei diesem Abendessen Marsalek getroffen habe, parteiübliche Gedächtnislücken: „Ich kann mich beim besten Willen nicht erinnern“.

Marsalek in Moskau zu Tisch mit Wolfgang Sobotka.

ZackZack füllt die Gedächtnislücke: Marsalek und Sobotka waren beim Moskauer Abendessen Tischnachbarn.

Premium-Verbindung in Politik

Wirecard pflegte beste Kontakte ins Innenministerium. Es ging um eine Wirecard-Präsentation, deren zentraler Teil die „Wirecard Refugee App“ zur Überwachung der Flüchtlinge in Grundversorgung sein sollte. Unter Innenminister Herbert Kickl kam das Projekt aber nicht zustande.

Auch zur FPÖ hatte Marsalek beste Kontakte. Vom Manager, der mutmaßlich mit russischen Geheimdiensten kooperierte, kamen Informationen zu Johann Gudenus. Marsalek soll in Kickls Innenministerium zu „illegaler Einwanderung“ referiert haben. Da dürfte es auch um die umstrittenen Libyen-Pläne des Wirecard-Managers gegangen sein, recherchierte „Der Standard“.

Wirecard-ÖVP-Aufarbeitung am Anfang?

Hier kommt Sebastian Kurz ins Spiel. Als Außenminister reiste er nach Libyen – Anfang Mai, wenige Wochen, bevor Sobotka mit Marsalek in Moskau speiste. In Tripolis forderte er die Schließung der Fluchtroute übers Mittelmeer, Marsalek baute dafür eine Miliz auf.

Ende Juli 2020 sollten die Libyen-Pläne von Kurz und Marsalek, und deren Verbindung zur Wirecard-Affäre im Nationalen Sicherheitsrat aufgearbeitet werden. Die ÖVP selbst verlangte dessen Tagung – aber dann blieb Kanzler Kurz dem Rat unentschuldigt fern. Die Aufarbeitung der Verbindungen zwischen Wirecard und Volkspartei haben erst begonnen. Ausgestattet mit Gedächtnisstützen kann Nationalratspräsident Sobotka sicherlich dazu beitragen.

(ot)

Titelbild: APA Picturedesk

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