Arbeitskampf bei Amazon

Streiks an sechs Standorten

1.700 Beschäftige des Online-Riesen “Amazon” sind in Deutschland in den Streik getreten. Man fordert endlich einen Tarifvertrag. Amazon meint dagegen, man wäre ein Unternehmen, bei dem man “gerne arbeitet.”

Leipzig/Koblenz/Rheinberg, 21. Dezember 2020 | Mitten im Weihnachtsgeschäft haben Beschäftigte des Online-Versandhändlers Amazon in Deutschland am Montag an mehreren Standorten die Arbeit niedergelegt. Der Ausstand begann mit der Nachtschicht in Werne, Leipzig, Rheinberg, Koblenz sowie an zwei Standorten in Bad Hersfeld und soll bis einschließlich Weihnachten andauern, wie die Gewerkschaft Verdi mitteilte. Sie rechnete mit rund 1.700 Teilnehmern an dem Streik. Amazon selbst gibt sich gelassen.

Forderung Tarifvertrag

Die Gewerkschaft fordert, dass Amazon den Tarifvertrag (Kollektivvertrag in Österreich, Anm.) für den deutschen Einzelhandel unterzeichnet. Dies ist eine Forderung, die Verdi bereits seit Jahren vergeblich durchzusetzen versucht. Außerdem setzt sich die Gewerkschaft für tarifliche Regelungen zum Schutz der Gesundheit ein.

Verdi-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger erklärte nun, die weitgehende Schließung von Läden seit der vergangenen Woche wegen des Lockdowns in der Corona-Pandemie habe dazu geführt, dass das Bestellaufkommen bei Versandhändlern wie Amazon noch einmal deutlich gestiegen sei. Amazon verdiene sich in der aktuellen Krise “eine goldene Nase”.

Während der US-Konzern seine Milliardengewinne weiter erhöhe, “verweigert er den Beschäftigten eine tarifvertragliche Bezahlung”, kritisierte die Gewerkschafterin. Stattdessen würden die Mitarbeiter “einem noch größeren Druck ausgesetzt, weil Amazon trotz der zusätzlichen Arbeitshetze Lieferversprechungen macht”. Dies gehe “unweigerlich auf Kosten der Gesundheit der Belegschaft, gerade jetzt unter den Bedingungen der Pandemie”.

Arbeiter “an der Grenze”

Verdi Hessen betonte ebenfalls, die Mitarbeiter seien “an der Grenze ihrer Belastbarkeit”. Sie fühlten sich in diesen besonderen Zeiten von dem Unternehmen nicht ausreichend wertgeschätzt.

Verdi Nordrhein-Westfalen erklärte, immer wieder gebe es Meldungen über Infektionen an den Standorten. Firmenchef Jeff Bezos könne sich offenbar nicht vorstellen, “was es für die Beschäftigten bedeutet, wenn zusätzlich zum täglichen Arbeitsstress auch noch Angst um die Gesundheit hinzukommt”. Andernfalls hätte er “schon lange der Unterschrift unter die Tarifverträge des Einzelhandels zugestimmt”.

Amazon macht auf Samariter

Im derzeitigen Lockdown unterstütze Amazon Zehntausende kleine und mittlere Unternehmen in Deutschland, indem es ihnen ermögliche, ihre Produkte online zu verkaufen, erklärte das Unternehmen weiter. Zudem komme vielen Einzelhändlern und damit auch Amazon derzeit die “wichtige Rolle zu, Waren für Menschen im ganzen Land nach Hause zu liefern”. Man wäre zudem ein Unternehmen, bei dem man “gerne arbeitet”.

Nach Angaben von Amazon arbeiten in Deutschland für das Unternehmen derzeit mehr als 16.000 Festangestellte sowie über 10.000 Saisonkräfte.

(apa)

Titelbild: APA Picturedesk

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