Retten statt Reden

Promi-Demo für Aufnahme von Geflüchteten

Der Druck auf die Bundesregierung wird größer. Nachdem auch ZackZack einen großen überparteilichen Aufruf bei bekannten Persönlichkeiten aus allen gesellschaftlichen Bereichen organisiert hatte, protestierten am Dienstag zahlreiche Prominente vor dem Bundeskanzleramt für die Aufnahme von Flüchtlingen aus Lesbos.

 

Wien, 23. Dezember 2020 | “Retten statt Reden”, so das Motto der Initiative zahlreicher Prominenter. Denn immer noch verweigert die Bundesregierung die Aufnahme von Kindern und Schutzbedürftigen aus den katastrophalen und menschenunwürdigen Lagern der griechischen Inseln. Rund 7500 Menschen, darunter viele Kinder, Schwangere und Kranke kämpfen im provisorischen Lager Kara Tepe um ihr Leben, während die EU nur zuschaut.

Wie die “Kleine Zeitung” berichtete, forderten am Dienstag zahlreiche Prominente einen Kurswechsel und stellten ein Zelt am Ballhausplatz auf.

Promi-Protest vorm Kanzlergebäude

Wiener Liedermacher Ernst Molden sang am Dienstag in Richtung des Bundeskanzleramtes:

“Das Soziale geht mir schon Jahrzehnte ab, aber das Christliche habe ich ihnen noch geglaubt”,

Burgtheater Schauspieler Cornelius Obonya hielt ihm währenddessen den Regenschirm, der Neos-Abgeordnete Sepp Schellhorn das Mikrofon. Kälte und Regen begleiteten gestern die prominenten Unterstützer, Politikerinnen und Politiker zu der Kundgebung. Die zentrale Forderung: Geflüchtete, vor allem Kinder, endlich aus den griechischen Lagern aufzunehmen, das berichtete die “Kleine Zeitung”.

“Wir haben lange genug zugesehen”, so Ex-Fußball-Nationalspieler Marc Janko und appellierte “nicht an Parteifarben, sondern an die Menschlichkeit”. Joseph Hader, Florian Scheuba, André Heller sowie die Autorin Julia Rabinovich und ihr Berufskollege Doron Rabinovici – sie alle arbeiteten sich vor allem an ÖVP und Bundeskanzler Sebastian Kurz ab. Fehlenden menschlichen Anstand schrieb Percussionist Martin Grubinger den Bundeskanzler zu, Kabarettist Thomas Maurer bezeichnete Kurz als “empathielosen Zyniker”.

Stadt Wien appelliert an Bundesregierung

Die Worte der Anwesenden wurden bewusst kurz gehalten, denn “Worte wurden genug gewechselt”, sagte Schauspieler Cornelius Obonya im Interview mit “Wien.Memo”. Die Aktion “Retten statt reden” wurde vom Verein Courage – dem Obonya angehört – und dem Neos-Nationalratsabgeordneten Sepp Schellhorn initiiert. Dementsprechend breit aufgestellt erschienen die Neos zur gestrigen Aktion. Der Wiener Vizebürgermeister Christoph Wiederkehr (Neos) hält insbesondere die von der ÖVP geplante Kinderbetreuungseinrichtung auf Lesbos für zynisch:

“Wenn Kinder angebissen werden und im Dreck schlafen, dann geht es nicht um Kinderbetreuung, sondern darum die Lager zu evakuieren”,

drängte Wiederkehr.

Eine “hirnrissige Aktion” nannte auch Obonya das Vorhaben. Anschließend appellierte Wiens Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) an die Bundesregierung, zumindest Wien die Aufnahme von Flüchtlingen zu erlauben.

Türkis beharrt “auf Hilfe vor Ort”

Schon in den letzten Tagen verhärtete sich die Front gegen den Kurs der Bundesregierung. Bundespräsident Alexander van der Bellen, kirchliche Organisationen, Hilfsorganisationen und auch ÖVP-Bürgermeister – sie alle forderten eine Aufnahme von Geflüchteten – zumindest von Familien und Kindern.

Selbst Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) hat in einer gestrigen Aussendung sein Wort gegen den Koalitionspartner gerichtet und sprach sich für die Aufnahme von 100 Flüchtlingsfamilien aus Lesbos aus. Es gehe darum, Erste Hilfe zu leisten.

“Da fällt der türkisen Hälfte kein Zacken aus der Krone“,

so Kogler. Den Koalitionspartner überzeugen konnte man aber bisher noch nicht. Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP) verwies in einem Interview mit “Wien Heute” erneut auf die Hilfe vor Ort als “das richtige Instrument, sonst kommen immer mehr”.

„Wenn ein Kind stirbt, sollten wir uns zu Tode schämen”

Wie die „Kleine Zeitung“ berichtete, stand im Mittelpunkt der gestrigen Kundgebung ebenfalls ein Zelt, welches vor dem Kanzleramt aufgebaut wurde. Dieses wurde mit Wünschen und Forderungen unterzeichnet und soll nun versteigert werden. Der Erlös geht an Hilfsorganisationen vor Ort:

“Dieses Zelt schützt nicht vor Überschwemmungen, Kälte, Ratten und Schlangen. Das ist die Realität, in der Menschen jetzt gerade leben”,

sagte Cornelius Obonya.

An sogenannte Push- und Pull-Effekte glaubt er nicht: „Migration passiert. Und man kann sich jetzt entscheiden, auf der richtigen Seite zu stehen oder Leute sterben zu lassen, so einfach ist es.“ Eines sei aber klar: „Die Temperaturen sinken und wenn auch nur ein einziges Kind stirbt, sollten wir uns zu Tode schämen.“

Alle Hilfsorganisationen warnen dringend: Kara Tepe ist noch viel schlimmer als das Lager Moria, welches bei einem Großbrand zerstört wurde. Es ist das Symbol für das Scheitern der europäischen Asylpolitik. Es muss sofort gehandelt werden.

(jz)

Titelbild: APA Picturedesk

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