Das ist nicht ohne

Virologe über Skilift-Chaos

Für viele war das Motto am ersten Lockdown-Sonntag: Ab auf die Piste. Bei Traumwetter wurde so manches Skigebiet regelrecht gestürmt. Die Bilder von Menschentrauben, die sich bei den Skiliften anstellen, haben für großen Ärger gesorgt. Aber wie hoch ist die Gefahr, sich beim Anstellen anzustecken wirklich?

Wien, 28. Dezember 2020 | “Ein Wahnsinn, was da gestern los war, die Parkplätze waren voll”, berichtet ein 28-jähriger Wiener ZackZack. Er ist nach Weihnachten mit vier anderen Freunden nach Mühlbach am Hochkönig gefahren, um ein paar Tage auf der Piste zu verbringen. Der Ablauf beim Anstellen habe grundsätzlich gut funktioniert. Ordner wiesen auf den Abstand und das Tragen der Maske hin. Dass es beim ein oder anderen kleineren Skilift auch mal eng wurde, will aber auch er nicht bestreiten:

“Die Liftwärter schauen beim Sessellift genau drauf, dass immer ein Sitz freibleibt. Deswegen ist es dort zu längeren Wartezeiten und zu einer dementsprechenden Ansammlung von Menschen gekommen.”

Ähnlich hat es auch dieser Twitter-User erlebt:

Menschentrauben beim Lift? – “Das ist nicht ohne”

Wie groß ist die Gefahr also, sich dabei anzustecken? ZackZack hat beim Virologen Dr. Herwig Kollaritsch nachgefragt:

„Je mehr Menschen auf engem Raum zusammenkommen und je weniger sie sich an Regeln wie Abstand und Maske halten, desto höher ist die Wahrschenlichkeit, dass es übertragen wird. Noch dazu wenn es kalt ist, halten sich Aerosole in der Luft sehr sehr gut, also das ist nicht ohne.“

Zwar wäre die Ansteckung in geschlossenen Räumen deutlich höher, aber dass “sie draußen gleich 0 ist, ist sicher nicht der Fall”, so Kollaritsch weiter. Wenn dann so viele Menschen wie am Sonntag zusammenkommen würden, wäre die Wahrscheinlichkeit hoch, dass ein Infizierter dabei ist.

Auch in Vorarlberg war der Andrang in so manchem Skigebiet groß, wie das Video im Tweet darüber zeigt.

“Nächstes Jahr brauchen wir nicht mehr darüber reden”

Laut dem Virologen sei die Situation mit den Neuinfektionen weiterhin unsicher. Man müsse damit rechnen, dass die Zahlen wieder nach oben gehen, vor allem jetzt nach Weihnachten: “Wir haben in ganz Europa gesehen, dass wenn Sachen aufgesperrt werden, dass die Zahlen wieder rauf gehen. Das heißt wir haben es noch immer nicht so weit, dass wir uns zurücklehnen können”, so Kollaritsch.

Ist es daher allgemein ratsam, in der derzeitigen Situation einen Skiausflug zu unternehmen? Kollaritsch zeige zwar Verständnis für den Skitourismus, dieser würde schließlich “ums nackte Überleben kämpfen”. Trotzdem würde er es in dieser Saison bleiben lassen:

„Warum bitte ein Risiko eingehen? Wir gehen davon aus, dass das die erste und letzte Saison sein wird, wo wir aufpassen müssen. Nächstes Jahr wird das sicher anders sein. Wenn die Leute geimpft sind, dann brauchen wir nicht mehr darüber reden. Also wenns nicht unbedingt sein muss, vertrösten wir die Leute doch auf nächstes Jahr.“

(mst)

Titelbild: Screenshot: twitter.com/ThomasWalach

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