2021 kann es soweit sein´

Kommentar von Peter Pilz

2020 war kein gutes Jahr. Aber 2021 hat alle Voraussetzungen, schlechter zu werden. Wenn aus der COVID-Krise die Wirtschaftskrise hervorwächst, wenn neben Tausenden Menschen noch Zehntausende Betriebe sterben, wird es noch ernster. Dann wird aus Not Verzweiflung und aus Angst Hass. Politisch ist dann alles möglich. Auch für die ÖVP.

 

Wien, 01. Jänner 2021 | In einer Krise gibt es zwei Haltungen: alle gemeinsam und füreinander oder alle für sich und jeder gegen jeden. Am Anfang der Pandemie waren fast alle bereit, gemeinsam der Regierung im „Schulterschluss“ zu folgen. Dann kamen die ersten Überraschungen. Unternehmer, die Rechtsanspruch auf Hilfe hatten, wurden durch eine schnelle Änderung des Gesetzes zu Bettlern bei ihren Ministern und Kammerpräsidenten. Pflegeheime blieben lange ebenso ungeschützt wie das medizinische Personal. Die Kultur wurde sang- und klanglos zugesperrt. Es kam immer auf die nächsten beiden Wochen an. In denen ging immer öfter alles schief.

Antizyklische Politik bereitet sich im Aufschwung auf die Krise vor. Sie sieht anhand von Zahlen und Fakten so gut wie möglich in die nahe Zukunft und steuert rechtzeitig gegen die erkennbare Gefahr. Das geht, wenn man will und kann.

Prozyklische Politik macht das Gegenteil. Sie pfeift auf Evidenz und setzt auf Stimmung. Sie verstärkt das, was gerade passiert. Wenn es gut geht, verdanken das alle dem Führer. Wenn es schiefgeht, hilft nur seine starke Hand.

Eine Politik der Vernunft braucht eine starke Basis aus Vertrauen. Eine Politik der Gefühle braucht das nicht. Sie weiß, wie man aus Verzweiflung und Angst Kapital schlägt.

Ich will Sebastian Kurz nicht unterstellen, dass er seine Fehlentscheidungen aus Absicht getroffen hat. Es war ihm einfach nicht so wichtig, das Richtige zu tun, weil es ihm nicht um den Weg aus der Krise, sondern um den Weg an die Macht geht.

Dazu braucht er noch ein paar Monate die Grünen und deren unbedingten Willen zur Gefolgschaft. Wenn er sieht, dass die großen Medien an der Leine gehen, Justiz und Parlament gelähmt sind und die politische Kultur damit weitgehend zerstört ist, kann es soweit sein.

Wie weit wir auf diesem Weg sind, zeigen uns wie immer unsere Schigebiete. Dort wird von einzelnen gelogen und betrogen, weil es ums Überleben geht. Aus dem Schigast einen Geschäftsreisenden und aus dem Hotel ein Vereinshaus machen, das wird zur Lösung, wenn man allein ums Überleben kämpft und sieht, wie sich in der Beletage der Wiener Politik bei den Pressekonferenzen von Kanzler und Entourage die berühmten Balken biegen.

Trotz allem hält sich von der Wiener U-Bahn bis zu den Schihotels im Tirol eine große Mehrheit an die Regeln. Noch immer ist die Bereitschaft groß, etwas Vernünftiges gemeinsam zu tun. Aber mit dem Vertrauen ist das, was Regierung und Regierte zusammenhält, beschädigt.

Als kleine Boulevardzeitung können wir das nicht ändern. Wir können fehlende politische Alternativen nicht ersetzen. Aber wir können darüber berichten und der Propaganda das einzig wirksame Gegengift entgegensetzen: Tatsachen.

Für uns war das Jahr 2020 ein Erfolgsjahr. Inzwischen lesen uns Monat für Monat mehr als 400.000 Menschen. Bald wird das eine halbe Million sein. Wir sind der Gegenverkehr am Boulevard und zeigen dort, dass Pressefreiheit geht.

Wir machen das gemeinsam: eine kleine, tolle Redaktion und Leserinnen und Leser, die uns dabei unterstützen.

Jetzt geht das auch im ZackZack Club. Jedes neue Mitglied stärkt unsere Unabhängigkeit. Das ist im Neuen Jahr mein Wunsch an euch alle: Wir zeigen, dass es geht. Gemeinsam.

euer Peter Pilz

Titelbild: APA Picturedesk

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