Rabensteiner: Heiliger Bimbam

„Gegen all euer Leiden verschreibe ich euch Lachen“, sagte der französische Arzt und Humanist François Rabelais. Die wöchentliche Dosis Medizin verabreicht Fritz Rabensteiner.

 

Fritz Rabensteiner

Wien, 02. Jänner 2021 |

Sekretär: „Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen. Heiliger Vater, ich habe möglicherweise gesündigt, aber es geschah gewiss ohne Absicht. Gestern Abend beim Zappen bin ich auf einen Sender gekommen, auf dem Frauen darum bitten, angerufen zu werden. Sie schienen in Not zu sein. Als Hirte sah ich mich verpflichtet, diese Schäfchen….“

Papst Franziskus: „Schon gut, mein Sohn. Es war deine Christenpflicht. Aber lerne daraus. Das Böse kommt aus dem Fernseher. Gibt es sonst etwas Neues?“

Sekretär: „Ja, eure Heiligkeit, ich habe eben mit der niederösterreichischen Landeshauptfrau Mikl-Leitner telefoniert. Sie will einen österreichischen Bundeskanzler seligsprechen lassen.“

Papst Franziskus: „Ich bin bereits im Bilde, mein Sohn. Bischof Schwarz aus St. Pölten hat mich schon informiert. Aber haben wir nicht erst kürzlich einen österreichischen Politiker seliggesprochen?“

Sekretär: „Ein kleine Anmerkung dazu, eure Heiligkeit, nur eine kleine. Das war nicht nur ein Politiker, das war der letzte Kaiser von Österreich. Karl I.“

Papst Franziskus: „Warum haben wir den Mann seliggesprochen?“

Sekretär: „Er war Habsburger und hat Krampfadern geheilt.“

Papst Franziskus: „Verstehe. Bei einem Wunder kann man natürlich nicht nein sagen. Nun gut. Bischof Schwarz hat seinen Wunsch bei mir deponiert. Was wissen wir über den Mann?“

Sekretär: „Moment, Heiliger Vater. Ich hab’s gleich. Alois Schwarz, geboren am 14. Juni 1952 in Hollenthon, Sohn des Landwirts Alois Schwarz und seiner Frau Ernestine….“

Papst Franziskus: „Nicht über den Bischof. Über den Kanzler.“

Sekretär: „Verzeihung, Heiliger Vater, ich bin noch ganz echauffiert. Die Landeshauptfrau war so aufgeregt, ich möchte fast sagen freudig erregt, geradezu enthusiasmiert, dass sie mir die Verdienste und Leistungen des Kanzlers in einem Tempo erzählt hat, dass ich mit dem Schreiben nicht mehr nachgekommen bin. Eure Heiligkeit möge mir verzeihen, aber ich konnte mir nur Stichwörter notieren. Darf ich ihnen diese zu Gehör bringen?“

Papst Franziskus: „Gewiss, mein Sohn, fahre fort.“

Sekretär: „Also, da wären: Österreichische Volkspartei – nicht nur Bundeskanzler, auch Außenminister – genialer Verhandler mit Großmächten wie den USA und Russland – loyal – bescheiden – Vermittler zwischen den Parteien und gesellschaftlichen Gruppen – großzügig – Unterstützer der Armen und Schwachen – warmherzig – unbestechlich – Liebling des Volkes.“

Papst Franziskus: „Das hört sich doch sehr gut an. Aber du weißt, mein Sohn, Seligsprechungen dauern ihre Zeit. Wer weiß, ob ich dann noch Papst bin. Nichtsdestotrotz kann es nicht schaden, wenn du schon einmal einen Akt anlegst für diesen Leopold Figl.“

Sekretär: „Verzeihung Heiliger Vater, wer ist Leopold Figl? Ich rede über Sebastian Kurz.“

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Titelbild: APA Picturedesk

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