Chef der rechtsradikalen Proud Boys in den USA verhaftet

Der Anführer der rechtsradikalen „Proud Boys“ verbrannte am Rande einer Pro-Trump-Demo ein „Black Lives Matter“-Transparent. Währenddessen trug er zwei Schusswaffen-Magazine mit sich. Jetzt wurde er in Washington verhaftet.

Washington, 5. Jänner 2020 | Zwei Tage vor einer geplanten Demonstration von Anhängern des abgewählten US-Präsidenten Donald Trump ist der Anführer der gewalttätigen und rechtsradikalen Organisation „Proud Boys“ in Washington verhaftet worden.

Wie die Polizei der US-Hauptstadt mitteilte, war gegen Henry „Enrique“ Tarrio bereits vergangenen Monat ein Haftbefehl wegen Sachbeschädigung am Rande einer Pro-Trump-Demonstration in Washington erlassen worden. Zudem habe Tarrio dabei Schusswaffen-Magazine mit sich geführt.

Gewaltbereitschaft für Trump

Das Mitführen von Schusswaffen-Magazinen, wie sie der 36-jährige Tarrio bei sich hatte, ist in Washington verboten. Die „Washington Post“ berichtete, der Sachbeschädigungsvorwurf beziehe sich auf das Verbrennen eines „Black Lives Matter“-Transparents, das von einer Kirche entwendet worden sei.

Die Polizei teilte mit, dass der in Miami lebende Tarrio am Montag (Ortszeit) bei seiner Ankunft in Washington verhaftet worden sei. Er war in die Hauptstadt gekommen, wo Trump-Unterstützer für Mittwoch erneut zu einer Demonstration aufgerufen haben. Trump teilte am Montag auf Twitter einen Aufruf zur Teilnahme an dem Protest in der Nähe des Weißen Hauses. Am selben Tag soll der Kongress das Ergebnis der Präsidentenwahl vom 3. November zertifizieren, die der Demokrat Joe Biden gewonnen hat.

Weitere Ausschreitungen zu erwarten

Der Republikaner Trump und viele seiner Anhänger erkennen den Wahlsieg Bidens noch immer nicht an. Sie behaupten, es sei zu massivem Wahlbetrug gekommen, wofür es keine Beweise gibt. Bereits bei zwei Demonstrationen im Dezember und im November hatten sich in Washington Tausende Unterstützer Trumps versammelt, darunter zahlreiche Anhänger der “Proud Boys”. Am Rande der Proteste kam es vereinzelt zu Zusammenstößen.

Washingtons Bürgermeisterin Muriel Bowser forderte Hauptstadtbewohner am Montag dazu auf, Konfrontationen mit gewaltbereiten Demonstranten zu vermeiden. Sie riet dazu, dem Gebiet der Proteste am kommenden Mittwoch fernzubleiben.

“Haltet euch zurück und haltet euch bereit”

Trump hatte im Wahlkampf mit Aussagen über die “Proud Boys” Begeisterung im rechten Spektrum ausgelöst. In einer TV-Debatte mit Biden hatte er sich geweigert, rechtsradikale Gruppen eindeutig zu verurteilen. “Wen soll ich verurteilen?”, fragte der Präsident damals. Biden warf daraufhin den Namen “Proud Boys” ein. Trump sagte dann: “”Proud Boys” – haltet euch zurück und haltet euch bereit.”

Das Trump-Lager wollte das anschließend als Aufruf gegen Gewalt verstanden wissen. Die “Proud Boys” fühlten sich durch die Aussage laut Medienberichten aber ermutigt. Bei den jüngsten Pro-Trump-Demonstrationen in Washington trugen Mitglieder der Gruppierung T-Shirts mit Trumps Worten. Der in Florida aufgewachsene Tarrio bezeichnet sich als Afro-Kubaner und “American Supremacist”.

Die US-Bürgerrechtsorganisation ADL stuft die “Proud Boys” als unkonventionelle Strömung im rechten amerikanischen Extremismus ein. Die Gruppe könne unter anderem als gewalttätig, nationalistisch und islamophob beschrieben werden, heißt es auf der Seite der ADL. Es sei bekannt, dass Mitglieder gewalttätige Taktiken anwenden. Mehrere von ihnen seien wegen Gewaltverbrechen verurteilt worden.

(apa/jz)

Titelbild: APA Picturedesk

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