Erste U-Bahn Fahrerinnen in Moskau

Hunderte Berufsverbote für russische Frauen abgeschafft

Schiffskapitänin sein, Lastwagen fahren oder Berufstauchen – für mehr als 450 Jobs gab es in Russland bis zuletzt ein Berufsverbot für Frauen. Der offizielle Grund: Die Fortpflanzungsfähigkeit der Frau müsse geschützt werden. Zum Jahreswechsel wurde das Verbot für hunderte Jobs fallen gelassen. Jetzt bekommt die U-Bahn der russischen Hauptstadt zum ersten Mal Fahrerinnen.

Wien/Moskau, 7. Jänner 2021 | Nach Angaben der Verkehrsbetriebe in Moskau wurden am Wochenende die ersten Frauen als U-Bahn Fahrerinnen eingestellt. Zuvor wurde die Moskauer U-Bahn über 80 Jahre lang nur von Männern gesteuert. Das war vor allem dem Arbeitsrecht in Russland zu verschulden, welches Frauen bis vor kurzem noch verboten hat, U-Bahnen zu fahren.

Seit dem 1. Jänner gilt eine Änderung des Arbeitsrechts. Von jetzt an sind Frauen nur noch 100 statt bisher 456 Berufe verboten. Den Erfolg feierte die Moskauer U-Bahn mit einer selbst entworfenen Barbie-Puppe. Die Nachricht darüber: „Du kannst alles erreichen, wenn du möchtest.“

Foto: Screenshot Facebook/Moscow Transport

So werden in der russischen Hauptstadt ab jetzt auch zwölf Frauen U-Bahn-Züge durch den Untergrund Moskaus führen. Fotos zeigen sie zum Dienstantritt in Uniform, mit Mund-Nasen-Schutz und Blumensträußen in den Händen.

In den sozialen Netzwerken schrieb die Metro über die „zwölf Heldinnen“: „Merkt euch diese Namen!“

„Keine körperlichen Anstrengungen“

Flugzeugmotoren reparieren, die Arbeit am Hochofen in einem Stahlwerk oder gefährliche Rettungseinsätze bleiben für Frauen weiterhin tabu. Die Liste der Berufsverbote für Russinnen stammt noch aus den siebziger Jahren, aus der Sowjetzeit, und war zuletzt vor mehr als 20 Jahren angepasst worden. Zwar befürwortete die damalige Sowjetunion die Emanzipation der Frau, mit den Beschränkungen für Frauen sollte aber vor allem die Geburtenrate gesteigert werden. Demnach sollten Frauen von harter Arbeit verschont werden, damit sie mehr Kinder bekommen. Nun ist zum Beispiel das Steuern von U-Bahnen laut den Behörden nicht mehr mit „körperlicher Anstrengung“ verbunden.

In Moskau fahren jeden Tag etwa neun Millionen Personen mit der Metro. Sie können nun Fahrkarten mit Barbie-Motiv kaufen – egal ob im Führerhaus eine Frau sitzt oder nicht.

Widersprüchlich: Erste Frau im Weltall aus Russland

Die Liste der 456 ehemals verbotenen Berufe für Frauen scheint fragwürdig, da Russland oft als Pionier galt, wenn es um die Arbeitsmöglichkeiten und Rechte von Frauen ging:

“Russland war das erste große europäische Land, das 1917 das Frauenwahlrecht gewährte. Die erste Botschafterin kam 1923 aus Russland, ebenso wie die erste Frau im Weltraum”,

so Denis Krivosheev, Stellvertretender Direktor für Osteuropa und Zentralasien bei Amnesty International.

Durchhaltevermögen einer Kapitänin

Wie die „Süddeutsche Zeitung“ vor einigen Jahren berichtete, kämpfte die Russin Swetlana Medwedjewa fünf Jahre lang vor verschiedenen Gerichten darum, als Kapitänin arbeiten zu dürfen. Die Ausbildung zur Schiffsführerin hatte sie zuvor abgeschlossen, bei einem Flussfahrtsbetrieb begann sie zu arbeiten. Bei der Bewerbung zur Kapitänin war allerdings Schluss. Der Grund war einfach: Sie war eine Frau. Ihr Durchhaltevermögen zahlte sich jedoch aus. Das oberste Gericht in Russland erkannte die Absage als Diskriminierung an. Medwedjewa brachte damit den Stein für Millionen Russinnen ins Rollen.

Foto: Screenshot Facebook/Moscow Transport

(jz)

Titelbild: Screenshot Facebook/Moscow Transport

 

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