Kara Tepe – Hohn jeder christlich-sozialen Politik

Nächster Bischof macht Druck auf Kurz

Die Situation auf Lesbos ist längst eskaliert, die Lage der Menschen vor Ort dramatisch. Immer mehr christliche Würdenträger machen Druck auf Bundeskanzler Sebastian Kurz: Jetzt geht auch Innsbrucks Diözesanbischof mit harscher Kritik am Bundeskanzler und der Forderung einer Aufnahme von 100 Familien an die Öffentlichkeit.

Wien, 11. Jänner 2021 | Es sei eine Frage des Anstands und der humanitären Hilfeleistung, nicht des politischen Kalküls oder einer Asyldebatte: Nach Kardinal Schönborn und Bischofskonferenz-Vorsitzendem Lackner macht die nächste katholische Größe Druck auf Kurz. Innsbrucker Diözesanbischof Hermann Glettler wendet sich mit scharfer Kritik an Bundeskanzler Sebastian Kurz zu Wort und fordert die sofortige Aufnahme von 100 Familien.

„Worauf warten? Bis es Erfrorene in den Lagern gibt? Bis die Zustimmungsquote für eine längst fällige Entscheidung den Bundeskanzler überzeugt?“

Nach einer Woche anhaltender Regenfälle auf der Insel Lesbos versinkt das Notlager Kara Tepe im Wasser, die Temperaturen sinken gegen null Grad.

Die Bilder von vor Ort „verbieten allen, die sich eine Restmenge an Empathie bewahrt haben, ein politisches Taktieren“, so der Diözesanbischof, der im Dezember selbst drei Tage vor Ort war.

„Hilfe vor Ort zynisch“

Der Geistliche habe den Glauben an ein Weihnachtswunder der österreichischen Bundesregierung in der Causa Lesbos aufgegeben, die Zeit des geduldigen Wartens gehe zu Ende, befindet der Diözesanbischof. Angesichts der winterlichen Temperaturen sei „Hilfe vor Ort“ als Ersatz für eine Evakuierung „nur mehr zynisch“. Es sei „längst nicht mehr verständlich, dass unzählige Österreicherinnen und Österreicher, politische Gemeinden, Pfarren und kirchliche Gemeinschaften, Solidaritätsgruppen und unzählige Engagierte sich der politischen Haltung des Bundeskanzlers zu beugen haben.“

Hermann Glettler teilte einen Hinweis zu seinem Appell zusammen mit einem Bild aus Kara Tepe via Instagram.

„Hohn jeder christlich sozialen Politik“

„Jedes politische Kalkül auf Kosten dramatisch notleidender Menschen ist ein Hohn jeder christlich sozialen Politik.“, so Glettler. Er betont, worum es in Wirklichkeit geht, nämlich humanitären Anstand: „Was gehört sich und was gehört sich nicht. Der humanitäre Anstand verpflichtet dazu, in einer akuten Notlage rasch und effektiv zu helfen.“ Es gehe daher um die Notwendigkeit einer sofortigen „humanitären Aufnahme“ von Menschen in Not, nicht um eine Asyldebatte.

Den gesamten Aufruf des Bischofs finden Sie hier:

(lb)

Titelbild: APA Picturedesk

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