Wann öffnen die Schulen nun wirklich, Herr Faßmann?

Vier Richtungsänderungen in zwei Tagen – Lehrer, Eltern und Schüler wollen Klarheit

Wann öffnen die Schulen? Und unter welchen Bedingungen? Aus dem Bildungsministerium gab es dazu in den vergangenen Tagen widersprüchliche Vorgaben. Am Mittwoch lag zwischen zwei unterschiedlichen Ankündigungen nicht einmal eine Stunde.

Wien, 14. Jänner 2021 | Hin und her geht es in der Frage der Schulöffnung: In der Nacht auf Dienstag erreichte die Direktionen des Landes die Nachricht, dass die Schulen am kommenden Montag, den 18. Jänner, aufsperren würden.

Die dafür eigentlich nötigen Antigen-Tests sollten aber erst am Freitag nach Österreich geliefert werden. Die Schulen wurden aufgefordert, eine Person zu nennen, die das Wochenende über im Schulgebäude auf die Lieferung warten würde – ZackZack berichtete.

Hin

Nur wenige Stunden später ließ die Regierung an die Presse durchsickern: Die Aktion ist abgeblasen. Die Schulen würden nicht vor den Semesterferien geöffnet. Der frühestmögliche Schulbeginn wanderte damit auf den 15. Februar.

Her

Einen Tag später, am Mittwoch, war wieder alles anders. Bildungsminister Heinz Faßmann sagte im “Ö1”-Mittagsjournal, die Schulen würden am 18. Jänner öffnen. “Ab dem 25. dann gibt es eine schrittweise Öffnung”, sagte Faßmann. Wie das genau ablaufen sollte – ob zum Beispiel Schichtbetrieb organisiert würde – wisse man noch nicht.

Es dauerte nicht einmal eine Stunde, bis Faßmann in der 13:00-ZIB ergänzte: Für den nicht unwahrscheinlichen Fall einer Verlängerung des allgemeinen Corona-Lockdowns über den 24. Jänner hinaus blieben auch die Schulen geschlossen.

Wieder zurück

In einem Mail an alle Direktionen, das noch am selben Nachmittg versendet wurde, war davon wiederum nicht die Rede. Am 25. würde der Präsenzunterricht wieder beginnen, und zwar im Schichtbetrieb mit 50 Prozent Anwesenheit, zuzüglich jenen Schülern, die in in der Schule nicht unterrichtet, aber betreut werden. “Die Ereignisse überschlagen sich in diesen Tagen”, schreibt das Bildungsministerium entschuldigend.

Ist es denn überhaupt sinnvoll, die Schulen nur eine Woche vor Beginn der Semesterferien im Osten zu öffnen? Wegen des momentan angekündigten Schichtbetriebs wären die Hälfte der Kinder dann nur zwei Tage in der Schule, ehe die Ferien beginnen.

Öffnung für zwei Schultage

Die angekündigte Öffnung könnte organisatorische Gründe haben, mutmaßt der Direktor einer Wiener Mittelschule gegenüber ZackZack. Unter anderem müsse man den Kindern die Semesterzeugnisse aushändigen. Eine digitale oder postalische Übergabe hat das Bildungsministerium bisher nicht geplant.

Auch die Logistik um wöchentliche Antigentests für alle Schulangehörigen ist ungeklärt. Sicher scheint nur, dass nicht – wie ursprünglich geplant – alle Kinder bereits am kommenden Montag getestet werden. Die kurze Präsenzphase könnte auch dazu dienen, den Schülern Testkits auszuhändigen. Im Mail des Bildungsministeriums heißt es, die Selbsttests könnten kommende Woche den Schülern mit nach Hause gegeben werden.

Keine Planungssicherheit für Eltern

Evelyn Kometter vom Dachverband der Pflichtschulelternvereine bezeichnet die wechselnden Ankündigungen gegenüber ZackZack als “Wildwuchs”. Planungssicherheit hätten Eltern schon lange nicht mehr. Vor allem für das gute Drittel alleinerziehender Eltern sie wichtig, dass eine Betreuung in der Schule gewährleistet ist.

Eine Prognose, wie es mit dem Unterricht weitergehen könnte, wagt Kometter angesichts des Hin und Her nicht. Sollte es weiter Digitalunterricht geben, müsse besser auf Qualität geachtet werden. Es gäbe “sehr viele gute Lehrer”, die sich mühten, das Beste aus der schwierigen Situation zu machen, aber eben auch “schwarze Schafe”, die den Unterricht de facto ausfallen ließen.

Sollten die Schulen am 25. Jänner tatsächlich öffnen, hätten Oberstüfenschüler zum ersten Mal seit 23. Oktober 2020 Präsenzunterricht.

(tw)

Titelbild: APA Picturedesk

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