Wöginger plaudert aus

ÖVP-Klubobmann will FPÖ spalten

Am Mittwoch gab der ÖVP-Klubobmann August Wöginger in einer Nationalratsrede ungewöhnlich viel Einblick in die türkise Strategie, mit der FPÖ umzugehen. Herbert Kickl wolle er einen Keil in seine Partei jagen. In einer Aussendung ruderte er zurück, zitierte sich allerdings selbst falsch.

 

Wien, 14. Jänner 2021 | Dass die ÖVP unter Bundeskanzler Sebastian Kurz im blauen Wählerteich fischt, ist nichts Neues. Im Nationalratswahlkampf 2019 kopierte die ÖVP Jörg Haider Plakate aus den 90ern und druckte denselben Slogan („Einer, der unsere Sprache spricht“) wie Herbert Kickl.

Im Wien-Wahlkampf 2020 unter Spitzenkandidat Gernot Blümel fuhr die Volkspartei ein Wahlprogramm, das den Freiheitlichen zum Verwechseln ähnlich war. Deutschpflicht für Gemeindebau und Nikolopflicht im Kindergarten – Blümel riss sich bekannte FPÖ-Forderungen unter den Nagel.

Wöginger will Keil in FPÖ treiben

Am Mittwoch gewährte der ÖVP-Klubobmann August Wöginger nun ungewohnte Einblicke. In seiner Nationalratsrede attackierte er sein FPÖ-Pendant Herbert Kickl wegen der Corona-Politik der Freiheitlichen. Herbert Kickl würde mit seiner Politpropaganda die Bevölkerung aufwiegeln, „das sei ja das Ziel der FPÖ. Die Bevölkerung aufzuwiegeln, einen Keil hineinzutreiben“. So weit, so normal: Herbert Kickl ist aufgrund seiner ablehnenden Haltung gegenüber den Corona-Maßnahmen eines der Lieblingsziele der ÖVP im Nationalrat.

Doch im nächsten Satz wurde es dann persönlich: „Nur eines sag ich dir, den Keil den treib’ ich dir in deine Partei hinein, so wie du diese Partei führst, denn der Hofer hat nämlich recht und nicht du.“

Zitiert sich in Presseausendung falsch

Ein Bild, das sich bereits seit Wochen zeigt. Das Lob der ÖVP für den FPÖ-Chef Norbert Hofer in vergangenen Nationalratssitzungen ist auffallend. In einer Presseaussendung nach seiner Rede bekräftigte Wöginger erneut seinen Standpunkt der geteilten FPÖ, allerdings schwächte er seine im Nationalrat getätigte Rede plötzlich ab. Anstatt der FPÖ einen Keil selbst hineinzutreiben, schrieb Wöginger: „Dieser Keil sei allerdings auch in der FPÖ zwischen Kickl und Hofer zu spüren.“

“Das ist ein bisschen unlogisch”

Die FPÖ reagierte umgehend auf die Aussendung Wögingers mit einer eigenen Pressemitteilung. „Lieber August Wöginger, wenn es den Keil gäbe, müsstest du nicht ankündigen, ihn hinzutreiben. Das ist ein bisschen unlogisch und es wird dir auch nicht gelingen, uns zu spalten. Aber wenn du dir schon einbildest, in eine andere Partei hineinregieren zu können, dann steh wenigstens dazu und sei nicht feig auch noch!“, schrieb der FPÖ-Generalsekretär Michael Schnedlitz. Bei den ehemaligen Regierungspartnern hängt jedenfalls der Haussegen schief.

(bf)

Titelbild: APA Picturedesk

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