Die Südtirol-Unwahrheit

Kurz-Pressekonferenz

Am Sonntag verkündete Bundeskanzler Sebastian Kurz eine Verlängerung des mittlerweile dritten harten Lockdowns. Dabei nahm er Südtirol als Negativbeispiel von „Leichtsinn“ und „Fahrlässigkeit“. Man habe nach der Öffnung am 7. Jänner nach zehn Tagen wieder zusperren müssen. In Südtirol weiß man allerdings nichts von einem Lockdown.

 

Wien, 18. Jänner 2021 | Der Lockdown in Österreich wurde am Sonntag zumindest bis zum Ende der Semesterferien am 8. Februar verlängert. In gewohnter Manier stellte der Bundeskanzler dar, dass Österreich nun wieder im oberen Drittel der Europäischen Union zu finden sei, was die Kontrolle über das Infektionsgeschehen betrifft. Etwaige Lockerungen zu diesem Zeitpunkt nannte der Bundeskanzler „Leichtsinn“, wenn nicht sogar „Fahrlässigkeit“. Kurios: Laut „Heute“-Chefredakteur Christian Nusser wollte Kurz vergangene Woche Lockerungen vorstellen. Jetzt kam es zum Gegenteil.

Kurz: Südtirol sperrt zu

Als Negativbeispiel für vorschnelle Öffnungen verwies Kurz am Sonntag auf Südtirol. Südtirol habe am 7. Jänner nach dem Lockdown geöffnet, nun aber wieder schließen müssen. Südtirol kehre somit in den „vollständigen Lockdown“ nach nur zehn Tagen zurück.

Südtirol weiß nichts von Lockdown

In Südtirol zeigte man sich allerdings überrascht von der Darstellung des österreichischen Bundeskanzlers. Rom erklärte zwar am Freitag Südtirol als „rote Zone“, ein Volllockdown blieb aber aus. Südtirol bestreitet einen eigenen Weg: Bars, Restaurants und auch der Handel blieben offen. Einzig die Skigebiete wurden am Wochenende geschlossen. Landeshauptmann Arno Kompatscher ließ bei einer Pressekonferenz am Freitag wissen, dass man erst bei einer Verschlechterung der Situation auf neue Maßnahmen setzen würde: „Die Situation ist in ganz Europa aktuell sehr angespannt. Deswegen ist es klar, dass wir auch weiterhin sehr wachsam sein werden: Aufgrund der Empfehlungen unserer Experten bestätigen wir die derzeitigen Regeln. Wenn sich die Lage ändert, wird der Sanitätsbetrieb zeitnah mitteilen, dass neue Maßnahmen gesetzt werden müssen.“

“HBK ist leider falsch informiert”

Aus dem Büro des Südtiroler Landeshauptmanns ließ man dem Kanzler über die ORF-Journalistin Diana Weidlinger ausrichten: „HBK (Herr Bundeskanzler Anm. d. Red) ist leider falsch informiert.“

Das Kurz-Statement über Südtirol im Wortlaut:

„Ich weiß, dass viele jetzt sagen: Man sollte mutig sein, man sollte ein kalkuliertes Risiko eingehen und zumindest den einen oder anderen Öffnungsschritt wagen. Und, ich glaube, Sie alle kennen mich, ich bin eigentlich eher ein mutiger Mensch. Aber in diesem Fall wäre das nicht Mut, sondern es wäre Leichtsinn. Ich würde fast sagen: Das wäre Fahrlässigkeit. Südtirol hat am 7. Jänner geöffnet – und schließt heute wieder. Die Öffnung hat genau zehn Tage gedauert. Nach zehn Tagen kehrt Südtirol in den vollständigen Lockdown zurück. Und ich weiß aus vielen Gesprächen mit Unternehmerinnen und Unternehmern, dass die Schließungen dramatisch sind. Aber auf-zu, auf-zu, eine Öffnung für eine Woche oder für zehn Tage – und dann so hohe Infektionszahlen, dass wir mit noch einer schlechteren Situation wieder schließen müssen und das vielleicht für noch längere Zeit – das bringt auch niemanden weiter.“

(bf)

Titelbild: APA Picturedesk

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