Krach im Grünen-Klub

Säuberungsaktion sorgt für Ärger

Außergewöhnliche Vorgänge im Grünen Parlamentsklub: Klubobfrau Sigrid Maurer soll am Dienstag ihre Stellvertreterinnen auswechseln. Insider sprechen von einer Grünen „Säuberungsaktion“: insbesondere Klubobfrau-Stellvertreterin Ewa Ernst-Dziedzic fordert unbeugsam die Aufnahme von Flüchtlingen aus Lesbos und gilt als Gefahr für den türkis-grünen Koalitionsfrieden.

Wien, 18. Jänner 2021 | Am Dienstag soll der Grüne Parlamentsklub zu einer Entscheidung in einem schwelenden Konflikt kommen: Die bisherigen Stellvertreterinnen von Sigrid Maurer als Klubobfrau, Ewa Ernst-Dziedzic und Astrid Rössler, sollen durch Landwirtschaftssprecherin Olga Voglauer und die Vorsitzende der Grünen Frauen, Meri Disoski, ersetzt werden. Was nach außen hin als „ganz normale Geschichte“ verkauft wird, ist in Wirklichkeit alles andere als gewöhnlich: es geht um interne Macht- und Grabenkämpfe und um den türkis-grünen Koalitionsfrieden.

Grünen-Insider: Ernst-Dziedzic Gefahr für Koalitionsfrieden

Wie ZackZack aus Insider-Kreisen erfuhr, soll Ernst-Dziedzic mit ihrem konstanten Eintreten für die Flüchtlinge auf Lesbos für Irritation sowohl in der Parteiführung als auch beim Koalitionspartner gesorgt haben. Sie übt als unbequeme Politikerin konsequent Druck für eine Aufnahme aus und hält auch bei anderen Themen nicht mit ihrer Meinung zurück. Vor allem ihr Moria-Engagement berge Konfliktstoff, heißt es: einerseits würde die interne Kritik am eigenen Regierungskurs befeuert, andererseits dränge die ÖVP auf Ruhe im Parlament. Es gelte, die Flüchtlingsfrage kleinzuhalten. Das gehe nur über ein klares Signal: die Demontage von Ernst-Dziedzic.

Maurer inszeniert sich als Garantin für Koalitionsfrieden

Als Garantin für den türkis-grünen Koalitionsfrieden sieht sich Klubobfrau Maurer. Doch sie dürfte an Unterstützung im Klub verlieren. Vizekanzler Werner Kogler braucht sie zur Stabilisierung der Koalition, doch auch an ihm wird die interne Kritik immer heftiger: Es brodelt in der grünen Belegschaft.

Ernst-Dziedzic auch Konkurrentin für Maurer

Die Behauptung Maurers gegenüber dem „Standard“, dass es sich bei der Neuwahl ihrer Stellvertreterinnen um eine „ganz normale Geschichte“ handle, ist wenig glaubwürdig. Stellvertreterinnen werden nur dann neu gewählt, wenn auch die Klubobfrau zur Wahl steht. Aber Maurer denkt nicht daran, sich mitten in der Regierungsperiode einer Wahl zu stellen. „Sie will nur Ewa loswerden“, meint ein grüner Kollege. Die „Säuberungsaktion“ habe einen doppelten Zweck: Der Klub soll „auf Linie“ gebracht werden. Und Sigi Maurer will mit Ernst-Dziedzic auch eine mögliche Konkurrentin um den Klubvorsitz loswerden. Seit Jahren schwelt die Konkurrenz zwischen den beiden Kolleginnen. 2016 kandidierten beide für den Vorstand der Grünen Frauen Österreich – Ernst-Dziedzic gewann. „Das sind zwei Wiener Lager, die es sich da geben“, beschreibt ein Klubmitarbeiter den Streit.

Sollte es am Dienstag tatsächlich zur Demontage der Stellvertreterinnen kommen, hat es Maurer vorläufig geschafft.

(red)

Titelbild: APA Picturedesk

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