Impf-Chaos in Salzburg

Covid-freie Privatkliniken bevorzugt?

Das Desaster rund um die Corona-Impfungen nimmt weiter seinen Lauf. Vor allem Salzburg und Tirol dürften es mit der vom nationalen Impfgremium vorgegebenen Priorisierung nicht so ernst nehmen. Ärzte werden auf Mitte Februar verwiesen, ausgewählte Covid-freie Privatkliniken würden in der Verteilung des Impfstoffs klar bevorzugt werden.

Wien, 21. Jänner 2021 | „Wo ist unser Impfstoff?“, fragen sich viele Salzburger Ärzte derzeit zu Recht. Bereits Anfang Dezember hat man sie durch die Ärztekammer zur verbindlichen Anmeldung für die Corona-Impfung aufgefordert. Im Falle einer niedergelassenen Ärztin, die an ZackZack herangetreten ist und anonym bleiben möchte, hätte es die erste Teil-Impfung für sie und ihre sieben Ordinationsmitarbeiter bereits am 15. Jänner geben sollen.

Ein Tag davor, also am 14., dann die Nachricht: es gebe nicht genügend Impfdosen, der nächste mögliche Termin sei erst Mitte Februar. Auch eine neuerliche Anmeldung sei nötig.

„Es ist ein Wahnsinn, wie hier mit uns umgegangen wird. Man verspricht uns etwas ein Monat lang und dann dauert es erst wieder. Zwischendurch habe ich dann Patienten, die bei Lebensmittelkonzernen, Banken oder großen Energieversorgern arbeiten und mir erzählen, dass sie bereits nächste Woche geimpft werden sollen“,

so die Ärztin zu ZackZack.

ZackZack konnte den Lebensmittelkonzern, den Energieversorger und die Bank für eine Stellungnahme erreichen. Von Seiten der Unternehmen wird betont, dass man sich hier an die Vorgaben des Bundes halten und als kritische Infrastruktur (zu der beide gezählt werden) erst in Phase 2 mit den betrieblichen Impfungen starten werde.

„Wohin gehen die ganzen Impfstoffe?“

Während etwa in Wien etwa 8.500 niedergelassene Ärzte bereits letzte Woche geimpft wurden und auch in Oberösterreich mit Ende Jänner fast alle Ärzte durchgeimpft werden dürften, werden sie in Salzburg auf Mitte Februar vertröstet. Hier dürfte irgendetwas überhaupt nicht stimmen mit der Verteilung, wie die Medizinerin meint:

„Ich frage mich nun: Wohin gehen die ganzen Impfstoffe?“

Auch in den “Salzburger Nachrichten” klagt ein 69-jähriger Kinderarzt, der bereits selbst zur Risikogruppe gehört, darüber, dass die Gruppe der niedergelassenen Ärzte in Salzburg erst für ab dem 15. Februar vorgesehen ist. Hier würde sich der Informationsstand „ständig ändern“.

ÖVP-nahe Privatklinken bevorzugt?

Stattdessen würden Salzburger Privatkliniken, die nicht vorwiegend Covid-Patienten behandeln, bevorzugt werden. Die PremiQaMed, die auch Kliniken in Wien und Graz führt, würde gar lediglich jene Patienten behandeln, die davor einen negativen PCR-Test vorweisen können. Dort sei die Belegschaft bereits zur Hälfte durchgeimpft.

Im Spital der Barmherzigen Brüder hätte man ebenfalls schon so gut wie alle Mitarbeiter durch. Auch dort würde sich die Anzahl an Covid-Patienten laut Spital „in Grenzen halten“. Alles „ÖVP-nahe Spitäler“, wie die betroffene Ärztin ZackZack erzählt.

Auch in Tirol sorgen Berichte über zu Unrecht bevorzugte Privatspitäler für Empörung. Laut einem Bericht des “Standard” seien vor allem private Unfallkliniken unter dem Namen Medalp bereits ordentlich mit dem Impfstoff versorgt worden. Diese würden ebenso gar keine Covid-Patienten versorgen, sondern – nahe bei Skigebieten gelegen – auf Unfallchirurgie spezialisiert sein. In den Landeskliniken hätten stattdessen erst etwa 15 Prozent der Mitarbeiter die Impfung erhalten.

Aus der Salzburger Landesregierung rund um LH-Stellvertreter und Gesundheitsreferent Christian Stöckl (ÖVP) heißt es jedenfalls, dass man sich beim Salzburger Impfplan stets an die Priorisierungsempfehlungen des Bundes halte. Privatkliniken ohne Covid-Patienten sind dort jedoch nicht als oberste Priorität angeführt.

(mst)

Titelbild: APA Picturedesk

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