Festivals trotz Corona?

Wiener Start-up will das möglich machen

Um Festivals und Großveranstaltungen wieder ins Leben zurückzuholen, hat Hennes Weiss, ehemaliger Besitzer der Pratersauna in Wien und Veranstalter des Lighthouse Festivals in Kroatien, das Start-up “testFRWD” gegründet. Doch wird er es damit auch schaffen, die Regierung zu überzeugen? ZackZack hat sich umgehört.

 

Wien, 22. Jänner 2021 | Mit einem Gurgeltest will das Wiener Start-up “TestFRWD” coronafreie Festivals und Großveranstaltungen schon bald wieder möglich machen. In einem Interview mit “FM4” erklärt Mitbegründer Hennes Weiss, wie das genau funktionieren soll. Festival- und Konzertveranstalter stehen dem Vorhaben gegenüber ZackZack jedoch noch skeptisch gegenüber – das letzte Wort habe nämlich die Regierung. Und diese zeichnet sich bekanntlich nicht durch gute Kommunikationspolitik aus.

Der Clubkultur geht es pandemiebedingt schlecht, und das bereits ein Jahr lang. Clubbesitzer und Veranstalter kämpfen täglich damit, sich noch irgendwie über Wasser zu halten. Seitens der Regierung gibt es immer noch keine klaren Ansagen. Hennes Weiss und Veit Aichbichler geben dennoch nicht auf und haben eine Vision: Coronafreie Festivals. Hennes Weiss ist Veranstalter des Lighthouse Festivals, welches normalerweise jährlich in Kroatien stattfindet. Mit dem Start-up “TestFRWD” will er das Festival schon heuer ermöglichen. Eine schöne Idee, doch wie soll das funktionieren?

Die Safety-Bubble

Hennes Weiss sieht es optimistisch: Ende Mai soll das Lighthouse Festival in Kroatien “das erste Festival weltweit sein”, das in der Größenordnung von mehreren tausend Leuten ein sicheres Feiern ermöglichen kann, so Weiss gegenüber “FM4”.

Lighthouse Festival 2019 / Foto: Alexandre Nicolas Koletsis

Alle, die ein Ticket für das Festival kaufen, bekommen ein paar Tage vor Festivalbeginn ein sogenanntes Test-Kit nach Hause geschickt. 48 Stunden vor der Abreise soll der Gurgel-Test zuhause durchgeführt werden. Dafür meldet man sich in einer App an und gurgelt dann 60 Sekunden lang.

“Das besondere ist: Das Packaging des Tests hat eine Vorrichtung, wo du dein Handy hineinsteckst. Die App filmt dich dann in einer bestimmten Position, wo du nichts falsch machen kannst, während du 60 Sekunden gurgelst”,

beschreibt Hennes.

Anschließend muss der Ausweis gezeigt werden. Mit einen Zeitstempel wird bewiesen, dass wirklich 60 Sekunden gegurgelt wurden, ansonsten ist der Test fehlerhaft.

“Dahinter liegt eine Künstliche-Intelligenz-Software, die übrigens auch von der deutschen Polizei an den Flughäfen zur Terrorismusbekämpfung verwendet wird.”

Nach dem Gurgeln wird das Ergebnis zur Post gebracht. Innerhalb von 24 Stunden soll das Ergebnis als QR-Code am Handy erscheinen und dem Festival bei negativem Ergebnis nichts mehr im Wege stehen. Am Eingang des Festivalgeländes wird das jeweilige Testergebnis mit dem Ticket überprüft, sodass nur negativ-getestete Personen Zugang zum Festival erhalten und somit eine sogenannte “safety bubble” (Sicherheitsblase) entsteht.

Der Ball liegt bei der Regierung

Benjamin Berggold, Mitbegründer und Veranstalter der gemeinnützigen Open-Air Reihe “Offene Luft” befürwortet gegenüber ZackZack den Optimismus und die Energie, die Hennes Weiss in das Projekt steckt.

“Ich find es super, dass er sich hinsetzt und produktive Lösungen überlegt!”

Dennoch ist es für alle Veranstalter gerade sehr schwer, viel Energie und Leidenschaft in Projekte zu stecken, die letztendlich wieder abgesagt werden müssen, da die Regierung nicht kooperiert. Auch Benjamin hat mit seinem Team ausführlich und intensiv an Alternativ-Konzepten gearbeitet.

“Für die ganz großen Festivals ist der Test vor der Veranstaltung sicher eine Lösung – aber auch nur dann, wenn die Politik mitspielt und das so zulässt. Bis jetzt hat sie sich da ja nicht getraut”,

so Benjamin gegenüber ZackZack.

“Offene Luft”-Veranstaltung in Wien / Foto: Tim Dornaus

Auch Nico Nesta, Mitbegründer und Booker von “FYI:agency“, sieht noch keinen Festivalsommer 2021 in Sicht. Er und sein Team plant aktuell mit viel Hoffnung auf den Spätsommer und Herbst hin:

“Aber viel mehr können wir noch nicht sagen. Es steht und fällt mit der Kommunikationspolitik”,

so Nico gegenüber ZackZack.

Das Herzblut und das Durchhaltevermögen der Veranstalter lassen sich trotz Pandemie nicht unterdrücken. Es heißt: aufstehen und weitermachen.

Auf ZackZack-Anfrage an das Bundesministerium für Kunst & Kultur, ob die “TestFRWD”-Idee ein erster Schritt in Richtung Rettung der Kulturszene sein könnte, gab es bis jetzt keine Antwort.

(jz)

Titelbild: Alexandre Nicolas Koletsis

 

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