So lief Marsaleks Flucht

Wird jetzt nur die blaue Spur verfolgt?

ZackZack veröffentlicht Dokumente und Passagen rund um die spektakuläre Flucht von Marsalek. Neue Erkenntnisse liegen vor, die Ermittlungen laufen auf Hochtouren. Aber nur in eine Richtung?

 

Wien, 25. Jänner 2021 | Nach dem Ex-FPÖ-Abgeordneten Schellenbacher und dem Ex-BVT-Nachrichtendienstchef W. ist jetzt in Villach mit O. ein weiterer BVT-Mann verhaftet worden. Der Verdacht wird immer klarer: Führende BVT-Beamte haben Unternehmen wie Wirecard Daten und Informationen geliefert, und sich damit einen Zusatzverdienst verschafft. Das ÖVP-nahe Bundeskriminalamt ermittelt mit Hochdruck gegen die Beamten und ihre Verbindungsmänner in der FPÖ. Der Verdacht: Wie im Fall „Ibiza“ werden die Spuren, die zur ÖVP führen, kaum verfolgt.

Im Nebenberuf Pornoseiten prüfen

Die Staatsanwaltschaft Wien hat die Beschuldigungen gegen das Schellenbacher-BVT-Netzwerk präzise zusammengefasst:

In der Zwischenzeit sind weitere BVT-Beamte ausgeforscht. Mit dem Beamten O., dem ehemaligen Führer der verdeckten Ermittler des BVT, ist ein weiterer Verfassungsschützer verhaftet worden.

Die Staatsanwältin geht davon aus, dass W. und „andere, noch auszuforschende Mitarbeiter des BVT nebenberuflich für Wirecard AG tätig waren“. Wie sie mit den Mitteln des BVT die „Zahlungsfähigkeit von Anbietern pornographischer Internetseiten“ überprüften, wird wohl demnächst der Innenminister erklären müssen.

“Zu Beginn der Ermittlungen im Spätsommer 2020 war vom dringenden Tatverdacht auszugehen, dass Mag. W. und andere noch ausforschende Mitarbeiter des BVT nebenberuflich für die Wirecard AG tätig waren, um für den Zahlungsdiensteanbieter die Zahlungsfähigkeit von Anbietern pornographischer Internetseiten zu überprüfen. Auf Grundlage der vorliegenden Ermittlungsergebnisse verdichtete sich der Tatverdacht, dass die (vermeintliche) ‘Quelle des Jan Marsalek im BVT’ Mag. W. war bzw ist.”

Von Bad Vöslau nach Minsk: Das Fluchtprotokoll

Die Staatsanwältin beschreibt, wie Schellenbacher und BVT-Mann W. am 19. Juni 2020 die Flucht von Wirecard-Chef Marsalek in einer Cessna vom Flugplatz Bad Vöslau nach Minsk organisierten.

Die Staatsanwältin schildert auch, wie sich Marsalek und W. am Tag vor dem Flug in einem Münchner Lokal getroffen haben. Schellenbacher organisierte dann den Flug.

Am 20. Jänner wurde Schellenbacher verhaftet und sofort als Beschuldigter einvernommen: „Die Ergebnisse der umfassenden Ermittlungsmaßnahmen, insbesondere die Angaben der Piloten A. und W. im Zuge ihrer Beschuldigtenvernehmungen sowie jene der laufenden TKÜ- und Observationsmaßnahmen verdichteten den Tatverdacht, dass Ing. Thomas Schellenbacher und Mag. W. die Flucht des Jan Marsalek organisierten. Ing. Thomas Schellenbacher wurden am 20.1.2021 auf gerichtlich bewilligter Anordnung der Staatsanwaltschaft Wien festgenommen.“

Schellenbacher legte ein erstes Geständnis ab.

Schellenbacher schob dann die Verantwortung auf W.: „Ing. Schellenbacher räumte letztendlich ein, Kenntnis darüber gehabt zu haben, dass Marsalek flüchten wird wollen. Nach den Angaben des Ing. Schellenbacher sei Mag. W. grundsätzlich immer sehr darum bemüht gewesen, dass sein Name nicht genannt werde; er habe stets im Hintergrund die Fäden ziehen wollen. ‚Die Sache sollte bei mir enden, obwohl er im Hintergrund Anweisungen gab“.

Blaue und türkise BVT-Netzwerke

Heute scheint klar: Es gibt zwei dubiose Netzwerke im BVT. Eines steht der FPÖ nahe. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft wird es von Martin W. geführt. Wie in blauen Kreisen nicht unüblich, geht es um dubiose Geschäfte und Geld. Gegen dieses Netzwerk ermitteln Bundeskriminalamt und Staatsanwaltschaft auf Hochtouren.

Das zweite Netzwerk kämpft mit dem ersten seit Jahren um die Macht im BVT. Es gehört der ÖVP an. Seine Köpfe sind der Ex-Stellvertreter des BVT-Direktors Z. und der Nachrichtendienst-Chef P. Die Ermittlungen gegen dieses Netzwerk verlaufen bisher im türkisen Sand.

ZackZack wird darüber berichten.

(pp/wb)

Titelbild: APA Picturedesk

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