Neue Studie zeigt:

Corona macht Reiche noch reicher, Arme noch ärmer

Milliardäre profitieren, während die Ärmsten der Welt durch die Pandemie noch mehr zu leiden haben. Eine neue Studie belegt nun das, was bereits lange vor der Krise zu erkennen war. Die wirtschaftliche Ungleichheit wurde durch Corona noch weiter angetrieben.

Wien, 26. Jänner 2021 | Die Organisation Oxfam veröffentlichte am Montag ihren Ungleichheitsbericht. Demnach würden Milliardäre “trotz Pandemie” weiter profitieren, die Ärmsten der Welt würden hingegen weiter zurückfallen. Oxfam veröffentlichte den Bericht anlässlich des Starts des Weltwirtschaftsforums, das erstmals statt in Davos komplett digital stattfindet.

Vermögen der reichsten Menschen steigt um eine halbe Billion

Für den Bericht ließ die Organisation knapp 300 Ökonomen aus 79 Ländern befragen. Demnach erwarten 87 Prozent der befragten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eine “Zunahme” oder einen “starken Anstieg” der Einkommensungleichheit.

Oxfam verwies zudem darauf, dass das Vermögen der Ende Dezember zehn reichsten Männer der Welt seit Februar 2019 trotz der Coronapandemie um eine halbe Billion Dollar auf 1,12 Billionen Dollar (920 Mrd. Euro) gestiegen ist. An der Spitze stehen Amazon-Gründer Jeff Bezos, Tesla-Chef Elon Musk und der französische Luxusgüter-Unternehmer Bernard Arnault. In nur neun Monaten habe zudem das Vermögen der tausend reichsten Menschen der Welt wieder den Stand vor der Pandemie erreicht.

Die reichsten der Reichen. Diese Grafik zeigt, wie sich das Vermögen von Bezos, Musk & Co. während der Pandemie vermehrt hat. (Quelle: Twitter)

Erholung der Ärmsten erst in einem Jahrzehnt

Für die Ärmsten der Welt könnte es nach Berechnungen der Organisation mehr als ein Jahrzehnt dauern, bis sie sich von den wirtschaftlichen Folgen der Pandemie erholt haben. Besonders betroffen sind demnach Frauen: Sie arbeiten häufiger in besonders von der Pandemie betroffenen Sektoren wie dem Gastgewerbe und stellen zudem weltweit rund 70 Prozent der Arbeitskräfte im Gesundheits- und Sozialwesen – und sind so auch einem höheren Infektionsrisiko ausgesetzt.

Oxfam verwies auf strukturelle Probleme der sozialen Ungleichheit. Unternehmen, Märkte und Politik seien “weltweit so gestaltet, dass kurzfristige Gewinninteressen zu oft über das Gemeinwohl triumphieren”, kritisierte Tobias Hauschild von Oxfam Deutschland. Auf der Strecke blieben Arbeitsschutz, Löhne und Menschenrechte. Nötig sei deshalb eine solidarisch und ökologisch gerechte Umgestaltung der Wirtschaft – etwa über die Unternehmensteuern und eine Regulierung einzelner Sektoren.

(apa)

Titelbild: APA Picturedesk

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