Krisenmodus

Auf Wiedersehen!

In der Redaktion von ZackZack ist immer etwas los. Den wöchentlichen Einblick gibt Thomas Walach.

Sie kennen das: Es gibt so Tage und Wochen… Die vergangene war so eine in der Redaktion. Objektiv lief alles bestens. Wir hatten ein paar aufsehenerregende Recherchen, eine davon – in Kooperation mit der “Krone” – sorgte für aufgeregte Interventionsversuche von ganz, ganz oben. Das ist immer schön, weil es ein Zeichen ist, dass man ins Schwarze getroffen hat. Entsprechend gut waren die Leserzahlen.

Dennoch haben wir in der vergangenen Woche nicht viel gelacht. Das Drama um die Abschiebung von drei Familien hielt uns nicht nur in Atem, es ging uns allen auch nahe. Und wie das bei einem Drama so ist, nahm es (bisher) auch kein gutes Ende.

Julia und Markus fuhren zum Abschiebezentrum in der Zinnergasse, wo die Mitschüler von Tina, Sona und den anderen über die Mauer winkten. Dann gelang den beiden, was unter andern Umständen ein journalistischer Scoop gewesen wäre. ZackZack war das erste Medium, das ein kurzes Interview mit der zwölfjährigen Tina führen konnte.

Julia und Markus sprachen mit einem Freund Tinas und der hielt ihnen das Handy hin. Dran war Tina, die oben am Fenster stand und winkte. Im Nachhinein entschuldigten sich die beiden Reporter, dass sie in diesem Moment nicht die knallharten Fragen stellten, die Schlagzeilen bringen würden. Sie hatten vergessen, dass sie als Journalisten vor Ort waren und wollten einfach nur wissen, ob es Tina und ihrer kleinen Schwester, die ins Telefon krähte, gut ging. Liebe beide, das habt ihr genau richtig gemacht und es ehrt euch sehr!

Als wir am Abend am Schnittplatz saßen und das Rohmaterial, das die beiden gedreht hatten, sichteten, blieb uns die Luft weg. Die Reife und das Mitgefühl, das Tinas zwölf- und dreizehnjährige Schulkameraden an den Tag legten, übersteigen die unserer Regierung bei weitem.

Martin fuhr mitten in der Nacht noch einmal in die Zinnergasse, um das Ende des Kampfes zu bezeugen. Er dokumentierte, wie 200 Polizisten, darunter WEGA-Beamte eine kleine Kundgebung von Schülern mit plötzlicher und brutaler Gewalt auflösten.

Die Bilder von den scharfen Hunden und maskierten Schlägern in Uniform haben sich eingebrannt. Dass die Polizisten weinende Schüler auslachten und ihnen höhnisch zuriefen, sie sollten ihrer Freundin doch noch einmal zum Abschied winken, zeigt das Ausmaß der Verrohung.

Aber der Kampf um die Abschiebung zeigte uns auch andere Seiten an unserem Land. Drei Mitschüler von Tina waren sofort bereit, spontan in die Redaktion zu kommen, um in einem Studiogespräch zu erklären, was vor sich ging. Die beiden jungen Männer, die vor die Kamera wollten, waren beeindruckend; genau wie ihre Kollegin, die inzwischen am Telefon hochprofessionelle Medienarbeit machte. Solange es solche jungen Leute bei uns gibt, kann man hoffen, dass wir in Zukunft besser mit unseren Landsleuten umgehen – auch wenn die zufällig den falschen Pass haben.

Das Schlusswort des Krisenmodus’ bekommt diesmal Tinas zwölfjähriger Schulfreund Ayman: “Ich bin ganz ehrlich herzgebrochen. Ich bin erst drei Jahre in Österreich und schon fühle ich mich so, als ob das meine Heimat ist. Ich kann mir gar nicht vorstellen: Sie ist hier geboren und trotzdem werden sie sie jetzt deportieren. Es ist einfach unfair, finde ich.”

Titelbild: APA Picturedesk

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