Twin Tower-Plan mit viel Zündstoff

AUVA-Übersiedlungskrimi

Nach ZackZack-Enthüllungen kommt es doch nicht zur Übersiedlung der AUVA in eine abrissreife Liegenschaft der Wiener Wirtschaftskammer. Was insbesondere für den Betriebsrat wie eine Jubelmeldung klingt, ist Teil des nächsten Kapitels Causa AUVA. Denn jetzt soll es zur Übersiedlung in Richtung “Vienna Twin Tower” kommen. Und zwar möglichst schnell.

Wien, 02. Februar 2021 | ZackZack berichtete umfassend über die Allgemeine Unfallversicherungsanstalt (AUVA) als “Cash-Cow für die Wiener Wirtschaftskammer” (WKW). Darunter fiel auch die geplante Übersiedlung der AUVA-Hauptstelle in eine verschimmelte Bruchbude, die im Besitz der Wiener Wirtschaftskammer ist.

Doch so weit soll es nun doch nicht kommen: Als ZackZack den Skandal veröffentlichte, wurde es der türkisen Führungsriege innerhalb der AUVA scheinbar doch zu heiß: die Übersiedlung in das stark sanierungsbedürftige Gebäude soll nicht stattfinden. Stattdessen will man in den Twin Tower-Komplex am Wienerberg.

Überstürzte Übersiedlung

Die Übersiedlung in Richtung Vienna Twin Tower ist bereits beschlossene Sache, erfährt ZackZack aus Insider-Kreisen. Wenn es nach der AUVA-Führungsriege gegangen wäre, hätte das bereits zu Weihnachten 2020 stattfinden sollen. Auf Betreiben des Betriebsrats hin hieß es schließlich, dass die Übersiedlung „frühestens Mitte Februar“ stattfinden werde.

AUVA-intern heißt es, dass der notwendige Mietvertrag bereits für ab Anfang März unterschrieben sei. Das Gesundheitsministerium, die zuständige und entscheidende Behörde, wollte ZackZack-Informationen, wonach es noch keine Freigabe für die Übersiedlung erteilt habe, nicht kommentieren.

Im AUVA-Verwaltungsrat wurde bereits beschlossen, dass die AUVA-Hauptstelle in den nächsten fünf bis sieben Jahren mit der Landesstelle zusammengelegt werden und zu diesem Zweck ein neues Gebäude errichtet werden soll. Einigen geht das offenbar nicht schnell genug: die AUVA soll bereits heuer, 2021, aus der Adalbert-Stifter-Straße raus. Warum so dringend? Angeblich gehe es um Brandschutz, für den mindestens fünf Millionen Euro investiert werden müssten. Diese Investition soll vermieden werden. Doch ZackZack liegt ein Brandschutz-Gutachten vom Sommer 2020 vor, in dem der Brandschutz der Liegenschaft im Schutzumfang als „Vollschutz“ gewertet wird. Wenig verwunderlich, immerhin wurden erst 2018 knapp 400.000 Euro in den Brandschutz des Gebäudes investiert.

Übersiedlung wegen Einsparungen?

Rund um den überstürzten Auszug der AUVA aus dem Gebäude in der Adalbert-Stifter-Straße gibt es also einige Ungereimtheiten. Abgesehen davon, dass es offenbar schnell gehen muss, ist fraglich, wie viel Geld der über fünf Millionen Versicherten die AUVA dadurch tatsächlich einspart. Denn argumentiert wird mit Kosteneinsparung: Die geplante Übersiedelung sei Teil des Sparprogramms, das die türkisblaue Regierung der Unfallversicherung 2018 noch unter Ministerin Hartinger-Klein (FPÖ) verordnet hatte. 430 Millionen von 1,4 Milliarden Jahresbudget sollte die AUVA einsparen.

Kosten der Einsparung ungewiss

Deshalb soll auch das Haupt- und Landesstellengebäude im Besitz der AUVA verkauft, die beiden Stellen zusammengelegt und dafür ein neues Gebäude gebaut werden. Bis dahin geht’s zum Twin Tower-Komplex auf Mietbasis.

Bezüglich Kosten rumort es in den Reihen der AUVA: So wurden in der ursprünglichen Kostenaufstellung genau 0 Euro für die geplante Übersiedung berücksichtigt. Erst letzte Woche wurde nachträglich ein Kostenrahmen von 250.000 Euro für die Übersiedlung von der Hauptstelle zum Wienerberg festgesetzt. Nach und nach kommen immer wieder neue Kosten hinzu – die seltsame Kostenvermehrung ist ZackZack bereits in anderen Kapiteln des AUVA-Krimis untergekommen.

Mitarbeiter sollen aus Wohnheim ausziehen

Wer profitiert von den Plänen? Die Belegschaft der AUVA jedenfalls nicht. In den um rund 40.000 Quadratmeter kleineren Twin-Towern ist kein Platz für alle derzeitigen Mitarbeiter, heißt: es müssen zusätzliche Büroräumlichkeiten her. Dabei wird nicht etwa die bestehende Landesstelle Wien, die über die notwendige Büro-Infrastruktur verfügen würde, in Betracht gezogen; sondern die Wohngebäude-Anlage in der Pasettistraße, die sich ebenfalls im Besitz der AUVA befindet.

Das sogenannte „Schwesternwohnheim“ bietet bisher für Mitarbeiter der AUVA günstige Wohnmöglichkeiten. Doch das soll sich ändern. Die Räume sollen zu Büroräumlichkeiten umgebaut, die bisherigen Bewohner gekündigt und das Grundstück umgewidmet werden, um den Umbau vornehmen zu können.

AUVA-Hauptstelle als Spekulationsobjekt?

Offiziell ist nichts, aber mehrere Insider stellen im ZackZack-Interview in den Raum: Die Liegenschaft der AUVA-Hauptstelle sei Zielobjekt für Immobilien-Mogule. Das Grundstück würde sich anbieten, um dort ein neues Hochhaus unter voller Ausnutzung der möglichen Bauhöhe hinzustellen.

Das jetzige Gebäude ist 64 Meter bzw. 31 Meter hoch, laut Flächenwidmungsplan wäre es erlaubt, bis zu 75 bzw. 40 Meter hoch zu bauen. Bild: Screenshot Flächenwidmungsplan der Stadt Wien.

Im Fokus der internen Gerüchte steht auch Kurz-Intimus René Benko – er soll einer von zwei Interessenten sein, die das Grundstück der derzeitigen Hauptstelle in der Adalbert-Stifter-Straße haben wollen. Benkos SIGNA Holding dementierte gegenüber ZackZack allerdings: es gebe keine Verhandlungen zwischen SIGNA und AUVA bezüglich des Erwerbs der Liegenschaft.

Die AUVA selbst ließ sämtliche ZackZack-Anfragen bezüglich der Übersiedlung unbeantwortet. ZackZack bleibt dran.

(lb)

Titelbild: APA Picturedesk

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