Kontroverses Lockdown-Kritik-Video geht viral

Das Instagram-Video einer deutschen Fernsehmoderatorin zu den Auswirkungen des Lockdowns sorgt in den sozialen Medien seit Tagen für großes Aufsehen. Nach nur einem Tag erreichte es bereits fünf Millionen Aufrufe, mittlerweile sind es schon zehn Millionen. Die Abrechnung stößt auf breite Zustimmung, aber auch Kritik.

Wien, 4. Februar 2021 | In einem 14-minütigen Video thematisiert Marlene Lufen, TV-Moderatorin beim “Sat.1-Frühstücksfernsehen”, soziale Probleme, die laut ihr durch die Maßnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus verursacht worden sind. In kürzester Zeit erreichte das Video eine enorme Reichweite und brachte in deutschen Medien etliche Schlagzeilen hervor. Lufen spricht dabei drängende Themen an, denen ihrer Meinung nach zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet wird und bekommt dafür viel Zustimmung – aber auch sehr viel Kritik, insbesondere von Journalistenkolleginnen.

Gewalt, Depressionen, Existenzängste

Die Sorge, dass der Lockdown rückblickend das „Falscheste“ sein könnte, wie man gegen Corona hätte vorgehen können, veranlasste sie zu dem Statement. Probleme wie häusliche Gewalt gegen Frauen und Kinder, psychischer Stress und Suizide während des Lockdowns finden laut Lufen nicht genug Beachtung, bloße Infektionszahlen dagegen zu viel.

Sie belegt ihre Behauptungen mit Zahlen, die sie von Behörden, Verbänden, Institutionen bekommen habe und versucht so, ihre Argumentation zu unterstützen. Außerdem verweist die Moderatorin auch auf Existenzängste von Kleinunternehmern.

Starker Zuspruch und starke Kritik

Bei vielen deutschen Promis (Oliver Pocher, Sylvie Meis, Motsi Mabuse) kommt das Video gut an, bei vielen Journalistenkolleginnen von Lufen ist allerdings das Gegenteil der Fall. Es sei zu einseitig, verunsichernd und manipulativ, so die Kritik. Auch die Daten, die sie präsentiert, sollen einem Faktencheck nicht standhalten können, heißt es. Der Blog „Volksverpetzer“ hat die Zahlen und Quellen genauer unter die Lupe genommen und festgestellt, dass Lufen irreführende Daten nennen soll.

Die Moderatorin vergesse die Bilder überlasteter Intensivstationen aus Italien und argumentiere so, als ob die größte Gefahr nicht vom Virus, sondern von den Maßnahmen ausginge. Sie beachte auch nicht andere Faktoren psychischer Erkrankungen wie die ständige Angst, sich anzustecken.

„Jedes Mal, wenn in den Nachrichten oder sonstwo jemand sagt: Wir müssen nochmal die Zähne zusammenbeißen, dann ist es auch durchgestanden mit der Pandemie, hat irgendein Kind zu Hause von seinem Vater die Faust im Gesicht, wird irgendeine Frau geschlagen, überlegt irgendein Jugendlicher in psychischer Not, ob er sich vielleicht von der Brücke stürzt“, so Lufen in ihrem Video. Besonders bei dieser Aussage wird ein direkter Zusammenhang zwischen Lockdown und mentaler Gesundheit hergestellt.

Lob aus der rechten Ecke

Lufen distanziert sich zwar ausdrücklich von Verschwörungstheoretikern und radikalen Corona-Leugnern, bekommt aber dennoch Lob aus der rechten Ecke. Auch sogenannte Querdenker zeigen sich in Telegram-Gruppen begeistert von ihrem Video. In einem mittlerweile entfernten Tweet äußerte die AfD Zuspruch für Lufen – nicht verwunderlich, nachdem sie eine ähnliche Haltung zu den Maßnahmen hat. Das Video zeigt jedenfalls die Kontroversen rund um Corona auf, die wohl nicht so schnell abflauen werden.

(nb)

Titelbild: Screenshot Instagram

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