Contact Tracing-Lügen brachten Mann vor Gericht

Wegen vorsätzlicher Gefährdung von Menschen durch übertragbare Krankheiten hat sich am Freitag ein 39-jähriger Mann vor dem Landesgericht Klagenfurt verantworten müssen. Staatsanwalt Julius Heidinger warf ihm vor, beim Contact Tracing falsche Angaben gemacht zu haben, als er an Covid-19 erkrankt war und von den Behörden über seine Kontaktpersonen befragt wurde. Die Verhandlung wurde vertagt.

Wien, 05. Februar 2021 | Anfang Juli hatte der Mann typische Corona-Symptome: Fieber, Husten und Geschmacksverlust. “Ich habe ihn angerufen und ihm mitgeteilt, dass er in Quarantäne muss, bis das Ergebnis eines Covid-Tests vorliegt”, sagte eine Amtsärztin, die am Freitag als Zeugin aussagte. Doch die Kommunikation mit dem Mann sei äußerst schwierig gewesen: Erst habe er gesagt, er wolle sich überhaupt nicht testen lassen.

Auch eine zweite Amtsärztin, die dem Mann zwei Tage später sein positives Testresultat mitteilte, hatte ihre liebe Not, sagte sie vor Gericht. “Er hat mich beschimpft und gesagt, dass ich ihm gar nichts zu sagen hätte. Er hat auch gemeint, er werde sich nicht an die Quarantäne halten. Als ich ihn gefragt habe, wo er arbeitet und welche Kontakte er gehabt hatte, hat er geantwortet, dass mich das gar nichts angeht.”

Reise verschwiegen

Erst als die Amtsärztin mit der Polizei drohte, hatte der 39-Jährige angegeben, dass er als Paketzusteller arbeitet. Allerdings hatte er gesagt, dass er gar keine Kontakte gehabt habe. Eine Behauptung, die sich schon nach einem kurzen Telefonat mit seinem Arbeitgeber als falsch erwies, kurz vor Symptombeginn hatte den 39-Jährigen nämlich ein Kollege zur Einschulung bei der Arbeit begleitet. Außerdem gab es Hinweise darauf, dass der Angeklagte kurz zuvor im Kosovo gewesen sei, was er ebenfalls verschwiegen hatte. Was das anging, gab er zunächst an, dass er nur allein die Reise mit dem Auto angetreten habe. Ebenfalls falsch, er war nämlich gemeinsam mit seiner Ehefrau in einem Bus unterwegs gewesen.

“Warum haben Sie das nicht angegeben?”, fragte Richter Gernot Kugi. “Es tut mir leid, ich hatte große Angst, dass ich meinen Arbeitsplatz verliere”, antwortete der Mann. Er entschuldigte sich im Gerichtssaal auch bei der Amtsärztin, die er beschimpft hatte: “Es tut mit von ganzem Herzen leid.” Diese antwortete: “Ich bin froh, dass Sie wieder gesund sind.”

Weite Teile der Verhandlung drehten sich um eine Familienfeier, die in der Wohnung des Mannes stattgefunden haben soll – in der Zeit, in der er schon in Quarantäne war und auf sein Testergebnis wartete. Das bestritt der 39-Jährige vehement, mehrere Mitglieder seiner Familie sagten entweder, dass es die Feier nicht gegeben habe, oder entschlugen sich der Aussage.

Feier oder keine Feier?

Klärungsbedarf gibt es allerdings bei den Aussagen der Mutter und des Sohnes des Angeklagten. Beide hatten nämlich bei Befragungen von der Familienfeier erzählt. Der Sohn war am Freitag nicht zur Verhandlung gekommen und hatte angegeben, dass er krank sei. Die Mutter des Angeklagten, die Anfang Juli selbst an Covid-19 erkrankt war, gab vor Gericht jedoch an, dass sie vor der Polizei niemals etwas von einer Familienfeier gesagt habe – der Beamte müsse das falsch verstanden haben. Auch als Richter Kugi sie auf die strafrechtlichen Folgen einer falschen Beweisaussage aufmerksam machte, blieb die Frau dabei: “So habe ich das nicht gesagt. Es hat keine Feier gegeben.”

Am nächsten Prozesstag sollen nun der Sohn des Angeklagten einvernommen werden und der Polizist, der die Mutter des 39-Jährigen befragt hatte.

(apa/bf)

Titelbild: APA Picturedesk

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