Schwul, lesbisch, bisexuell…

185 Stars outen sich gleichzeitig

“Wir sind schon da”, schallt es vom Cover des “Süddeutsche Zeitung Magazin” am Freitag. 185 Schauspielerinnen und Schauspieler outen sich in dem Manifest als schwul, lesbisch, bisexuell, queer, nicht-binär und trans.

Berlin, 05. Februar 2021 | Der Titel des Manifests “Wir sind schon da” aus dem Magazin der “Südeutschen Zeitung” hat das Potential, Geschichte zu schreiben. Optisch erinnert er an den “Stern”-Titel mit den Fotos Dutzender Frauen und dem berühmten Zitat “Wir haben abgetrieben”.

Für die queere Community könnte es ein Durchbruch sein im Kampf um Anerkennung und Gleichberechtigung. Wohl alle Unterzeichnerinnen und Unterzeichner von #actout, wie sie ihre Kampagne nennen, können eine Geschichte erzählen über offene oder zumindest versteckte Homophobie.

“Bloß nicht gesehen werden”

“Tatort”-Kommissarin Karin Hanczewski sei gesagt worden, “ich solle im Tatort nicht zu viele Karo-Hemden tragen”, erzählt sie im Interview mit fünf anderen Künstlerinnen und Künstlern dem “SZ Magazin”. Das entspreche dem homophoben Stereotyp einer lesbischen Frau, wie ihre Kollegin Eva Meckbach erklärt.

Schauspielerin Karin Hanczewski / Foto: APA

Und Mehmet Atesci, Mitglied des Wiener Burgtheaters und Gast am Berliner Gorki-Theater, berichtet:

“Ich hatte sogar mal eine längere Affäre mit einem heute sehr bekannten Schauspieler, der immer im Moment, wo eine dritte Person dazukam, die auch eine Öffentlichkeit hat, anfing, mit einer Frau zu flirten oder begehrend über Frauen zu reden, damit man bloß nicht gesehen wird oder in die Richtung rutscht.”

“Als die Regisseurin erfuhr, dass ich lesbisch bin, hat sie mir abgesagt”

Homosexuellen Darstellern und Darstellerinnen werde oft nicht zugetraut, heterosexuelle Rollen authentisch zu spielen, berichtet Markus Ulrich, Sprecher des Lesben- und Schwulenverbands in Deutschland (LSVD), der dpa. Das hat auch Ulrike Folkerts erlebt, bekannt vor allem aus dem Ludwigshafener “Tatort”. Der Deutschen Presse-Agentur berichtet sie:

“Ich wurde für eine Mutterrolle gecastet, aber als die Regisseurin erfuhr, dass ich lesbisch bin, hat sie mir abgesagt. Das ist Diskriminierung. Natürlich kann ich eine Mutter spielen.”

erzählt die 59-Jährige.

“Tator”-Schauspielerin Ulrike Folkerts (rechts) mit Kollegen Ben Becker/ Foto: APA

“Wir müssen nicht sein, was wir spielen”

Oft ist der Druck von außen groß. Selbst Agenten und Agentinnen rieten queeren Menschen, sich lieber nicht öffentlich zu outen – aus Angst, keine Hetero-Rollen mehr angeboten zu bekommen, erzählt Jenny Luca Renner, LGBT-Vertreterin im ZDF-Fernsehrat, der dpa. Auch deshalb haben einige Darstellerinnen und Darsteller abgelehnt, bei #actout mitzumachen, zumindest fürs erste.

So sind es vorerst 185 Menschen, die eine Debatte anstoßen. “Es wird immer angenommen, man gehöre zur Norm”, erzählt Godehard Giese (“Babylon Berlin”). Dabei seien sie “mit unserer sexuellen Identität in der Öffentlichkeit nicht sichtbar”. Von vielen ist bekannt, dass sie lesbisch, schwul, trans oder bi sind. Andere outen sich zum ersten Mal.

“Wir sind Schauspieler*innen. Wir müssen nicht sein, was wir spielen. Wir spielen, als wären wir es – das ist unser Beruf”,

betonen sie in ihrem Manifest. Das gemeinsame Outing hat manchem geholfen, die Angst vor dem Karriereknick zu überwinden. “Die Kraft und den Schutz der Masse genutzt. Großartig”, kommentiert ZDF-Fernsehrätin Renner.

Falsche Toleranz

Doch bis zur völligen Akzeptanz ist es noch ein weiter Weg. Schauspieler André Eisermann (“Kaspar Hauser”) betont, ein Teil der Gesellschaft habe noch immer ein Problem damit, wenn Menschen offen zu ihrer Homosexualität stehen.

“Solange es solche Menschen gibt – leider auch in den ‘Fachkreisen’ -, wird es nicht gleichgültig sein, ob jemand schwul oder lesbisch ist”,

sagt er der dpa. Und TV-Kommissarin Folkerts beklagt eine falsche Toleranz. Heterosexuelle erhielten Preise für die Darstellung von Homosexuellen.

“Da heißt es dann: Wie mutig! Und dass der oder die sich das traut! Ich bin ja auch nicht Polizistin, spiele aber eine Kommissarin.”

Unterzeichnet haben ebenfalls unter anderen Moderator Jochen Schropp, Ulrich Matthes – Schauspieler und Präsident der Deutschen Filmakademie, Schauspielerin und Kabarettistin Maren Kroymann, die Schauspieler Godehard Giese, Knut Berger, Gerd Wameling, Anian Zollner, sowie die Schauspielerinnen Mavie Hörbiger, Eva Meckbach, Katja Bürkle und Nadine Wrietz.

(apa/jz)

Titelbild: SZ Magazin

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