10 Millionen monatlich für Medien

Öffentliches Werbegeld um 70 % erhöht

Der Aufwand für Inserate und Kampagnen scheint im Jahr 2020 massiv erhöht worden zu sein. Kammern, Ministerien und Kanzleramt zeigen sich zahlungsfreudig. 10 Millionen monatlich gingen im dritten Quartal 2020 an die österreichischen Medien.

Wien, 08. Februar 2021 | Im den Monaten Juli, August und September 2020 kassierten österreichischen Medien jeweils fast 10 Millionen Euro Werbegeld. Gekommen ist das Geld von der Regierung oder von meldepflichtigen Institutionen (etwa Kammern). Das waren im Verhältnis zu 2019 um fast 70 Prozent mehr. Am meisten nahm die „Krone“ ein: Mehr als 5,3 Millionen Euro erhielt die auflagenstärkste Tageszeitung Österreichs im dritten Quartal 2020 – eine Erhöhung von 69 Prozent.

Werbeausgaben um 70 % erhöht

Fasst man Werbeaufträge (Inserate) und Medienkooperationen zusammen, weisen die Zahlungen der Regierung an die österreichische Medien ein erstaunliches Volumen auf.

Bild: Twitter

Die Wiener Wochenzeitung „Falter“ über 400.000 Euro, um 63 Prozent mehr als 2019. Damit ist man knapp unter der durchschnittlichen Erhöhung. Überdurchschnittlich profitierten: „Heute“, „Österreich – oe24“, „Kurier“ (+ 89 Prozent),“Die Presse“, „Kleine Zeitung“, die „Tiroler Tageszeitung“, „OÖ Nachrichten“, „krone.at“, „Kronehit“, „bz-Wiener Bezirkszeitung“, „TV-Media“, „News“, „derstandard.at“, „kurier.at“ (+188 Prozent), und „Falstaff-Magazin) mit plus 438 Prozent.

Aufregung um „Falstaff“

Das „Falstaff-Magazin“ ist der mit Abstand größte Gewinner. Das Wein- und Gourmetmagazin erscheint neun Mal jährlich und wird von Wolfgang Rosam herausgegeben. Rosam gilt als ÖVP-naher PR-Berater. Sein „Falstaff-Magazin“ erhält mit Türkis-Grün offenbar um einiges mehr Steuergeld: 250.000 Euro gingen laut „Kommunikationsbehörde Austria“ im dritten Quartal 2020 an das Magazin. 2019 erhielt das Magazin zum Vergleichszeitraum noch 50. 000 Euro.

Wolfgang Rosam selbst dementierte diese Zahlen. „Das kann nicht sein“, sagt er zu ZackZack. Die bekannt gegebenen Zahlen der „Kommunikationsbehörde Austria“ widersprechen dem PR-Berater jedoch. Die Daten der Kommunikationsbehörde geben alle Zahlungen, die einer Meldung an den Rechnungshof unterliegen, unverändert weiter.

Rosam ist jedenfalls sehr verwundert, denn so viel Werbegeld habe man „ganz bestimmt nicht“ erhalten. Um Werbegeld habe er sich auch nie angestellt und das „Falstaff-Magazin“ sei seine Lebensleistung. Von der Regierung kamen laut Rosam 50.000 Euro, den größten Teil des Betrags machte eine Förderung der Kommunikationsbehörde für ein Sonderheft aus. Diese betrug fast 115.000 Euro.

Kurier kassiert

Hinter Falstaff kommt der Kurier. Besonders das Onlineportal der Tageszeitung ist ein großer Werbegewinner. Doch auch die Printversion des „Kurier“ liegt im Vergleich zu den anderen großen Tageszeitungen Österreichs auf Platz 1. Im Radio läuft für „Kronehit“ besonders gut: Auch dort verdoppelten sich die Werbeeinnahmen durch Steuergeld.

Die „Krone“ ist in absoluten Zahlen jedenfalls meist der Gewinner. So kam im dritten Quartal 2020 mehr als eine halbe Million Euro allein aus dem Kanzleramt an die größte Tageszeitung Österreichs.

Die “Kooperationen” und Werbeausgaben des Kanzleramtes im Juli, August und September.

Die offizielle staatliche Presseförderung ist in diese Liste nicht enthalten. Sie ist im Vergleich zum Werbebudget der Regierung relativ niedrig: 29 Millionen Euro im Jahr 2020. Aber auch hier profitiert der Boulevard am meisten. Bild-Chefredakteur Paul Ronzheimer, der nun auch nicht für Distanz von der Politik bekannt ist, kommentierte die Liste auf Twitter so: “Das gibts wirklich nur in Österreich. Was für ein Wahnsinn.”

(ot)

Titelbild: APA Picturedesk

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