ÖVP-nahe Plattform organisierte Jubelkundgebung zu Abtreibungsverbot in Polen

Erst seit Kurzem ist Abtreibung in Polen quasi endgültig verboten. Am Sonntag organisierte die ÖVP-nahe fundamentalistisch-katholische „Plattform Christdemokratie“ eine Jubel-Kundgebung zu den menschenrechtsverletzenden Vorgängen in Polen. ZackZack hat einen Blick auf die Verbindungen der katholischen Fundis bis hinein in höchste ÖVP-Kreise geworfen.

 

Wien, 08. Februar 2021 | Als fixe Teilnehmer hatten sich 18 Personen via Facebook angekündigt: Vor der polnischen Botschaft in Wien versammelte sich eine kleine Gruppe religiöser Fundamentalisten, um ihre Freude über das geänderte Abtreibungsrecht in Polen kundzutun.

„Wir feiern das Ende der Diskriminierung von ungeborenen Kindern mit Behinderung in Polen. Setze ein Zeichen! Sei dabei!“,

so der Aufruf in der Facebook-Veranstaltung der Plattform Christdemokratie. Gleichzeitig fand eine Gegendemonstration linker Aktivisten statt. Sie befürchten unter anderem eine bevorstehende Verschärfung des Abtreibungsgesetztes auch in Österreich, wenn die ÖVP weiterhin den Ton im Land angibt.

Im Bild die „feiernden“ Katholiken, gefilmt wurde von der Gegenkundgebung aus. Zu hören im Hintergrund: „Abtreibung ist Menschenrecht!“. Im Verlauf des Tweets bezieht die Plattform Christdemokratie Stellung zu ihrer „Überparteilichkeit“.

Plattform Christdemokratie: Überparteilich mit engen ÖVP-Beziehungen

Bei der Plattform Christdemokratie lohnt sich ein Blick auf ihre engen Verbindungen zur ÖVP.

„Die Plattform Christdemokratie ist überkonfessionell und überparteilich, sie setzt sich für christliche Werte in der Politik ein“,

erklärt Jan Ledochowski, vergangenes Jahr noch bis September Präsident der Plattform, in seinem Youtube-Talk zum Thema „Journalismus und Zeitgeist“. Er selbst kandidierte allerdings im vergangenen Wien-Wahlkampf für die ÖVP, mit intensiver Unterstützung durch die Hardliner-Katholikin Gudrun Kugler (ÖVP-Nationalratsabgeordnete).

Verbindungen zu ÖVP und ÖCV

Auch Gabriel Jona, ein aktives Vorstandsmitglied der Plattform, kandidierte bei der letzten Nationalratswahl für die ÖVP. Mit Gerhard Labschütz hat die Plattform darüber hinaus einen Vereinsvorsitzenden, der gleichzeitig Geschäftsführer der Bildungsakademie des Österreichischen Cartellverbands (ÖCV) ist. Der „Cartellverband der katholischen österreichischen Studenten­verbindungen (ÖCV) ist ein Zusammenschluss farbentragender katholischer Verbindungen“, also der nicht-schlagenden katholischen Burschenschaften Österreichs, quasi dem ÖVP-nahen Pendant zu den schlagenden, FPÖ-nahen Burschenschaften.
Die Plattform mobilisiert immer wieder gemeinsam mit der fundamentalistisch-rechtskonservativen Aktion „Marsch fürs Leben“ massiv für ein Abtreibungsverbot auch in Österreich.

Trost-Posten im ÖVP-Klub für Ledochowski

Der mittlerweile Ex-Präsident der Plattform kandidierte bei der vergangenen Wien-Wahl im Herbst 2020 für die ÖVP auf Listenplatz 33 und hatte es mithilfe von über 1.700 Vorzugsstimmen auf Platz zwei hinter Gernot Blümel geschafft. Auf Grund des ÖVP-eigenen Vorzugsstimmensystems und der fehlenden Unterschrift einer Parteikollegin konnte er jedoch nicht in den Gemeinderat einziehen. Die ÖVP versorgte ihn daraufhin mit einem eigens kreierten Posten.

„Sprecherrollen werden im Normalfall nur von verdienten Gemeinderäten wahrgenommen. In dieser Funktion kann ich für all die Anliegen eintreten, die so vielen von uns wichtig sind und in vielerlei Hinsicht wirkungsvoller, wie als einfacher Gemeinderat“,

freute sich Ledochowski über seinen neuen Posten als Sprecher für Christdemokratie, von dem aus er sich nun – wie auch bereits bei der Plattform Christdemokratie – für ein Abtreibungs- und Sterbehilfeverbot oder gegen Gender-Mainstreaming stark machen kann.

Erzkonservative Familienpolitik

Der Vorzeige-Fundi verfügt über beste Verbindungen nicht nur in katholisch-fundamentalistische Kreise sondern auch ins ÖVP-Bundeskanzleramt, wie ZackZack aufdeckte. Erst kürzlich machte Ledochowski in seiner neuen Sprecher-Funktion eine Aussendung zum Familien-Podcast der Arbeiterkammer. Diesen ordnet er dem „Kulturmarxismus“ zu: Ziel sei die Aufhebung der Familie, die „Auflösung der Bindungen zwischen Kindern und Eltern“. „Auch heute wird dieser kulturmarxistische Angriff auf die Familie fortgesetzt“, so entsetzt sich Ledochowski in seinem Facebook-Video über Familienpolitik jenseits patriarchal-konservativer Zwänge.

(lb)

Titelbild: APA Picturedesk

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