Ibiza-Anwalt verweigert Auskunft

Mögliche Belastung lässt ihn im Ibiza-Ausschuss schweigen

Gegen Ibiza-Anwalt M. wird umfangreich ermittelt. Das führte zu einem Entschlagungsexzess im Ibiza-Ausschuss, allerdings mit Unterhaltungswert.

Wien, 10. Februar 2021 | Anwalt M. hatte einst die falsche Oligarchin an Johann Gudenus (Ex-FPÖ-Klubobmann) vermittelt. Die Fragen prasselten heute stundelang auf den Ibiza-Anwalt ein: Hat er jemals mit Gudenus gesprochen? Hat er jemals mit dem Ibiza-Detektiv H. gesprochen? Kennt er den ÖVP-nahen Berater Daniel Kapp? Wie viele Videos gibt es? Warum erschien das Video erst zwei Jahre nach der Aufnahme? Wurde es verkauft? Kennt er die Ibiza-Oligarchin? Kennt er „Krone“-Moderatorin W.? Was weiß er zu den Strache-Haarproben? Warum schickte die FPÖ eine Presseaussendung mit „Wer zahlt, schafft an“?

Entschlagungsorgie

Doch die Antwort blieb stets dieselbe: „Aufgrund der Gefahr der Selbstbelastung möchte ich die Frage nicht beantworten.“ Gegen M. wird umfangreich ermittelt, auch ein Disziplinarverfahren der Rechtsanwaltskammer gegen ihn ist anhängig. Es gilt die Unschuldsvermutung.

ÖVP-Gerstl bekam dann doch noch Antworten. „Kontakt mit Tal Silberstein?“ „Nein.“ „Tal Silberstein das Ibiza-Video angeboten?“ „Nein.“ Eine solche Frage ist für die ÖVP wohl obligatorisch, auch wenn die Verschwörungsmythen der Volkspartei stets zusammenklappen. Eher stand oder steht der Ibiza-Anwalt wohl auch mit der ÖVP in gutem Kontakt.

„Dazu, dass Sie der ÖVP eine Haarprobe von Strache angeboten haben, wird ermittelt?“, fragte FPÖ-Hafenecker. M. antwortete so, wie fast immer während seiner Befragung: gar nicht. Aber auch Sobotka (möglicherweise noch etwas verschlafen, war es doch erst 11 Uhr vormittags) griff nicht ein. Oder er sah keine Unterstellung.

“Aktion Koks”

Die FPÖ bearbeitete M. erwartungsgemäß heftig. Hafenecker befragte auch zu einer Nachricht von Vetter, Ex-Kampagnenleiter von Christian Kern, an M.: „Lass uns gemeinsam reich werden, aber mit Spaß.“ Natürlich gab der Ibiza-Anwalt auch dazu keine Auskunft. Gefunden wurde der Zettel mit dieser Nachricht bei der Hausdurchsuchung von M.

Das macht auch Sinn, denn ZackZack hatte die „Aktion Koks“ letztes Jahr exklusiv aufgedeckt. Die ZackZack-Story wurde heute durch den Ibiza-Anwalt M. bestätigt. Auf eine Frage von Jan Krainer (SPÖ) bestätigte er seine „Beschuldigtenäußerungen.“

Abschließend lieferte ÖVP-Gerstl fast einen Wutausbruch. Die hundertfache Entschlagung brachte ihn in Rage, M. müsse „schuldhaftes Verhalten angehäuft“ haben. Eine Ermahnung von Sobotka aufgrund der Unterstellung gab es nicht, doch eine schlagfertige Antwort vom Ibiza-Anwalt. Keine einzige Gedächtnislücke habe er gehabt. „Sich nicht erinnern, das tun andere.“

(ot)

Titelbild: APA Picturedesk

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