Nächster digitaler Bauchfleck

“Österreich testet” kostete halbe Million

Die Anmelde-Plattform “Österreich testet” hat Errichtungskosten von gut einer halben Million Euro verursacht. Das geht aus einer parlamentarischen Anfragebeantwortung von Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) an die NEOS hervor. Für den laufenden Betrieb fallen zusätzlich knapp 190.000 Euro im Monat an. Anfragesteller Douglas Hoyos zeigt sich ob der Summen empört. A1, das den Auftrag abgearbeitet hat, verweist auf den Aufwand.

Wien, 11. Februar 2021 | Konkret wurden 546.373,04 Euro für Implementierung und Erstellung der Anmeldeplattform ausgegeben. Damit beauftragt war die A1 Telekom Austria Aktiengesellschaft, die das Projekt über ihre Tochter World Direct betreute.

Da die Plattform auch weiter für einen niederschwelligen Testzugang verwendet wird, bleibt sie kostenintensiv. Für den laufenden Betrieb fallen Ausgaben in der Höhe von monatlich 187.878,95 Euro an.

A1: “Hochkomplexes Datenprojekt”

In einer schriftlichen Stellungnahme hält A1 fest, dass es sich um ein hochkomplexes Datenbankprojekt handle, mit Hilfe dessen bisher über zwei Mio. Tests durchgeführt worden seien. Die Anmeldeoberfläche, die von den Bürgern benutzt werde, sei lediglich ein kleiner Teil der gesamten Anwendung, in deren Entwicklung allein im Dezember und Jänner mehrere tausend Stunden Entwicklungszeit unter höchstem Zeitdruck geflossen seien. Verwiesen wird etwa auf das Registrierungssystem in den Teststationen, die digitale Erfassung der Testergebnisse oder das Schnittstellenmanagement ins epidemiologische Meldesystem von Bund und Ländern.

Es handle sich um ein hochverfügbares System, das permanent nutzbar sein müsse. Ebenso müsse dadurch auch der Support und die Betreuung durch World Direct rund um die Uhr erfolgen. Darüber hinaus arbeiteten bis zu zehn World Direct-Mitarbeiter laufend am Projekt Österreich-Testet.at. Zu betreuen seien 60 Server, pro Bundesland ein eigenes Cluster-System und eine zehn Terabyte Datenbank.

Digitalisierungsprojekt mit akuter Bauchfleckgefahr

Hoyos nennt die Zahlen dennoch “unglaublich”. Im Vergleich dazu habe das “völlig überteuerte” “Kaufhaus Österreich” laufende Kosten von 5.000 Euro. Es sei der nächste Beweis, dass die Regierung mit jedem Digitalisierungsprojekt einen Bauchfleck lande: “Hier werden Millionen an Steuergeld für ein einfaches Anmeldeportal hinausgeschleudert.”

Man müsse auch daran erinnern, dass es massive Startschwierigkeiten bei dieser Plattform gegeben habe. Erst habe das Impressum gefehlt, dann seien Daten verloren gegangen: “Das alles zeigt, wie unprofessionell diese Bundesregierung – in diesem Fall Gesundheitsminister Anschober – hier agiert.” Jetzt müsse dieser dafür sorgen, die Kosten für den laufenden Betrieb herunter zu bringen.

(apa/bf)

Titelbild: APA Picturedesk

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