Fleischmanns Medienpalast in der Hofburg

280 Quadratmeter Prunk

Des Kanzlers Mediendompteur Fleischmann zog im September in frisch renovierte, prunkvolle Räume in der Hofburg. Die SPÖ will nun wissen, welche Ausstattung die neue „Message-Control-Zentrale“ hat und wie viel der Umzug, mitten in der Pandemie, gekostet hat.

Wien, 16. Februar 2021 | Geplant war der Umzug schon länger: das Büro des ehemaligen Regierungssprechers von Türkis-Blau, Peter Launsky-Tieffenthal, sollte in die Räumlichkeiten der Hofburg umziehen. Laut Tageszeitung „Der Standard“ begannen die aufwendigen Renovierungen im Sommer 2019. Dass der Plan für die neue PR-Zentrale also noch aus der Kurz-Zeit vor der Übergangsregierung unter Brigitte Bierlein stammt, ist wahrscheinlich, in der Tageszeitung wird dies allerdings angezweifelt.

Auch Gang mit Sicherheitstür erneuert

Tatsache ist: Die Räume im Reichskanzleitrakt, ehemals von Staatssekretären genutzt, wurden aufwendig erneuert. Es soll sich um etwa 280 Quadratmeter Prunk mit Sissi-Charme handeln (den gab’s in den alten Büros allerdings auch schon). Im neu renovierten Zimmer O213 residiert des Kanzlers Mediendompteur Gerald Fleischmann, der neben der Leitung „Stabstelle Medien“ auch stellvertretender Medienbeauftragter und stellvertretender Kabinettschef ist:

Screenshot: Website Bundeskanzleramt.

„Hoch dotierte Message-Control-Zentrale“

Es ist ein wahrer Altbau-Traum: Stuck, Tapeten, Sternparkett aus Vollholz und Kronleuchter. Das geht aus Dokumenten hervor, die ZackZack vorliegen. Die Renovierungen wurden laut “Der Standard” mitten in der Pandemie fertiggestellt, sodass Fleischmann im Herbst dort einziehen konnte. Pikant: nicht nur die Büroräumlichkeiten, sondern auch die Sicherheitstüre aus Glas mit Gegensprechanlage sowie die technische Infrastruktur sollen laut ZackZack vorliegenden Dokumenten erneuert worden sein. Das kostet Geld. Aber wie viel?

Das will die SPÖ jetzt von der Regierung wissen. Sie stellt deshalb eine parlamentarische Anfrage zu den Umständen und Kosten des Umzugs der, wie es in der Anfrage heißt, „hoch dotierten Message-Control-Zentrale“. SPÖ-Mandatar Philip Kucher ist erbost: „Wie viel Steuergeld Sebastian Kurz springen ließ, damit sein Message-Oberkontrolleur Fleischmann ein hübsches Büro bekommt?“ Das Kurz-Mantra „Sparen im System“ sei schon lange nicht mehr aktuell: „Während hunderttausende Menschen in Österreich derzeit arbeitslos oder in Kurzarbeit sind und nicht wissen, ob und wie es mit ihnen weitergeht, spielt Geld im eigenen Polit-Apparat keine Rolle“, so Kucher gegenüber ZackZack.

Fleischmann und Kurz. Bild: APA Picturedesk.

Umstrittene Figur

Gerald Fleischmann ist eine der umstrittensten Figuren innerhalb des engsten Kanzlerzirkels. Er ist unter anderem zuständig für die üppige staatliche Presseförderung, die vor allem regierungsnahen Medien zugutekommt. In Fleischmanns Stabstelle Medien laufen alle Medien- und PR-Fragen zusammen. Keine Botschaft, kein Plan mit Öffentlichkeitswirksamkeit gehen an ihm vorbei. Auch der ORF-Reformplan soll seine Handschrift tragen. In seiner Zeit als Pressesprecher pflegte er, wie Journalisten berichten, eine raue Tonalität.

Der „Falter“ (03/20) beschreibt Fleischmanns Machtfülle so: „Der engste Kommunikationsberater eines Regierungschefs steuert die Pressearbeit von dessen Kabinett und gleichzeitig die Medienpolitik des Landes? Das klingt mehr nach Budapest als nach Wien.“ Seit September verschmelzen Budapest und Wien im Reichskanzleitrakt noch mehr als zuvor.

(wb)

Titelbild: APA Picturedesk, Grafik: ZackZack/wb

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