Heftiger Wintersturm:

Mehr als 4,5 Mio. Menschen in den USA ohne Strom

Wegen eines starken Wintersturms haben Millionen Menschen in den USA eine Nacht bei extremer Kälte und heftigem Schneefall ohne Strom verbracht. Der Sturm verursachte zeitweise Stromausfälle in mehr als 4,5 Millionen US-Haushalten, wie aus Angaben der Webseite poweroutage.us Dienstagfrüh (Ortzeit) hervorging. In sieben Bundesstaaten wurde der Notstand ausgerufen. Die ungewöhnliche Kaltwetterfront soll vom Süden und Osten des Landes weiter in den Nordosten ziehen.

Texas, 16. Februar 2021 | Am stärksten betroffen war der südliche US-Bundesstaat Texas, wo mehr als vier Millionen Haushalte zeitweise ohne Strom ausharren mussten. Die texanische Netzagentur Ercot hatte zuvor rotierende Abschaltungen von Teilen des Netzes angekündigt, um einen kompletten Zusammenbruch der Versorgung zu verhindern. Zunächst hatte es geheißen, es würden etwa zwei Millionen Haushalte betroffen sein.

Evakuierung in Wärmezentren

Gouverneur Greg Abbott teilte mit, die Nationalgarde sei im Einsatz, um dabei zu helfen, frierende Menschen aus ihren Häusern in eines der 135 eingerichteten Wärmezentren zu bringen. Es seien rund 3.300 Polizisten des Bundesstaats, knapp 600 Angehörige militärischer Einheiten, Allradfahrzeuge der Forstverwaltung und 700 Schneepflüge im Einsatz.

Die größte Öl-Raffinerie in den USA in Port Arthur wurde auf Anweisung des Betreibers Motiva aufgrund der eisigen Temperaturen bis auf Weiteres geschlossen. In der westlich gelegenen Stadt Abilene wurde auch die Wasserversorgung eingestellt, wie der US-Sender ABC berichtete.

Für den Bundesstaat an der Grenze zu Mexiko, der flächenmäßig fast doppelt so groß ist wie Deutschland, wurde der Notstand ausgerufen. Auch in Alabama, Oregon, Oklahoma, Kansas, Kentucky und Mississippi wurde der Notstand erklärt. US-Präsident Joe Biden bewilligte Unterstützung durch die Katastrophenschutzbehörde Fema.

Flugverkehr und Straßen stehen still

Der Flughafen der Metropole Houston musste wegen des Winterwetters zunächst bis Dienstagmittag (Ortszeit) schließen, beim Airport Dallas Fort Worth gab es zahlreiche Annullierungen, in Austin wurden am Montag alle Flüge gestrichen. Die Behörden riefen dazu auf, wegen verschneiter und vereister Straßen in ihren Häusern und Wohnungen zu bleiben. In Houston forderte Bürgermeister Sylvester Turner alle Bewohner, die noch Strom haben, dazu auf, ihre Heizungen zu drosseln, um das Netz zu stabilisieren. Der örtliche Stromversorger CenterPoint Energy sprach am Montagabend dort von rund 1,2 Millionen Kunden ohne Strom.

Eingefrorene Windkrafträder? “Keine Ausrede, Texas!”

In weiten Teilen des Bundesstaats mussten die Anrainer mit Schnee und Eis zurechtkommen. Die “New York Times” und örtliche Medien berichteten, dass ein Teil der Stromausfälle auf eingefrorene Windräder zurückzuführen war. Windkraft ist in dem Bundesstaat eine wichtige Energiequelle. Bürgermeister Turner forderte die Führung des Bundesstaats auf, die Verantwortung für die “Größenordnung dieser Stromausfälle” zu übernehmen und eine Erklärung vorzulegen.

Eric Feigl-Ding, Wissenschaftler an der Harvard Universität in Boston, sieht das Problem nicht bei den Windkrafrädern an sich sondern an der fehlerhaften und fahrlässigen Konstruktion. Auf Twitter zog er als Beispiel die Windkraftanlagen in Österreich heran:

„Sehen Sie die österreichischen Windkraftanlagen auf der linken Seite dieses Skisessellifts? Beachten Sie, wie bitter gefroren der Skilift ist. Das ist der Unterschied zum Schutz vor kaltem Wetter. Die Windkraft-Turbinen können sogar auf Bergen in den Alpen eisfrei laufen! Keine Ausrede, Texas!“

Ausfall von Corona-Impfungen

Für Mittwoch wird ein weiterer Schneesturm in der Region erwartet. In zahlreichen betroffenen Städten könnten Corona-Impfungen nicht wie geplant stattfinden, berichtete CNN. Auch in Mexiko waren in den Bundesstaaten Nuevo Leon, Chihuahua, Coahuila, Tamaulipas, Durango und Zacatecas in der Nacht auf Dienstag mehrere Hunderttausend Haushalte zeitweise ohne Strom, wie der staatliche Stromanbieter CFE erklärte.

(apa/jz)

Titelbild: Screenshot Twitter Eric Feigl-Ding

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