Geht doch weg!

Mit der Flex gegen Abschiebedemo

Wieder Kampf um eine Abschiebung. Demonstranten ketteten sich vor dem Schubhaftgefängnis an – die Polizei kam mit der Flex. Reportage von

Thomas Walach

Wien, 23. Februar 2021 | „Organisatoren? Sowas gibt’s hier nicht. Das ist eine spontane Demo.“ Mein Blick wandert zu den meterhohen Gerüsten, an denen sich einige Demonstranten festgekettet haben. „Allzeit bereit“, sagt die junge Frau und zuckt mit den Achseln. An den zusammengekniffenen Augen erkennt man, dass sie unter ihrer Maske lächelt.

Knapp hundert Demonstranten und ebenso viele Polizisten blockieren vor dem Schubhaft-Gefängnis an der Rossauer Lände die Straße. 45 Menschen sollen in der Nacht nach Afghanistan abgeschoben werden. „Das kann doch nicht sein!“, sagt eine Demonstrantin. „Dort explodieren jeden Tag Bomben und wir schieben Menschen dorthin ab.“

„Wir sind schnell hergekommen“

Eine Demonstration gegen die im Vorfeld stark kritisierte Abschiebung war für 15:00 angemeldet. Doch dann hätte man zu Mittag gesehen, dass ein Konvoi das Gefängnis verließ, erklärt eine Demonstrantin. „Wir sind alle schnell hergekommen. Wir wissen nicht, ob noch jemand da ist, oder schon alle weggebracht wurden.“

Die Polizisten bilden zwei lange Reihen; blaue Uniformen, weiße Coronamasken. An den Ecken und in den Seitengassen stehen junge Männer in Zivil, deren Gehabe nicht so recht zu den Demonstranten passen will. Einer geht auf die Reihe der Uniformierten zu, zeigt aus der Jackentasche halb seine Dienstmarke vor und verschwindet hinter der Absperrung.

Eine Frau mit einem Sack voll Wäsche steht vor der Reihe. Sie hat heute Besuchstermin bei ihrem Mann im Gefängnis. „Es tut mir leid, Sie können nicht durch.“, erklärt ein Beamter in Zivil. „Aber ich habe angerufen. Heute ist Termin.“, beharrt die Frau in gebrochenem Deutsch. „Tut mir leid, heute geht es nicht. Vielleicht können Sie ja mit Ihrem Mann telefonieren?“ Der Polizist bietet an, den Wäschesack nach drinnen bringen zu lassen.

„Geht doch weg!“, sagt die Frau leise, während sie wartet. „Wir können nichts dafür“, gibt ein Polizist aus der Reihe zurück. „Ich meine nicht Sie, ich meine die“. Die Frau deutet auf die Demonstranten. Sie flucht und bekreuzigt sich. „Ihr seid nicht alleine“, rufen die Demonstranten ausgerechnet in diesem Moment zu den Gefängnisfenstern hinauf.

Die WEGA rückt mit der Drehleiter an. Bild: ZackZack

Die Flex

WEGA-Beamte mit Helmen und Feuerwehrleute sind derweilen mit der Flex zugange. Von der Drehleiter aus schneiden sie die Ketten durch, mit denen zwei junge Leute sich an ein Gerüst aus drei Pfählen gekettet haben. Man hat ihnen die Augen verbunden und ihnen schalldichte Kopfhörer aufgesetzt. Die Polizisten sind erleichtert. „Wir haben eh schon so lang Dienst“, sagt einer.

Eine Demonstrantin wagt kaum, hinzusehen. „Das schaut gefährlich aus!“, findet sie. „Die wissen schon, was sie machen,“ sagt ein Polizist, der hinter der Reihe seiner Kollegen steht, und blickt sich nach den maskierten Beamten auf der Drehleiter um. Die Demonstrantin ist nicht überzeugt. „Wir würden das auch selbst abbauen.“ „Das hätten’s früher sagen müssen.“ „Ich versuche ja schon die ganze Zeit, das Ihren Kolleginnen da hinten zu erklären, aber die lassen mich nicht durch.“

Nach einigem Hin und Her machen die Polizisten eine Lücke in ihrer Reihe für die junge Frau frei. „Open Borders“ kommentiert sie trocken, bevor sie begleitet von vier Polizisten ins Innere verschwindet.

Titelbild: APA Picturedesk

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