Herr Bundeskanzler, können wir bitte einmal das Handy wegtun?

Schon wieder erwischt

Der Kanzler und sein Handy – vor allem in parlamentarischen Sitzungen ein fast unzertrennliches Paar. Am Mittwoch wurde Sebastian Kurz wieder einmal von einem Abgeordneten ermahnt. Kurz solle sich doch auf den Plenumstag konzentrieren, statt auf das Handy zu schauen. 

Wien, 25. Februar 2021 | 513.000 Arbeitslose gibt es derzeit in Österreich. Der Nationalrat befasste sich am Mittwoch mit den steigenden Arbeitslosenzahlen und mit Maßnahmen, die diese Zahlen verringern sollen. Doch nicht alle widmeten ihre uneingeschränkte Aufmerksamkeit diesem Thema.

“Herr Bundeskanzler, können wir bitte einmal das Handy wegtun?”

Während der Rede des SPÖ-Sozialsprechers Josef Muchitsch und seiner Ansage, dass etwa eine Million Menschen in Österreich nun weniger verfügbares Einkommen auf der Habenseite haben als vor der Krise, tippte der Bundeskanzler eifrig auf seinem Mobiltelefon herum. Als Muchitsch das bemerkte, wandte er sich direkt an Sebastian Kurz:

“Herr Bundeskanzler, können wir bitte einmal das Handy wegtun? Wir reden über Menschen, die arbeitslos sind, über die Wirtschaft, die nicht weiß, wo ist das Licht am Ende des Tunnels und Sie spielen mit dem Handy herum.“

Auf frischer Tat ertappt, schreckte der Kanzler kurz auf, den Blick allerdings gleich danach wieder auf den Bildschirm gefesselt. Innerhalb weniger Sekunden wandte er sich jedoch an seinen Arbeitsminister, Martin Kocher, und fing während der Rede Muchitschs zurückgelehnt ein Gespräch an.

Nicht das erste Mal

Die Kritik an Bundeskanzler Sebastian Kurz und seiner Handynutzung während Plenarsitzungen ist nicht neu. 2018 hatte der SPÖ-Abgeordnete Jörg Leichtfried Kurz ermahnt, als er diesen während seiner Rede am Handy erwischt hatte: „Ist das Candy Crush, Herr Bundeskanzler?“

Auch in der Stunde seiner Abwahl im Mai 2019, hatte der Kanzler seine Aufmerksamkeit dem Bildschirm geschenkt – und nicht dem anstehenden Misstrauensvotum. Der damalige Abgeordnete Peter Pilz Richtung Kanzler: „Tschuldigung dass ich sie am Handy störe, ich kann meine Rede kurz unterbrechen. Auch in der Stunde seiner möglichen Abwahl interessiert sich der Bundeskanzler nicht fürs Parlament.“

(bf)

Titelbild: APA Picturedesk

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