Diese Vorerkrankungen sorgen für zwei Drittel der schweren Verläufe

Wegen Corona im Spital

Eine neue US-Studie lässt aufhorchen: Rund zwei Drittel aller Corona-Spitalsaufenthalte hängen mit vier Vorerkrankungen zusammen. Ohne Diabetes mellitus, Herzinsuffizienz, Übergewicht und Bluthochdruck als Risikofaktoren für einen schweren Verlauf ließen sich fast zwei Drittel aller corona-bedingten Spitalsaufenthalte vermeiden.

Wien, 26. Februar 2021 | Für die soeben erschienene Studie des Kardiologen Dariush Mozaffarian an der amerikanischen Tufts-University wurde eine beachtliche Menge von über 900.000 corona-bedingten Krankenhausaufenthalten in den USA untersucht. Das Ergebnis in der Modellberechnung der Forscher ist erschreckend: Demnach wären 64 Prozent aller schweren Verläufe auf eine der vier kardiometabolischen Krankheiten zurückzuführen: Diabetes mellitus, Übergewicht, Bluthochdruck und Herzinsuffizienz.

Fettsucht-Epidemie befeuert Corona-Pandemie

Mit 30 Prozent sind die meisten der untersuchten Krankenhausaufenthalte laut Studienautoren auf Fettleibigkeit zurückzuführen. Brisant: die WHO stufte bereits 1997 Fettleibigkeit als Epidemie  und damit als zu bekämpfende Seuche ein. 2016 waren laut WHO 39 Prozent aller Erwachsenen weltweit zu dick (ab Body-Mass-Index 25 aufwärts), 13 Prozent sogar fettleibig (Body-Mass-Index 30 aufwärs). Bluthochdruck führe laut der US-Studie zu 26 Prozent der Corona-Krankenhausaufenthalte, Diabetes mellitus zu 21 Prozent und Herzinsuffizienz zu zwölf Prozent. Wer nicht an einer der genannten Vorerkrankungen leidet, ist zwar vor einer Infektion mit Sars-Cov-2 nicht sicher, allerdings sinkt die Wahrscheinlichkeit eines schweren Verlaufs mit Krankenhausaufenthalt signifikant.

Faktor Alter

Wenig überraschend, stellen die Studienautoren auch Unterschiede in der Auswirkung der Vorerkrankungen auf den Covid-Verlauf hinsichtlich Alter fest. Insgesamt sollen die genannten Krankheiten für 44,2 Prozent der Hospitalisierungen der 18 bis 49-Jährigen, für 64,5 Prozent der 50 bis 64-Jährigen sowie für 73,9 Prozent aller über 65-Jährigen verantwortlich sein. Während Diabetes mellitus, Herzinsuffizienz und Bluthochdruck zu mehr Hospitalisierungen der älteren Bevölkerung 65+ führten, verhält es sich bei Fettleibigkeit anders: Sie wirkt sich mit rund 20 Prozent gleich stark auf alle Altersgruppen aus, Fälle von schwerer Fettleibigkeit wirken sich sogar stärker auf die jüngsten Altersgruppen aus (13,5 Prozent bei Jüngeren versus 9,3 Prozent bei Älteren).

Lebensstilfaktoren

Die Studienautoren führen außerdem Beispiele mittels ihrer Modellrechnung an: Gäbe es zehn Prozent weniger Menschen in den USA mit einer der genannten Vorerkrankungen, hätte dies die Zahl der Covid-19-Hospitalisierungen um elf Prozent verringert. Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg: Die Ergebnisse zeigen die wichtige Rolle von sogenannten Lebensstilfaktoren, die erwiesenermaßen wesentlich zur Entstehung von Diabetes mellitus, Herzinsuffizienz, Bluthochdruck und Fettleibigkeit beitragen: Dazu gehören Bewegung genauso wie Ernährung, nicht rauchen, Normalgewicht und wenig Alkoholkonsum, aber auch psychische Gesundheit (Stress, soziale Kontakte, Lärmbelastung, Schlafverhalten usw.).

Gesundheit in Lockdown-Zeiten

Die Corona-Maßnahmen machen einen gesunden Lebensstil jedenfalls zur Herausforderung: Während sich in letzter Zeit einerseits Berichte über den massiven Anstieg von Depressionen und anderen psychischen Erkrankungen in der Bevölkerung häufen, konnte eine Studie der MedUni Wien bereits vergangenen Juni zeigen, dass die Österreicher nach dem ersten Lockdown durchschnittlich zwei Kilogramm Speck zulegten. Insbesondere in Zeiten, in denen ein Lockdown den nächsten jagt, Alltagswege stark reduziert sind und die Möglichkeiten für Sport und Bewegung im Vereinswesen und selbst in der Schule wegfallen, sollte daher besonders auf die Förderung der genannten Lebensstilfaktoren in der Bevölkerung geachtet werden. Sie können sich nicht nur vorbeugend hinsichtlich Diabetes mellitus, Fettleibigkeit und Co auswirken – sondern auch stärkend auf das Immunsystem – in Zeiten grassierender Viren sicherlich keine schlechte Sache.

(lb)

Titelbild: APA Picturedesk

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