Ein Kanzler in Panik

Was war auf Mallorca los?

Am Dienstag berief Kanzler Kurz eilig ein Hintergrundgespräch ein, zu dem die meisten österreichischen Printmedien geladen waren. Der Grund: Eine ZackZack-Recherche und eine Aussage bei der WKStA. Wovor hat Kurz solche Angst?

Wien, 02. März 2021 | Am 15. Februar erscheint bei ZackZack eine Recherche von Chefredakteur Thomas Walach. Es geht um Spenderfrühstücke mit Sebastian Kurz im Wiener Hotel Sacher, die PR-Beraterin Gabi Spiegelfeld organsiert hat. Ein Teilnehmer dieser Gespräche: der damalige Novomatic-CEO Harald Neumann. Die WKStA ermittelt, ob Kurz für Novomatic in Italien intervenierte und dafür eine Spende erhielt.

Erkenntnisse interessieren Ermittler

Dass Kurz bei seinen Frühstücksterminen mehrmals auf Neumann traf, war neu. Für Kurz kam die Recherche zu einem ungünstigen Zeitpunkt, war er doch gerade damit beschäftigt, ein vermutetes Treffen mit Novomatic-Eigentümer Johann Graf zu dementieren. Auch die Ermittler wussten offensichtlich nichts von den Frühstückstreffen.

Walach schickte daher den Inhalt seines Gesprächs mit Spiegelfeld in Form eines sachdienlichen Hinweises an die WKStA. Zwei Tage später war Walach als Zeuge geladen. Die Ermittler interessierten sich für seine Rechercheergebnisse. „Ich habe einfach unter Wahrheitspflicht ausgesagt, was ich wusste“, sagt Walach. „Nur, wenn es um die Identität meiner Quellen ging, habe ich mich mit Verweis auf das Redaktionsgeheimnis entschlagen.“

Kurz legt neue Fährte selbst

Sebastian Kurz sprach in seinem Hintergrundgespräch vor allem über seinen Mallorca-Urlaub im Juni 2018. Kurz habe bestätigt, dass er im Zeitraum von 31. Mai bis 05. Juni 2018 auf Mallorca war. Die ZackZack-Recherchen dazu bezeichnete er als “Dirty Campaining”. Diesen Titel trägt auch die Unterlage, die an die anwesenden Journalisten ausgegeben wurde. Die Stimmung des Kanzlers soll angespannt gewesen sein, berichtet ein Teilnehmer. In seiner Befragung durch die WKStA sei die Mallorca-Sache allerdings „ein völliger Nebenaspekt“ gewesen, sagt Walach. Er sei überrascht gewesen, dass die Sache solchen Wirbel verursache. „Ich hatte nicht einmal darüber geschrieben. Dass Kurz auf Mallorca seine Freunde besuchte – na wenn schon!“

Woher weiß Walach überhaupt von Kurz‘ Mallorcaurlaub? Gabi Spiegelfeld habe selbst von Mallorca aus Personen in Wien mitgeteilt, dass Kurz vor Ort sei, sagt der ZackZack-Chefredakteur. Der Kanzler legte bei seinem Hintergrundgespräch den geladenen Journalisten eine Hotelrechnung vor, die beweisen soll, dass er nicht im Haus des Ehepaar Spiegelfelds übernachtet habe. Walachs Ziel sei, ihm verbotene Geschenkannahme zu unterstellen. Walach sagt, er habe „keine Ahnung“, wo Kurz geschlafen habe, und: „Dazu habe ich auch nichts ausgesagt. Genausowenig wie darüber, ob Kurz auf irgendetwas eingeladen wurde.“

Was war auf Mallorca?

Dem Kanzler ist der „Nebenaspekt“ der Befragung wichtig genug, um einen Großteil der heimischen Innenpolitikjournalisten einzuladen und gegen ein Medium zu schießen. Was also ist auf Mallorca passiert? „Wer war noch dort? Und mit wem hat Kurz worüber gesprochen? Ging es um Spenden?“ Walach sieht im Verhalten des Kanzlers einen Rechercheansatz: „Wenn Kurz so in Panik gerät, werde ich als Journalist natürlich neugierig.“ Was war der Grund für Kurz’ Reise nach Mallorca? War es eine Dienstreise? War er alleine? Falls nicht, wer hat ihn begleitet? Sebastian Kurz liegt offenbar Walachs Einvernahmeprotokoll vor – im Gegensatz zu Walach selbst, der als Zeuge keine Akteneinsicht hat.

Wie ist das Protokoll zu Kurz gekommen? Ein Weg wäre Gernot Blümel, der im Verfahren um die Spendencausa Beschuldigter ist (es gilt die Unschuldsvermutung) und Akteneinsicht hat. Brisant: der Kanzler und seine Parteifreunde hatten sich in den letzten Wochen immer wieder selbst über vermeintliche “Leaks” beschwert. Klubchef August Wöginger hatte sogar die WKStA als Quelle für Infos an Medien in den Raum gestellt und ihr damit eine strafbare Handlung unterstellt.

Spiegelfeld im Ibiza-U-Ausschuss

Am Donnerstag ist Gabi Spiegelfeld als Auskunftsperson in den Ibiza-Untersuchungsausschuss geladen. „Ich kann mir schon vorstellen, was die Abgeordneten sie fragen werden“, sagt Walach. „Wird Mallorca das neue Ibiza der ÖVP?“

(wb)

Der Artikel wurde am 02. März um 16:53 Uhr aktualisiert (“sachdienlicher Hinweis”).

Titelbild: APA Picturedesk

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