Blümels Hausdurchsuchung

Ehefrau ging mit Laptop spazieren

Wer kennt es nicht? Bei Ihnen soll eine Hausdurchsuchung stattfinden, sie kündigen den Besuch Ihrer Frau an. Diese geht daraufhin mit dem Kind spazieren. Mit im Gepäck: Der gemeinsame Laptop. So lief es zumindest bei Gernot Blümel ab.

 

Wien, 03. März 2021 | “Der Standard” berichtete am Mittwoch ausführlich darüber, wie die Hausdurchsuchung bei Finanzminister Gernot Blümel in Folge der Ermittlungen rund um die Casinos Affäre (Es gilt die Unschuldsvermutung) am 11. Februar ablief.

Um 8:36 kam Gernot Blümel mit seinem Anwalt Werner Suppan in die Büros der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft. Zwei Tage zuvor war publik geworden, dass der Finanzminister in der Casinos Affäre als Beschuldigter geführt wird, Blümel habe von seinem Beschuldigtenstatus aus den Medien erfahren. Sein Anwalt fragte aber bereits Anfang Februar nach, ob der Finanzminister als Beschuldigter geführt werde. Suppan erklärte das als „Routineanfrage“. Kurz zuvor hatte Wolfgang Sobotka als Vorsitzender des Ibiza-Untersuchungsausschusses vom Beschuldigtenstatus’ Blümels erfahren.

Blümel an Ehefrau: Komme mit freundlichen Menschen

Bei der WKStA eingetroffen erhielt der Finanzminister umgehend die Anordnung zur Hausdurchsuchung und Sicherstellung. Blümel wurde seiner Beschuldigtenrechte belehrt und um 9:07 übergab Blümel den Ermittlern sein Mobiltelefon samt Entsperrcode. Um 9:30 war laut Protokoll die Übergabe und Sicherstellung erledigt. Nun folgte die Hausdurchsuchung. Gernot Blümel schilderte selbst im “Krone”-Interview, wie er die Durchsuchung ankündigte:

“Ich durfte vorher noch meine Frau anrufen, wir haben ja ein kleines Kind zu Hause, das hat geschlafen. Ich hab ihr gesagt, dass ich jetzt mit einigen freundlichen Menschen vorbeikomme. Meine Frau ist dann mit unserer Tochter spazieren gegangen.”

Ehefrau geht mit Laptop spazieren

Blümels Ehefrau ging tatsächlich spazieren, allerdings hatte sie bei ihrem Spaziergang mehr als nur das gemeinsame Kind mit dabei. Denn aus dem Bericht der Hausdurchsuchung geht hervor: Blümels Frau nahm den gemeinsamen Laptop der Familie mit.

Die Beamten konnten diesen im Hause Blümel nicht vorfinden. Um 9:43 sahen zwei Beamte, die sich vorsorglich vor Blümels Haus positioniert hatten, Ehefrau Blümel mit dem Kind aus dem Haus gehen, allerdings: “Die offensichtliche Mitnahme von einem Laptop wurde nicht wahrgenommen”.

Der fehlende Laptop fiel allerdings doch noch auf. Gernot Blümel und die „freundlichen Menschen“ von der Staatsanwaltschaft waren nämlich zu Fuß auf dem Weg in das Hause Blümel. Um 9:50, sieben Minuten nachdem Frau Blümel von den Beamten beim Verlassen des Hauses gesehen wurde, trafen sie in seinem Zuhause ein. Um 9:52 übergab Blümel zwei Tablets und vier USB-Sticks an die Korruptionsermittler freiwillig. Nicht dabei: das gemeinsame Blümel-MacBook.

Mitarbeiter muss Laptop holen

Der Finanzminister kontaktierte mehrmals seine Ehefrau mittels Telefon und erreichte sie nach einigen Anrufen. Laut dem Bericht der Hausdurchsuchung habe sich Blümels Ehefrau offensichtlich in einem „öffentlichen Verkehrsmittel“ aufgehalten. Ausgemacht wurde, dass das MacBook durch einen Kabinettmitarbeiter des Finanzministers übergeben wurde. Um 10:36 war der Laptop schließlich von seinem morgendlichen Spaziergang erlöst.

“Um 10:36 Uhr wurde das Macbook dann durch Mag. Clemens-Wolfgang Niedrist in der Wohnung übergeben”: heißt es im Bericht. Die Hausdurchsuchung war da bereits seit fünf Minuten zu Ende. Die Amtshandlung wurde um 10:47 beendet.

(bf)

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Titelbild: APA Picturedesk

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