Hygiene Austria

Masseverwalterin: Leihfirma bezog Kurzarbeitsgeld

Das Kapitel Hygiene Austria ist um eine Facette reicher. Eine der Leiharbeitsfirmen, mit denen der Maskenhersteller zusammenarbeitet, hat Kurzarbeitsgeld bezogen – laut Konkursabwicklerin möglicherweise zu Unrecht.

Wien, 09. März 2021 |  “Interessanterweise hat die Firma mehrfach Kurzarbeitsgeld bezogen für ihre Dienstnehmer und bei meinen Erhebungen hat sich hier mir schon massiv der Eindruck aufgedrängt, dass eben hier Kurzarbeitsgeld möglicherweise zu Unrecht bezogen wurde”, sagte die Anwältin Ulla Reisch, die den Konkurs der AD Job Assist GmbH abwickelt, am Dienstag im ORF-Radio.

Die AD Job Assist GmbH ist seit Ende 2020 pleite. Laut “Wirtschaftscompass” wurde der Konkurs Mitte Dezember eröffnet. Wie es in dem Firmenregister weiter heißt, handelt es sich bei der AD Job Assist GmbH laut einer Mitteilung der Finanzbehörde vom 21. Jänner 2021 um ein Scheinunternehmen gemäß Sozialbetrugsbekämpfungsgesetz.

Auch ein weiterer Partner von Hygiene Austria, Steady Global Partners GmbH, wurde laut “Wirtschaftscompass” vom Finanzministerium als Scheinfirma gemäß Sozialbetrugsbekämpfungsgesetz §8 identifiziert. Laut “Standard” gibt es insgesamt vier Personaldienstleister, die für das Gemeinschaftsunternehmen von Lenzing und Palmers gearbeitet haben, teilweise mit schlechter Bonität und zum Teil ohne Gewerbeberechtigung für die Arbeitskräfteüberlassung.

Leiharbeiter wirken “verängstigt”

Die Arbeiterkammer hat mit Beginn der Medienberichte über den Maskenproduzenten begonnen, Recherchen anzustellen. Inzwischen habe man ein paar Mitarbeiter gefunden, die bei der Hygiene Austria als Leiharbeitskräfte tätig gewesen seien, erklärte AK-Direktor Christoph Klein am Dienstag am Rande einer Pressekonferenz. Diese Leiharbeitskräfte haben am morgigen Mittwoch einen Termin mit der AK, sie wirkten “verängstigt”, meinte Klein. Man stehe auch in Kontakt mit der Gewerkschaft, die ebenfalls recherchiere. Einen Betriebsrat gebe es trotz der Betriebsgröße nicht, kritisierte Klein. Nach den Recherchen sei man hoffentlich in ein paar Tagen in der Lage, “Tacheles zu reden”.

Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) ermittelt gegen Hygiene Austria, die einen Teil der Corona-Schutzmasken in China fertigen ließ. Neben des Verdachts des schweren gewerbsmäßigen Betrugs geht die Staatsanwaltschaft dem Verdacht der organisierten Schwarzarbeit nach. Vor einer Woche gab es bei Palmers in Wien sowie am Produktionsstandort in Wiener Neudorf Hausdurchsuchungen. Die Händler nahmen die Masken daraufhin aus dem Verkauf.

Lenzing vs. Palmers | Palmers vs. Lenzing

Gestern, Montag zog Lenzing seinen Geschäftsführer und seine Mitarbeiter ab und warf dem Partner Palmers vor, Aufklärung zu verhindern. Ein ehest bald von Lenzing zu bestimmender Wirtschaftstreuhänder werde mit der Verwaltung der Lenzing-Anteile an Hygiene Austria betraut, teilte der börsenotierte Faserkonzern mit.

Der verbliebene Geschäftsführer, der Palmers-Vorstand Tino Wieser, wiederum sagt, bei Lenzing hebe niemand mehr ab. Wieser weist die Vorwürfe zurück, auch dass die Hygiene Austria nicht angemeldete Leiharbeiter beschäftigt habe. Man habe sich dreier Personalbereitstellungsfirmen bedient und sich jeden Monat Auszüge der Sozialversicherung und des Finanzamts vorlegen lassen um zu überprüfen, ob alle Mitarbeiter korrekt angemeldet sind.

(apa/bf)

Titelbild: APA Picturedesk

Lesen Sie auch

20 Kommentare
Inline Feedbacks
Zeige alle Kommentare
Cynane
10. 03. 2021 18:13

An die Redaktion: Bitte um inhaltliche Korrektur:
“Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) ermittelt gegen Hygiene Austria, die einen GROß-Teil der Corona-Schutzmasken in China fertigen ließ.”

mahler
10. 03. 2021 0:31

Also, wenn HA zwei Tage vor dem 1. Lockdown gegründet wurde, wäre mal an der Zeit, dass die Behörden auch mal beim Martin Ho vorbeischauen, der könnte auch ein paar Leichen im Keller haben, bei diesen Info, aufgrund derer er offensichtlich seine Lokale auf- und zusperrt.

mahler
10. 03. 2021 0:28

“die einen Teil der Corona-Schutzmasken in China fertigen ließ”
Ich habe es so verstanden, dass sie die Masken einfach in China eingekauft haben, um sie dann umzuetikettieren. Der obige Satz klingt, als ob HA den Chinesen offiziell den Auftrag gab, für sie die Masken anzufertigen, egal was nachher geschehen würde.
Übrigens, lieber HA-Marketing-Texter, auf dem Plakat fehlt ein Beistrich nach “sein”.

mahler
10. 03. 2021 0:49
Antworte auf  mahler

Ok, nicht aufmerksam gelesen, dass sie tatsächlich in China produzieren ließen.

Fuchur
9. 03. 2021 22:31

Das dürfte noch spannend werden! Anscheinend arbeitet die Tochter des Lenzing-Chefs bei Hygiene Austria: https://www.derstandard.at/story/2000124796807/maskenpruefer-von-hygiene-austria-war-nicht-ueber-china-produktion-informiert

Fuchur
9. 03. 2021 21:04

Sensationell war ja heute im Staatsfunk Ö1 im Mittagsjournal die Berichterstattung! Es gibt also noch Hoffnung ;-). Und die Fragen waren wirklich gut! Die Verbindung ins Bundeskanzleramt kam nämlich nicht zu kurz. Dass ein internationaler Konzern wie Lenzing wegen der aktuellen Volatilität an den Börsen die Reißleine ziehen muss, ist klar. Fragen bleiben trotzdem genug übrig. Wenn Lenzing nicht nur einen Scheingeschäftsführer in der Hygiene Austria GmbH hatte, dann müsste dem doch alleine an den Mengen der von der Lenzing zugekauften Stoffe (ich glaube der Bereich heißt “non-wovens”) mitbekommen haben, dass da etwas nicht stimmt …

Zapošljavali jeftinu radnu snagu i tražili novac za ‘Kurzarbeit’ - Super radio München : Super radio München
9. 03. 2021 19:47

[…] Tvrtka AD Job Assist GmbH je propala krajem prošle godine, a riječ je o agenciji koja je zapošljavala jeftinu radnu snagu za tvrtku Hygiene Austria, koja je optužena za rad na crno i lažno etiketiranje kineskih maski s natpisom „Made in Austria“, saznaje “ZackZack“. […]

Fuchur
9. 03. 2021 20:58

Liebes ZackZack-Team, hier dürfte es sich, wie bei vielen anderen solchen Posts, um einen Bot handeln. Vielleicht könntet ihr die Hürde zum Anmelden etwas erhöhen? Dass wir es mit einer so korrupten Regierung in die internationalen Schlagzeilen schaffen ist wohl nichts Neues mehr 😉

Helmut1971
9. 03. 2021 19:47

Baby Konzern Kanzler….mag..anscheinend laut deinem fettem Freund auf oe24 dich noch 37% viel spass

Hermann_Geyer
9. 03. 2021 17:51

Wenn in einem Wort “Kurz” und “Geld” vorkommt verstehe ich schon, dass dann manche Leute die “Arbeit” übersehen.

Anonymous
9. 03. 2021 14:45

Wenn man zur Abdeckung der Arbeitskräfte zwei unter Betrugsverdacht stehende Scheinfirmen anheuern muss, kann es mit der Seriosität von Palmers nicht weit her sein.

Hauptsache durch Insiderinformationen aus dem Kanzlerbüro schnelle Kohle machen, auch wenn die Deals dafür illegal und schmutzig sind.

Hotte
9. 03. 2021 16:45
Antworte auf  Anonymous

Früher oder später wird das alles aufgedeckt werden und dann marschieren Kurz und Konsorten hinter Gitter!

mrsmokie
9. 03. 2021 19:00
Antworte auf  Hotte

sehr sehr viel später vermutlich, nicht früher

Zapošljavali jeftinu radnu snagu i tražili novac za 'Kurzarbeit'
9. 03. 2021 14:45

[…] Tvrtka AD Job Assist GmbH je propala krajem prošle godine, a riječ je o agenciji koja je zapošljavala jeftinu radnu snagu za tvrtku Hygiene Austria, koja je optužena za rad na crno i lažno etiketiranje kineskih maski s natpisom „Made in Austria“, saznaje “ZackZack“. […]

samhain
9. 03. 2021 15:27

“Stellen Sie billige Arbeitskräfte ein und bitten Sie um Geld für Kurzarbeit

Die AD Job Assist GmbH ging Ende letzten Jahres in Konkurs und ist eine Agentur, die billige Arbeitskräfte für Hygiene Austria beschäftigte. Sie wird beschuldigt, an der schwarzen und falschen Kennzeichnung chinesischer Masken mit der Aufschrift “Made in Austria” gearbeitet zu haben, wie ZackZack feststellt raus “

Quellenangabe wäre noch nett.

Strongsafety
9. 03. 2021 14:06

Wow, also wenn da nicht ein paar in den Bau wandern.

Samui
9. 03. 2021 14:41
Antworte auf  Strongsafety

Ich fürchte nicht…. vielleicht Geldstrafen.
Jetzt wird das Ganze sicher mal so lange als möglich verzögert. Sitzen ja noch genug Türkise in der Justiz

hagerhard
9. 03. 2021 12:20

einige meinen:
Nebst der Pandemie ist ein durch und durch korruptes System unser großes Problem.
ich meine:
wegen dem korrupten system ist die pandemie ein so grosses problem
aber natürlich gilt auch hier die unschuldsvermutung

https://www.hagerhard.at/blog/2021/03/es-gilt-die-unschuldsvermutung/

Unbekannt
9. 03. 2021 12:26
Antworte auf  hagerhard

Die Plandemie macht vor allem Big Tech und Politiker reicher als reich. Und manche Politiker wollen nicht nur für sich selbst, sondern auch ihren Freunderln ein Stück vom Kuchen mit abschneiden. Das ist doch nett.

samhain
9. 03. 2021 13:09
Antworte auf  Unbekannt

Die Pandemie gibt’s, weil sie den Konservativen in die Hände spielt. Bei der Schweinegrippe waren nicht genug Konservative am Riuder, um das damals schon durchzuziehen.

Folge einem manuell hinzugefügten Link
Link zu: Politik

Fuchs-Prozess vertagt, weil Pilnacek nicht kam

OstA-Chef Fuchs vor Gericht: Eigentlich hätte es heute zum Showdown im Innsbrucker Landesgericht kommen sollen. Doch sein Vertrauter und Zeuge im Prozess, Ex-Sektionschef Pilnacek, ließ sich entschuldigen – „berechtigt“.

ÖVP-Großspender nach saftiger Dividende: »Vier-Tage-Woche wird’s nicht spielen«

ÖVP-Großspender Pierer, der während der Corona-Krise 11 Mio Staatshilfen für sein Unternehmen kassiert und sich infolge selbst eine 7-Mio-Dividende ausgeschüttet haben soll, machte in einem Interview seinen Standpunkt zu einer Arbeitszeitverkürzung klar.

»Message out of Control« – Ex-Kurz-Sprecher vs. U-Ausschuss

Gerald Fleischmann wollte sich bei seiner Befragung vor fast allen Antworten drücken. Sogar Wolfgang Sobotka verlor die Geduld. Der Tag endete mit einem Rausschmiss.  

ZackZack am Freitagmorgen – 01. Juli 2022

Was am Freitag wichtig ist: OStA-Chef Fuchs vor Gericht, merkwürdiger Vorstoß der SPÖ könnte ins Leere laufen, 14 Tote bei Raketeneinschlag in Odessa, Ukraine beginnt mit Export von Strom nach Europa.

Link zu: MeinungLink zu: Leben

Vollspaltenboden-Verbot bei Schweinen kommt – Aber erst 2040

Knapp 18 Jahre haben bestehende Betriebe noch Zeit, ihren letzten Vollspaltenboden abzubauen. Dann, ab 2040, sind sie verboten. Das verkündeten der Landwirtschafts- und der Tierschutzminister am Freitag.

Vermisster tot aus der Alten Donau in Wien geborgen

Ein seit Mittwochabend vermisster Mann wurde am Donnerstagabend leblos am Grund der alten Donau von Tauchern geborgen.

Fuchs-Prozess vertagt, weil Pilnacek nicht kam

OstA-Chef Fuchs vor Gericht: Eigentlich hätte es heute zum Showdown im Innsbrucker Landesgericht kommen sollen. Doch sein Vertrauter und Zeuge im Prozess, Ex-Sektionschef Pilnacek, ließ sich entschuldigen – „berechtigt“.

Paris-Attentäter erhält absolute Höchststrafe

Der einzig Überlebende des Terrorkommandos, das für die islamistische Anschlagsserie im November 2015 in Paris verantwortlich war, wurde am Mittwochabend nach einem neunmonatigen Prozess verurteilt.  

Umfragen und Message Control beschäftigen U-Ausschuss

Die Opposition wittert die nächste ÖVP-Umfragen-Affäre und befragt am Donnerstag jenen Mann, der davon wesentlich profitiert haben soll: Paul Unterhuber – er hat seit Jahren beste Verbindungen zur ÖVP. Außerdem geladen: Gerald Fleischmann, Kurz’ Mann für türkise Message Control.

Grünes Licht für NATO-Beitritt von Schweden und Finnland – Unter Erdoğans Bedingungen

Seit Finnland und Schweden um einen NATO-Beitritt angesucht hatten, hatte die Türkei blockiert. Auf Druck der USA gibt es nun eine Einigung und grünes Licht – nach Zugeständnissen an die Türkei.