Offener Protestbrief: Kulturschaffende kritisieren Regierung

Kulturgipfel gefordert

Mit einem dringenden Appell richteten sich Hunderte Künstlerinnen und Künstler sowie Kulturinstitutionen an die Politik, dem anhaltenden Lockdown in diesem Bereich mit klaren Planungsmöglichkeiten und Perspektiven zu begegnen. “Wir sind fassungslos, mit welcher Ignoranz sich die Regierung und die Landeshauptleutekonferenz über die existenziellen Grundbedürfnisse der Kunst und Kultur hinwegsetzen”, heißt es in dem offenen Protestbrief. Gefordert wird ein Kulturgipfel.

Wien, 09. März 2021 | Es genüge nicht, “von der Bedeutung der Kunst und Kultur zu sprechen und sich um alles andere zu kümmern, nur nicht um sie”. Daher erwarte man “die sofortige Korrektur des derzeitigen Öffnungsplans und die Einbindung der Kunst und Kultur in die schon beschlossenen Öffnungsschritte”, wird in dem stellvertretend von Gerhard Ruiss (IG Autorinnen Autoren) und Yvonne Gimpel (IG Kultur Österreich) unterzeichneten Schreiben argumentiert. Kunst und Kultur bräuchten zumindest eine Gleichbehandlung mit anderen Sektoren und nicht “vage Ankündigungen”.

Kultur braucht Vorlaufzeit

Weiters wird auf bestehende Sicherheitskonzepte verwiesen, wobei über Monate hinweg Erfahrungen gesammelt werden konnten, wie sich diese in der Praxis bewähren. “Wir wollen weder auf einen April-Termin mit neuen Entscheidungen warten, um dann im Mai mit den entsprechenden Vorlaufzeiten aufsperren zu können, noch auf einen späteren Termin, um inklusive der Vorlaufzeit schon in der Sommerpause zu landen. Kultur braucht Vorlaufzeiten und damit einen konkreten Planungshorizont.”

Daher sei letztlich ein Kulturgipfel mit Beteiligung der Landeshauptleute und der Regierungsspitzen unverzichtbar, um die weiteren Schritte zu planen. An dem Aufruf beteiligen sich 350 Kunst- und Kultureinrichtungen sowie 1.500 Kulturschaffende, die auf nicht weniger als 33 Seiten aufgelistet werden.

Drozda: “Außer vagen Ankündigungen, nichts zu bieten”

Der SPÖ-Abgeordnete Thomas Drozda unterstützte am Montag die Forderung nach einem Kulturgipfel. „Seit 126 Tagen gibt es in den Kulturbetrieben, mit Ausnahme der Museen, durchgehend keine Veranstaltungen. Außer vagen Ankündigungen, dass man zu Ostern wieder reden müsse, hat die Regierung den Kulturschaffenden nichts zu bieten. In einer Kulturnation wie Österreich müsste die Situation der Kultur eigentlich Chefsache sein – stattdessen spricht Kanzler Kurz von „‚Kulturverliebten‘“, kritisiert Drozda und fordert „Perspektiven und Fairness für Kunst und Kultur“.

(bf/apa)

Titelbild: APA Picturedesk

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