Hygiene Austria

Drohende Klagen und Kündigungen über Whatsapp

Bei der Hygiene Austria geht es drunter und drüber. Nach Bekanntwerden des Masken-Schwindels drohen dem umstrittenen Maskenhersteller nun mehrere Klagen. Währenddessen dürfte im Betrieb bereits aufgeräumt werden. Mehrere Mitarbeiter berichten bereits von Kündigungen, diese sollen zu einem guten Teil über Whatsapp erfolgt sein.

Wien, 10. März 2021 | Bereits vor einer Woche berichtete ZackZack über die üblen Arbeitsverhältnisse beim umstrittenen Maskenhersteller. Das Unternehmen, das zugekaufte Masken aus China als Masken “Made in Austria” verkauft hat, fährt den Betrieb jetzt erheblich herunter, die ersten Mitarbeiter mussten bereits dran glauben.

Kündigungen zum Teil über Whatsapp

Am Mittwoch erreichten ZackZack Berichte von Hygiene Austria-Mitarbeitern, die bereits ihre Kündigungen erhalten hätten. Die OBA Group, eine Leihfirma, die an die Hygiene Austria 134 Mitarbeiter entsendet hat, hätte am Dienstag laut eigenen Angaben bereits 30 Personen die Kündigung mitgeteilt. Zum Unmut einiger Mitarbeiter, soll ein Teil davon über Whatsapp erfolgt worden sein.

„Manche rufen wir an, manchen schicken wir es per Whatsapp, weil wir nicht wissen, ob sie grad schlafen, oder eventuell gerade vom Nachtdienst gekommen sind. Das ist vollkommen legal, weil das auch als schriftliche Kündigung zählt.“,

heißt es auf ZackZack-Anfrage vonseiten der OBA.

Der Resturlaub werde den gekündigten Mitarbeitern nicht ausbezahlt, stattdessen seien sie von der Leihfirma (auch über Whatsapp) aufgefordert worden, die restlichen Urlaubstage zu konsumieren. Seitens der OBA betont man auch, dass die Kündigungen im Zusammenhang mit Hygiene Austria bedauert werden.

Da die Produktion nun vorerst für die nächsten zwei Wochen auf Zweischichtbetrieb (Nachtdienst und Wochenende fallen weg) umgestellt wird, mussten laut OBA bereits 30 Mitarbeiter gekündigt werden. Vorwürfe von Schwarzarbeit und Lohndumping weist die Zeitarbeitsfirma von sich, man betont, dass es bei OBA keinen Mitarbeiter gebe, der nicht nach den Regeln des Arbeitsmarkts angestellt worden sei. Man stehe auch in engem Kontakt mit dem AMS, würde viele Mitarbeiter von dort zugewiesen bekommen und sehr stark auf Transparenz setzen.

Man wisse auch nicht, wie viele Mitarbeiter noch gekündigt werden. Da die Firma Lenzing nach wie vor untergetaucht ist und ihre Techniker abgezogen hat, und die Hygiene Austria ohne Lenzing laut OBA nicht handlungsfähig sei, tappe man die nächsten Schritte betreffend selbst noch weitgehend im Dunklen.

VKI vermutet “Täuschung der Konsumenten”

Währenddessen drohen dem Lenzing und Palmers gehörenden Schutzmasken-Hersteller etliche Klagen. Denn nachdem das Unternehmen Masken aus China zugekauft und dann als österreichische Produkte verkauft hat, erwägt nun der Verein für Konsumenteninformation (VKI) gerichtlich feststellen zu lassen, ob diese Herkunftsangaben zulässig waren.

Derzeit gehe man beim VKI davon aus, dass Konsumenten getäuscht worden sein. Wie VKI-Chefjurist Thomas Hirmke am Mittwoch im ORF-Radio meinte, würde die Klage auf Unterlassung derartiger Werbung in die Zukunft gerichtet sein. Das Gericht müsse letztlich entscheiden, ob die Herkunftsangaben zulässig waren oder nicht. Allerdings würden hier die rechtlichen Vorgaben fehlen, „Made in Austria“ sei nicht klar geregelt.

Die Hygiene Austria hatte nach den Durchsuchungen der Staatsanwaltschaft auf Verdacht der organisierten Schwarzarbeit sowie schweren gewerbsmäßigen Betrugs zugegeben, einen Teil seiner Masken wegen einer Nachfragenspitze in China zugekauft zu haben. Die Vorwürfe Schwarzarbeit und Betrug wies man aber zurück, es gilt die Unschuldsvermutung.

Land NÖ und andere Abnehmer prüfen rechtliche Schritte

Die chinesischen Masken sollen von einer Schweizer und einer ungarischen Firma EU-zertifiziert, bei Hygiene Austria umetikettiert und mit dem Vermerk “Made in Austria” verkauft worden sein. Dass die China-Masken-Fertigung nach österreichischem Baumuster erfolgt ist, wie sich Hygiene Austria rechtfertigte, lässt Hirmke vom VKI nicht als Entlastung gelten: Es komme darauf an, in welchem Land der wesentliche Produktionsschritt erfolgt sei.

Auch das Land Niederösterreich und die Landesgesundheitsagentur (LGA), die von Hygiene Austria gemeinsam mit der niederösterreichischen Wirtschaftskammer (WKNÖ) rund fünf Millionen FFP2-Masken bezogen haben sollen, behalten sich rechtliche Schritte vor, berichtet der „Kurier“ am Mittwoch.

Nach Angaben von Wieser hat die Hygiene Austria “selbst über 100 Millionen Masken produziert”, wie er zum “Standard” (Mittwoch) sagte. Wie viele Masken die öffentliche Hand bei ihm gekauft habe? Den Umsatzanteil der direkt über die Bundesbeschaffung GmbH (BBG) bestellten Masken bezifferte Wieser mit “ein Prozent” und fügte hinzu: “NÖ orderte vier bis fünf Millionen, alle Bundesministerien gemeinsam 150.000 Masken.”

Mitarbeiter rechnen mit weit weniger Masken “Made in Austria”

Geht es nach Berechnungen von ehemaligen Produktionsmitarbeitern, würden die von Wieser behaupteten „100 Millionen selbst produzierten Masken“ jedoch nicht der Realität entsprechen. So wären diese Zahlen allenfalls richtig, wenn die Produktionsmaschinen auch wirklich 24 Stunden am Tag durchgehend in Betrieb gewesen wären. Aufgrund regelmäßiger Ausfälle der „alten chinesischen Billigmaschinen“ (ZackZack berichtete über die Zustände in den Produktionshallen) und fehlenden Werkzeugen und Ersatzteilen, rechnen mehrere ehemalige Mitarbeiter mit maximal 60-70 Millionen Masken, die wirklich in Wr. Neudorf produziert wurden. Schließlich wären die Maschinen im Schnitt die Hälfte bis ein Drittel des Tages wegen Ausfällen oder technischen Mängeln nicht in Betrieb gewesen.

(mst/apa)

Titelbild: APA Picturedesk

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