AstraZeneca macht nicht unsterblich

Kommentar

Der Corona-Impfstoff von Astrazeneca war nie beliebt. Nun wird er für mehrere Todesfälle verantwortlich gemacht. Wissenschaftliche Hinweise für diesen Zusammenhang fehlen. Doch die öffentliche Debatte ist von Angst geprägt. Kommentar von

Thomas Walach

Wien, 11. März 2021 | In den 1980er Jahren verbreitete sich in den USA das Fantasy-Rollenspiel Dungeons&Dragons (D&D). Es war in mancher Hinsicht ein Vorläufer der heutigen Onlinerollenspiele. Weite Teile der US-amerikanischen Öffentlichkeit waren der festen Überzeugung, das Spiel triebe Jugendliche in den Satanismus. Eine Koalition besorgter Eltern brachte dutzende Morde und Selbstmorde unter Teenagern mit D&D in Verbindung. Und tatsächlich: je mehr sich das Spiel verbreitete, desto öfter kamen Fälle von Jugendlichen vor, die es vor ihrem Tod gespielt hatten. Natürlich hatte nicht das Spiel die Teenager getötet. Eine gewisse Zahl an jungen Menschen stirbt Jahr für Jahr. Im selben Maß, wie D&D verbreiteter und beliebter wurde, stieg der Anteil getöteter Jugendlicher, in deren Schlafzimmern man eine Ausgabe von D&D fand.

Dungeons&AstraZeneca

Warum erzähle ich Ihnen das? Ersetzen Sie doch „D&D“ durch „AstraZeneca“. Der Impfstoff wird jüngst für eine Reihe von Todesfällen verantwortlich gemacht. Zweifellos wird jeder einzelne Mensch, der mit AstraZeneca geimpft wurde, sterben. Doch bisher fand sich kein einziger Hinweis darauf, dass Menschen wegen der Impfung starben. Das einzige, das wir bisher mit Sicherheit wissen ist: Die Impfung macht nicht unsterblich.

Tag für Tag sterben in Österreich rund 220 Menschen, davon sind im Schnitt vier jünger als 40. Zehntausende werden täglich geimpft. Je mehr Menschen in Österreich geimpft sind, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, dass Geimpfte in den Tagen nach ihrer Impfung sterben. Dänemark unterbricht nun die Impfung mit AstraZeneca, um Fälle von Blutgerinnseln zu untersuchen, die nach der Impfung auftraten. In Österreich wurde diese Woche der Fall einer Krankenschwester bekannt, die nach der Impfung ein Gerinnsel erlitt und starb.

Die Europäische Arzneimittelbehörde stellte fest, dass Blutgerinnsel unter Personen, die mit AstraZeneca geimpft wurden, nicht häufiger sind als im Rest der Bevölkerung. Bei einem Präparat, dass viele Menschen jeden Tag bedenkenlos einnehmen, ist das anders: Durch die Einnahme der Antibabypille neuerer Generationen steigt das Risiko, ein Blutgerinnsel zu erleiden, etwa um das Vierfache.

Gute Entscheidungen, schlechte Entscheidungen

Trotzdem ist es gut und richtig, dass eventuelle Zusammenhänge zwischen Impfung und Todesfällen untersucht werden. Das ist kein Nachweis, dass in Sachen Impfung schleißig gearbeitet würde; im Gegenteil. Grundsätzlich war es auch richtig, bei der Impfstoffbeschaffung keinen nationalen Alleingang zu versuchen. Die Bundesregierung erweckt durch ihr Krisenmanagement bisher nicht den Eindruck, dass sie das ohne die EU besser hinbekommen hätte – von der notwendigen Solidarität mit ärmeren Unionsmitgliedern einmal abgesehen.

Dass die EU – und Österreichs Gesundheitsministerium dabei an vorderster Front – so stark auf einen einzigen Impfstoff setzte, hat sich schon oft als Fehler erwiesen. Die aktuelle Entwicklung bestätigt das einmal mehr. Während die kürzlichen Todesfälle untersucht werden, könnte man mit einem anderen Impfstoff weitermachen. Denn nicht zu impfen ist zweifellos tödlich. Österreich hat diese Wahl gar nicht. Wir müssen weitermachen.

Sollte die Angst vor der Impfung dazu führen, dass viele Menschen sich (noch) nicht impfen lassen, hätte das schlimme Auswirkungen für uns alle. Die Herdenimmunität würde später eintreten, die Lockdowns länger andauern, Arbeitslosigkeit und Pleitewelle weitergehen. Ob die Impfung Leben kostet, wissen wir nicht – es spricht aber derzeit nichts dafür. Dass die Pandemiemaßnahmen Leben zerstören, wissen wir ganz sicher.

Titelbild: APA Picturedesk

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