Macht diese Zeitung fertig!

Wer ist ÖVP-Großspender Alexander Schütz?

Einer der wichtigsten Gönner von Sebastian Kurz nahm am Mittwoch im Zuge der Wirecard-Affäre seinen Hut als Aufsichtsrat der Deutschen Bank. Wer ist der Mann, der zur Achillesferse der ÖVP werden könnte?

Wien, 12. März 2021 | Wegen Wirecard geriet Alexander Schütz in Bedrängnis, jetzt hat er endgültig seinen Hut genommen: „Ich habe mich dazu entschieden, den Aufsichtsrat der Deutschen Bank zur nächsten Hauptversammlung zu verlassen“, so der Österreicher am Mittwochabend, als er seinen mit 150.000 Euro jährlich dotierten Nebenjob beim deutschen Bankenriesen an den Nagel hängte. Sein rund 160 Millionen Euro schweres Paket von Deutsch Bank-Aktien hatte Schütz schon Ende 2020 verkauft. Die Bank selbst schweigt. Grund seines Rücktritts war ein verhängnisvolles E-Mail an den in deutscher U-Haft befindlichen Ex-Wirecard-Chef Markus Braun:

„Habe übrigens dreimal Wirecard-Aktien gekauft letzte Woche, macht diese Zeitung fertig ;-)“,

richtete Schütz dem Ex-Manager des insolventen Zahlungsdienstleisters aus. Die Wirtschaftszeitung „Financial Times“ hatte aufgrund ihrer kritischen Berichterstattung über Wirecard den Stein der riesigen Affäre ins Rollen gebracht.

Einflussreich – und angeschlagen

Wer ist der zurückgetretene Finanzmanager? Alexander Schütz wurde 1967 in Linz geboren, Karriere machte er in Wien. Handelsakademie, Wirtschaftsuniversität, Prüfung zum Vermögensverwalter – das ist Schütz‘ geradliniger Weg zu den Millionen. Der Vorstand des Wiener Vermögensverwalters C-Quadrat kann nicht nur wegen seiner vielen Mandate als Strippenzieher an der Schnittstelle zwischen Finanz und Politik bezeichnet werden. Früher saß Karl-Heinz Grasser im Aufsichtsrat von C-Quadrat, dessen Großkunde die Vienna Insurance Group (VIG) ist. Bei der VIG hat Ex-Finanzminister Hartwig Löger erst Ende 2020 Franz Fuchs als Vorstand beerbt – trotz laufender Ermittlungen. Fuchs wiederum sitzt im C-Quadrat-Aufsichtsrat. Ein Karussell, das vor allem tief in türkise Gefilde hineinreicht.

2017 spendete Schütz 40.000 Euro an die ÖVP, im Jahr darauf noch einmal 45.000. Zuständig für die Großspendenakquise der Kurz-ÖVP war in dieser Zeit Gabi Spiegelfeld. Die PR-Beraterin veranstaltete die bekannten Frühstückstreffen sowie eine Reihe von Abendessen mit Kurz und potenziellen Spendern. Die Ehepaare Schütz und Spiegelfeld sind befreundet, verbringen Urlaube gemeinsam.

Prominenter Mieter

In Wien-Hietzing vermietet Schütz eine luxuriöse Villa an den Oligarchen Dmytro Firtasch; Markus Braun ist sein Nachbar – oder wäre es, säße er nicht in Augsburg in Untersuchungshaft. Der ukrainische Milliardär Firtasch schützt sich in Wien vor der Auslieferung in die USA. Oder wird er geschützt? FPÖ-Mann Christian Hafenecker skizzierte im Ibiza-Ausschuss: „Es gibt in den Koalitionsverhandlungen ein Verhandlungsteam zur Justiz; es gibt Herrn Schütz, der Herrn Firtasch eine sehr teure Villa vermietet; dann gibt es Herrn Schütz, der gleichzeitig der ÖVP spendet; es gibt eine Ehegattin, die im Kabinett als stellvertretende Kabinettschefin aufschlägt, und schlussendlich wird Herr Firtasch in einem ersten Akt der Bundesregierung doch nicht ausgeliefert, obwohl das ein Verfahren war, das sehr, sehr lange anhängig war.“ Eva Schütz verwies bezüglich möglicher Interventionen auf die unabhängige Justiz, doch die Vermietung der Villa an den Oligarchen bestritt sie nicht.

Ein Bild aus alten Tagen: Mautner-Markhof, Grasser und Schütz 2007 bei einer Pressekonferenz der C-Quadrat. Bild: APA Picturedesk.

Man kennt sich

Schütz‘ Ehefrau Eva Hieblinger-Schütz war stellvertretende Kabinettschefin bei ÖVP-Finanzminister Hartwig Löger. Dann wurde sie unter Türkisblau Aufsichtsrätin bei der ÖBB-Infra. Gemeinsam mit Raiffeisen-General und Casinos-Aufsichtsrat Walter Rothensteiner saß sie im Aufsichtsrat der Kathrein-Privatbank, einer Raiffeiesen-Tochter. Ihr Aufsichtsratmandat bei der teilstaatlichen Volksbank Wien hält sie immer noch. Aufsichtsratschef des Instituts ist Ex-ÖVP-Nationalratsabgeordneter Heribert Donnerbauer. Hieblinger-Schütz finanziert auch das ÖVP-nahe Medienprojekt von Ex-Krone- und Ex-oe24-Onlinechef Richard Schmitt, „Exxpress“.

Hieblinger-Schütz und Ex-Wirecard-Boss Markus Braun sind Jugendfreunde. Die Kinder des Ehepaares Schütz besuchten gemeinsam mit den Kindern von Novomatic-Chef Harald Neumann und Casinos-Vorstand Peter Sidlo die Schule.

„Wir haben sehr viele Abendessen, sehr viele Einladungen, sehr viele Veranstaltungen, sehr viele Bekanntschaften. Ich kann Ihnen jetzt nicht sagen, wann mein Mann genau Kontakt zur ÖVP hatte.”, sagte Hieblinger-Schütz im Ibiza-Untersuchungsausschuss.

Über eines dieser Abendessen gibt es Chats: Gemeinsam mit Neumann hatte Alexander Schütz eine illustre Runde geladen: Markus Braun, Puls-4-Chef Markus Breitenecker, Trumps Botschafter Trevor Traina, FPÖ-Klubobmann Johann Gudenus, Ex-Vizekanzler und Casinos-Aufsichtsrat Josef Pröll, Gernot Blümel, Öbag-Chef Thomas Schmid, Multipräsident Harald Mahrer, Szenegastronom Martin Ho und den Immobilienmagnaten René Benko. Blümel, Mahrer und Benko kamen nicht, die übrigen schon.

Viele aus dem Netzwerk von Alexander Schütz sind unter Druck. Gegen eine ganze Reihe wird ermittelt, Braun ist in Haft, Grasser erstinstanzlich verurteilt. Für alle gilt die Unschuldsvermutung. Doch der Handlungsspielraum des Strippenziehers wird immer enger.

(wb/tw)

Update 05.07.: In einer früheren Version stand “Mach diese Zeitung fertig”, es muss jedoch heißen “Macht diese Zeitung fertig”.

Titelbild: APA Picturedesk

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