Ein Jahr Corona

“Gebt den Menschen Eigenverantwortung”

Am 16. März 2020 wurde in Österreich der erste Lockdown verhängt. Das Leben hat sich von einem Tag auf den anderen verändert. Vor allem für Gastronomen und Händler ist es seitdem besonders hart. Wie geht es ihnen nach einem Jahr Pandemie?

Wien, 16. März 2021 | Drei Geschäftsleute, drei Geschichten. Was sie verbindet: Jeden Tag aufs Neue versuchen, Kraft zu schöpfen und das Geschäft irgendwie über Wasser zu halten. Buchhändlerin Mariella Leydolt aus dem “Café Phil”, Geschäftsführer Werner Pilz aus dem Design-Geschäft “Habari” und Konditorin Adelheid Horvath aus ihrer Konditorei “Adelheid” in Mariahilf haben uns erzählt, wie sie die schweren Tage meistern. Ungewissheit und Aussichtslosigkeit nagen deutlich an ihnen. Trotz aufwändig ausgearbeiteten Hygienekonzepten und streng eingehaltenen Maßnahmen, gibt es immer noch kein Licht am Ende des Pandemie-Tunnels.

Eine Achterbahn der Gefühle

Bei einer Melange durch eine Anzahl von ausgewählten Büchern stöbern: Das “Café Phil” auf der Gumpendorfer Straße ist genau dafür in der ganzen Stadt bekannt. Die Kombination aus Buchhandel und Kaffeehaus lässt sich hier eigentlich nicht voneinander trennen. Doch seit dem ersten Lockdown hat das Lokal die Sessel weggestellt und Büchern den Platz gegeben. Den Kaffeehausflair gibt es zum Mitnehmen. Doch die Hoffnung des “Phil”-Teams, bald die Melange wieder im Schanigarten servieren zu können, stirbt zuletzt.

“Wir haben alle tolle Maßnahmen. Dass einfach gar nichts stattfindet, ist völlig irrsinnig”,

so “Phil”-Buchhändlerin Mariella Leydolt.

“Wir waren lange eingesperrt, das geht auf die Psyche”

Die Wiener Konditorin Adelheid Horvath verwendet für ihre hausgemachten Plätzchen und Pralinen heimische Bio-Produkte. Durch den Lockdown hat sie ihre Produktion reduzieren müssen. Ihrer Meinung nach hole sich die Natur jetzt zurück, was die Menschen ihr genommen haben. Sie wünscht sich von der Regierung klare Offenheit und plädiert auf Eigenverantwortung – Einsperren sei nicht der richtige Weg.

“Es ist einfach schon viel zu spät. Wir waren lange eingesperrt und auch das geht auf die Psyche”,

drängt die Konditorin.

“Die Grundlage unseres Planungsprozesses wird uns vollkommen entzogen”

Das “Habari”, ein Design-Geschäft für handgefertigte Innenausstattung und Keramik genießt trotz Lockdown weiterhin eine treue Stammkundschaft. Dadurch, dass die Menschen nicht mehr in den Urlaub fahren oder ausgehen können, werde das Geld eher in die Wohnsituation investiert. Das “Habari” sei umsatztechnisch noch “mit einem Schrecken davongekommen”. Allerdings sei die Aussicht in die Zukunft, wie überall, total ungewiss:

“Wie wird sich die Situation entwickeln? Ganz essentiell für Wirtschaftstreibende ist die Vorhersehbarkeit. Das wird durch das Wechselspiel der Regierung unterminiert – das heißt, die Grundlage unseres Planungsprozesses wird uns vollkommen entzogen.”

Alle Eindrücke sind hier in einem Video zusammengefasst:

(mst/jz)

Titelbild: APA Picturedesk

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