Kanzleramt gab 2020 Viertelmillion für Flugreisen aus

Flugreisen im Pandemie-Jahr 2020 waren wohl nur den Wenigsten vorbehalten. Eine parlamentarische Anfragebeantwortung des Bundeskanzlers gibt nun Aufschluss, wie viel das Bundeskanzleramt 2020 für Flugreisen ausgab. Alle Ministerien zusammen überschreiten die Millionengrenze.

 

Wien, 17. März 2021 | Der FPÖ-Abgeordnete Walter Rauch fragte in seiner parlamentarischen Anfragenserie alle Ministerien nach ihren Ausgaben für Flugreisen.

Tanner-Ministerium flog um mehr als 300.000 Euro

Spitzenreiter unter den Vielfliegern ist das Verteidigungsministerium von ÖVP-Ministerin Klaudia Tanner. Die Bediensteten des Verteidigungsministeriums – inklusive Ministerin – gaben für Flugreisen im Jahr 2020 316.000 Euro aus. Auffallend an der Beantwortung der Ministerin sind die hohen Kosten für Umbuchungen und Stornierungen. 77.000 Euro entfielen allein darauf. Die Verteidigungsministerin selbst flog nicht sonderlich viel. 1.400 Euro wurden für ihre Flüge veranschlagt, der Rest fällt auf Bedienstete des Ministeriums, Kabinettsmitarbeiter und Sektionsleiter.

Kanzleramt verschweigt Privatjetreisen

Auf Platz zwei folgt schon das Bundeskanzleramt von Sebastian Kurz. 256.000 Euro wurden für Flugreisen ausgegeben. Neben den Reisen von Bundeskanzler Sebastian Kurz und seinen Mitarbeitern sind hier auch das Verfassungsministerium von Karoline Edtstadler und Integrationsministerin Susanne Raab umfasst. In der Anfragebeantwortung gibt der Bundeskanzler allerdings an, dass zum Zeitpunkt der Beantwortung noch nicht alle Flugreisen abgerechnet waren. Wichtig war dem Bundeskanzler in seiner Anfragebeantwortung zu betonen, dass er und seine Mitarbeiter größtenteils Economy-Class fliegen, „nur in besonderen Ausnahmefällen, etwa im Fall von lange andauernden Überseeflügen, ist eine Buchung in der Business Class unter Wahrung der Sparsamkeit und Wirtschaftlichkeit vorgesehen.“ Seine letzte Israelreise absolvierte der Kanzler jedoch im Privatjet. Auf Anfrage im Rahmen einer anderen Recherche sagte das Kanzleramt, die Buchung von Privatjets sei “ein absolut üblicher Standardvorgang.”

Nehammer-Inszenierungsflug war ein Schnäppchen

Auf den weiteren Plätzen folgen das Landwirtschaftsministerium von Elisabeth Köstinger mit 214.000 Euro Ausgaben, das Außenministerium von Alexander Schallenberg (176.000 Euro) und das Innenministerium von Karl Nehammer mit ebenfalls 176.000 Euro. Nehammers Flug nach Athen als er die Hilfsgüter nach Griechenland begleitete, war übrigens ein Schnäppchen. Der Flug mit Wizz Air kostete 126,91 Euro. Die Inszenierungsfotos im Frachter dafür wohl unbezahlbar. Das Finanzministerium kommt auf 107.000 Euro Flugkosten. Faßmann und Schramböck hielten sich mit rund 50.000 Euro vergleichsweise zurück.

Grüne fliegen günstiger

Die Grünen Minister fliegen bedeutend günstiger als die ÖVP-Minister. Nur Klimaschutz-Ministerin Leonore Gewessler sticht mit 145.000 Euro Flugkosten für ihr Ministerium heraus. Das Gesundheitsministerium von Rudolf Anschober kommt auf 86.000 Euro. Grüne Billigflieger sind Werner Koglers Kulturministerium mit 14.000 Euro und das Justizministerium mit 22.000 Euro. Am sparsamsten gab sich die ehemalige Arbeitsministerin Christine Aschbacher (ÖVP). Gerade einmal 3.000 Euro wurden für Flugreisen im Jahr 2020 veranschlagt.

1,6 Millionen Euro für gesamte Regierung

Zusammengerechnet gab die Regierung für Flugreisen im Pandemiejahr 2020 rund 1,6 Millionen Euro aus.

(bf)

Titelbild: APA Picturedesk

Lesen Sie auch

40 Kommentare
Neueste
Älteste Meisten Bewertungen
Inline Feedbacks
Zeige alle Kommentare

Folge einem manuell hinzugefügten Link
Link zu: Politik

Corona: Auch Steiermark führt 2G-Regel ein

Das nächste Bundesland verschärft seine Corona-Maßnahmen. Nach Wien gilt nun auch in der Steiermark künftig die 2G-Regel (geimpft oder genesen) in der Nachtgastronomie und bei Events mit über 500 Personen.
Link zu: MeinungLink zu: Leben