Kurz-Flucht nach Berlin

Zu Gast bei Freunden

Die Berichterstattung im Ausland wird für Sebastian Kurz immer unangenehmer. Große Magazine und Tageszeitungen beäugten den Kanzler in den letzten Wochen immer kritischer. Am Donnerstag begab sich Kurz jedoch nach Berlin auf Stippvisite in sichereres Fahrwasser – zum Axel-Springer Verlag.

 

Wien, 19. März 2021 | Impfversagen, Angriffe auf die Justiz und die von ihm „aufgedeckte“, angeblich unfaire Verteilung der Impfstoffe: Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz schoss sich in den vergangenen Wochen mehr und mehr ins Out bei den großen ausländischen Tageszeitungen. Allein im letzten Monat schrieben drei große deutsche Tageszeitungen und Magazine über den Kanzler.

Abgekanzelt

„In Brüssel wird über Kurz’ Brief gespottet“, titelte die FAZ über den Versuch des Kanzlers, eine unfaire Impfstoff-Verteilung in der EU anzuprangern.

“Kanzler Kurz hat Österreich in ein Corona-Versuchslabor verwandelt” Das harsche Urteil des Handelsblatts über den Auf-Zu-Auf-Zu-Kurs bei den Corona-Öffnungsschritten.

Und „Die Zeit“ schrieb über die Kurz-Attacken auf die Korruptionsermittler der WKSTA: „Auf die Nerven gehen bis zur Kapitulation.”

Auch in Österreich wird der Druck zunehmend größer auf den Kanzler. In der ZIB2 nahm Politologe Peter Filzmaier den Kanzler im Fernsehen regelrecht auseinander und richtete an Kurz: „Da muss er sich dann die Frage gefallen lassen, was hat er bis zum Freitag eigentlich beruflich im Jahr 2021 gemacht.“

“Kurz Sebastian, so einen brauchen wir auch”

Am Donnerstag fand sich der Kanzler eine willkommene Abwechslung: Den Axel Springer Award. Im Besitz des Axel Springer Verlags befinden sich die Boulevardzeitung „Bild“ und die konservative „Welt“. Zwei Medien, die sich großteils mit Kritik am „Ösi-Kanzler“ zurückhalten. Bild-Chefredakteur Julian Reichelt etwa lobte den österreichischen Bundeskanzler im März 2020 in der hauseigenen Dokumentation über das Medienhaus über den Klee: “Kurz Sebastian, so einen brauchen wir auch.“ Doch auch diese Töne wurden im Rahmen der Moria-Debatte rauer. So titelte die Bild am 13. September 2020: “Werden Sie nicht zum Herzlos-Kanzler, Herr Kurz!”

Screenshot: “Bild” 13. September 2020

Reichelt ist derzeit aufgrund von Vorwürfen des Machtmissbrauchs und Ausnutzung von Abhängigkeitsverhältnissen von Angestellten des Dienstes freigestellt. Er selbst weist die Vorwürfe zurück. Das Unternehmen untersucht derzeit die im Raum stehenden Hinweise auf Compliance-Verstöße.

Überreicht wurde der Axel Springer Award an die beiden deutschen BionTech-Gründer Özlem Türeci and Uğur Şahin. Zu den vorherigen Gewinnern des Preises zählen Elon Musk, Mark Zuckerberg und Jeff Bezos. Die Laudatio am Donnerstag durfte der österreichische Bundeskanzler halten. Eine überraschende Wahl, wie auch das deutsche Magazin “Spiegel” schreibt. Schließlich ist der österreichische Bundeskanzler „migrationskritisch“. Türeci und Sahin sind beide Kinder türkischer Einwanderer. Zudem wird in Österreich gerade gestritten, „warum eine zusätzliche Bestellung über 100.000 Dosen des von Türeci und Sahin entwickelten Corona Impfstoffs verschlafen wurde.“

Warum der Kanzler den beiden deutschsprachigen Wissenschaftlern auf Twitter in englischer Sprache gratulierte, sorgte für Verwunderung im Netz.

Sorry, keine Zeit

Rund um seine Laudatio, in der Kurz sich artig für den Impfstoff bei den beiden Forschern bedankte, besuchte der Kanzler auch noch seine Parteifreunde der CDU/CSU. Die deutsche Schwesternpartei der ÖVP versinkt derzeit in einer Rücktrittswelle. Kurz traf den neuen CDU-Chef Armin Laschet, Innenminister Horst Seehofer und den Gesundheitsminister Jens Spahn. Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) erhielt Besuch vom österreichischen Kanzler. Nur eine hatte spontan keine Zeit für Kurz: Angela Merkel.

(bf)

Titelbild: APA Picturedesk

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