Wohnst du noch, oder spionierst du schon?

IKEA wegen Bespitzelung vor Gericht

Dem Möbelkonzern IKEA wird vorgeworfen, in Frankreich jahrelang das Privatleben von Mitarbeitern ausgespäht zu haben. Dazu sollen Polizisten und Privatdetektive eingesetzt worden sein. Jetzt stehen Konzernbosse vor Gericht.

Wien/Versailles, 22. März 2021 | Wie kann sich ein einfacher IKEA-Mitarbeiter einen neuen BMW leisten? Wieso nimmt ein Mitarbeiter an politischen Protesen teil? Das und noch mehr wollten die Bosse von IKEA Frankreich über ihre Mitarbeiter wissen, wie der britische “Guardian” am Montag berichtete. Ermittler werfen dem Konzern vor, er habe seine Mitarbeiter über Jahre von Privatdetektiven und Polizisten bespitzeln lassen. Aufgeflogen war der Skandal schon 2012 durch die Recherchen der Investigativmedien “Le Canard Enchaîné” und “Mediapart”. Die Gewerkschaft klagte, jetzt ist der Fall vor Gericht.

Den Ermittlern zufolge seien Informationen über das Privatleben hunderter Mitarbeiter und Bewerber gesammelt worden, darunter auch über allfällige Vorstrafen. Vier Polizisten sollen diese Informationen an IKEA verkauft haben. Vier Manager wurden entlassen, doch der Konzern könnte eine Strafe von 3,75 Millionen Euro zahlen müssen. Den beteiligten IKEA-Bossen drohen bis zu zehn Jahre Haft. In einem besonders krassen Fall wollte IKEA die Polizei sogar dazu bringen, einen Mitarbeiter durch “ein Verfahren außerhalb des Unternehmens” loszuwerden.

IKEA sieht “Organisatorische Schwächen”

Emmanuel Daoud, ein Anwalt von IKEA Frankreich, bestritt die Vorwürfe nicht grundsätzlich. Es habe “organisatorische Schwächen” gegeben, erklärte er. Das Unternehmen habe einen Aktionsplan gestartet, um ähnliche Vorgänge künftig zu vermeiden. “Wie auch immer das Gericht entscheidet – das Unternehmen wurde durch den Schaden für seine Reputation bereits hart bestraft”, sagte Daoud. Die angeklagten Manager wollten zu den Vorwürfen keine Stellung nehmen. Kann man ausschließen, dass so etwas auch in Österreich vorkommt? IKEA Österreich antwortet auf Zackzack-Anfrage, das Unternehmen nehme “den Schutz von Mitarbeiter- und Kundendaten sehr ernst.” Jeglicher Missbrauch verstoße “gegen unsere Werte und ethischen Standards”. Dem unternehmen ist es weiters “wichtig, klarzustellen, dass alle Vorkommnisse in diesem Fall nur IKEA Frankreich betreffen.”

Die schwedische Möbelkette IKEA wurde 1943 gegründet. Sie beschäftigt weltweit rund 217.000 Mitarbeiter und erzielt mit seinen 400 Filialen einen Jahresumsatz von knapp 40 Milliarden Euro.

(tw)

Update: Die Stellungnahme von IKEA Österreich wurdeum 16:17 ergänzt.

Titelbild: APA Picturedesk

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