Die Twitter-Milbe

Spinnentier über soziales Netzwerk entdeckt

Das soziale Netzwerk Twitter hat nun sein eigenes Tier: Ameronothrus twitter – die Twitter-Milbe. Ein österreichischer Forscher entdeckte die neue Milbenart über den Kurznachrichtendienst. 

 

Wien, 24. März 2021 | Milben haben ein schlechtes Image, weil einige von ihnen für Mensch und Tier lästig, und zuweilen auch gefährlich werden können. Schädlich sind allerdings weniger als zehn Prozent der rund 50.000 bekannten Milbenarten, wie Tobias Pfingstl von der Universität Graz im Gespräch mit der APA sagte. Der Zoologe hat jüngst eine neue Milbenart entdeckt. Soziale Medien haben es möglich gemacht. Als Anerkennung wurde die Spezies nunmehr “Ameronothrus twitter” benannt.

Milben besiedeln die Erde wohl schon seit rund 500 Millionen Jahren, geschätzte 50.000 unterschiedliche Arten sind bereits entdeckt worden. Zu den bekanntesten Spezies dieser Klasse der Spinnentiere zählen wohl die Hausstaubmilbe, die Varoa-Milbe, welche heimische Bienenvölker bedroht, sowie die Zecken, die zugleich zu den größten Vertretern ihrer Gattung gehören. Die kleinsten Milben sind mit bloßem Auge kaum zu erkennen, zur Identifikation braucht es das Mikroskop und den Expertenblick – und manchmal ist auch ein Kurznachrichtendienst hilfreich.

“Dass ich über soziale Medien einen Hinweis über eine neue Art erhalte, gehört nicht zum Alltag”, erzählte Pfingstl. Speziell interessieren den Grazer Forscher Milben, die in der Gezeitenzone vorkommen. Diese Tiere sind aus seiner Sicht deshalb faszinierend, weil sie typisch terrestrische Lebewesen sind, die sekundär wieder in den marinen Lebensraum eingewandert sind und nun zwei Welten gleichzeitig bewohnen. In einem Gemeinschaftsprojekt mit japanischen Forschern untersucht er die Milbenfauna der Küsten Japans.

Twitterfoto sorgt für Entdeckung

“Am Foto habe ich gleich ein untypisches Merkmal gesehen – eine kielartige Struktur am Rücken”, schilderte Pfingstl. Unter dem Mikroskop haben sich eine Reihe von morphologischen Merkmalen gezeigt, die bestätigten, dass es sich um einen neuen Vertreter einer im asiatisch-pazifischen Raum erst jüngst entdeckten Milbenfamilie handelt.

Der Fund sei einer Enttäuschung eines Fischers und Hobbyfotografen in einem Hafen rund hundert Kilometer östlich von Tokio zu verdanken: “Da seine Beute nicht anbeißen wollte, spazierte er die Hafenmauer entlang, fotografierte und filmte die Tierchen und veröffentlichte das dann auf Twitter“, berichtet der Grazer Evolutionsbiologe. Pfingstls japanischer Kollege wurde auf das Posting aufmerksam, kontaktierte den Grazer Experten und stellte am ursprünglichen Fotoort im Hafen tatsächlich mehrere Individuen fest. Diese identifizierte Pfingstl als neue Vertreter einer Familie, die er selbst erst 2019 in Japan erstmals entdeckt hatte.

Felsenbewohner

Ameronothrus twitter ist eine weniger als 0,5 Millimeter große Hornmilbe, die in der Gezeitenzone der Küste vorkommt – ein Lebensraum auf den gleichzeitig marine als auch terrestrische Umwelteinflüsse einwirken. Hornmilben sind vorwiegend landbewohnende Arten und die Mehrheit lebt im Boden, der Laubstreu und Baumkronen. Die Überfamilie der Ameronothroidea hat es jedoch geschafft Küstenzonen weltweit erfolgreich zu besiedeln. Verwandte Arten haben sich gut an die Kälte angepasst. Der Grazer Zoologe staunt daher, dass dieser Typ im fast schon subtropischen Klima vorkommt. Die japanischen und österreichischen Milbenexperten gehen davon aus, dass die Milbenart üblicherweise Felsen bewohnt, abseits der Hafenmauer wurde sie bisher jedoch noch nicht gefunden.

In Japan hat Pfingstl bereits die Verbreitungsgebiete mehrerer Milbenarten analysiert, um die Evolution dieser Tiergruppe zu rekonstruieren und herauszufinden, was die Hornmilbenart an die Küsten getrieben hat. Laut den Biologen haben sich ihre Verbreitungsgebiete während der letzten 1,5 Millionen Jahre markant verschoben. Daraus lasse sich zweifelsfrei auf klimatische Veränderungen schließen, so der Forscher. Pfingstl und sein Team dokumentieren Veränderungen im Verbreitungsgebiet auch, um daraus Prognosen für die gesamte Küstenfauna abzuleiten. Die japanischen Küstenregionen sind für die Forschung besonders interessante Biotope, da sie sich über mehrere Klimazonen ziehen und die Tierwelt aufgrund der Insellage kaum Möglichkeiten hat, in andere Gegenden abzuwandern.

(apa/bf)

Titelbild: Uni Graz/Tobias Pfingstl

 

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