Nowak hat eingewilligt

Wie Thomas Schmid die Medien manipulierte

Medienberichte über die Umstrukturierung der Staatsbeteiligungsgesellschaft ÖBIB zur ÖBAG waren Thomas Schmid unangenehm. Wo blitzte Schmid mit seinen Wünschen an die Medien ab? Und wo war er erfolgreich?

Wien, 29. März 2021 | Thomas Schmids spätere Stelle als alleiniger Herr sämtlicher Staatsbeteiligungen im Wert von über 26 Milliarden Euro war noch nicht einmal ausgeschrieben, da sprach er mit Kanzler Kurz und Finanzminister Blümel schon über seine Besetzung. Das geht aus Chatnachrichten hervor, die Ermittler der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft von Schmids Handy sichern konnten. Schmid war es wichtig, dass die Umstrukturierung der Staatsbeteiligungsgesellschaft ÖBIB zur späteren ÖBAG wenig mediales Aufsehen erregte. “Ich will keine ÖBIB Stories mehr”, lässt Schmid den Pressesprecher im Finanzministerium, Jim Levebre, wissen. “Und ohne meinen Namen bitte”, “das schadet mir alles”.

Besonders unangenehm ist Schmid, wenn sein Name genannt wird. Am 26. Februar wendet er sich sogar an Bundeskanzler Kurz, damit dieser beim damaligen “Kurier”-Chefredakteur Helmut Brandstätter intervenieren möge:

“Hi Sebastian, Martina Salomon macht im Auftrag von Brandi eine ÖBIB story. Unter anderem will sie mich als gesetzt für die ÖBIB neu nennen. Sie sagt mir Brandi hört das und will das in der Story drinnen haben. […] Könntet ihr dem brandi ausreden mich zu nennen und ihm sagen dass das ein Blödsinn ist?”

Kurz ist bereit, Brandstätter anzurufen, gibt aber zu bedenken:

“Naja, der hasst mich.”

Kurz meldet sich bei “Brandi”. Schmid ist dankbar: “Dich zu haben ist so ein Segen!” und “Danke dir total dafür!”. Doch Kurz ist unsicher, ob sein Anruf Wirkung hatte. Tatsächlich erscheint der Artikel mit Nennung Thomas Schmids.

Bei einem anderen Chefredakteur hat Schmid mehr Erfolg. Am 05. Oktober 2018 um warnt Lefebre kurz vor 10 Uhr Vormittags Schmid, dass die “Presse” einen Artikel zur ÖBIB plane. Schmid antwortet mit einer ganzen Nachrichtenserie:

“Ruf bitte Rainer an”

Gemeint ist Rainer Nowak, Herausgeber, Chefredakteur und Geschäftsführer der “Presse” in einer Person. “Sag ihm große Bitte auch von mir, dass der Ball hier flach gehalten wird. Bald sind wir fertig” – mit dem Umbau der ÖBIB in die ÖBAG nämlich – “dann ist er vorne mit dabei.” Eine Stunde später meldet Lefebre sich zurück:

“Nowak hat eingewilligt.”

Am selben Nachmittag beschließen die beiden, der “Presse” eine Geschichte über die Bestellung von Ex-ÖVP-Kabinettschefin Angelika Schätz zur Chefin der Buchhaltungsagentur des Bundes zu stecken. Jahresgehalt: Rund 200.000 Euro. Bekommen soll die Story “Presse”-Redakteurin Hanna Kordik. Die bringt sie auch drei Tage später.

Noch am Abend des 05. Oktober gibt es Aufregung im Finanzministerium. Schmid ist mit Rainer Nowaks Versuch, den Ball flach zu halten, unzufrieden. Der Artikel, der in der “Presse” erschien, passt ihm nicht. “Presse”-Redakteur Norbert Rief zitiert darin einen namnetlich nicht genannten Mitarbeiter des Finanzministeriums. Lefebre versichert: Er sei es nicht gewesen.

Lefebre hängt sich ans Telefon. Minuten später die Rückmeldung an Schmid: “Rainer sagt: er kann seiner Redaktion nicht verbieten über etwas zu schreiben das in der APA steht. Er hat geschaut dass es kein Seitenaufmacher wird… was anderes hat er auch angeboten. Das sage ich dir telefonisch.”

Was ist dieses heikle “andere”, das Nowak angeboten hat, und über das Lefebre keinen Schriftverkehr erzeugen will? Nowak will sich auf ZackZack-Nachfrage nicht dazu äußern. Er kommentiere nicht, was Dritte über ihn sagten, möchte aber selbst nicht über das kolportierte Angebot sprechen. Die Verbindung mit Nowak ist Schmid jedenfalls wichtig. Am 23. März 2019, drei Tage vor seinem Hearing beim ÖBAG-Aufsichtsrat, lässt Schmid seinen Kalender leeren. Außer dem Medientraining für seinen großen Auftritt werden alle Termine abgesagt – bis auf drei: Einen mit ÖBAG-Aufsichtsrat Werner Luksch; einen mit ÖVP-Großspender und Vater von ÖBAG-Aufsichtsrätin Iris Ortner, Klaus Ortner; und einen mit “Presse”-Chef Rainer Nowak.

(tw)

Titelbild: APA Picturedesk

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