Krieg der Steine

Lego gegen eigene Community

Der dänische Baustein-Riese LEGO hat es derzeit nicht leicht. In einer Flut an Klagen und Verfügungen gegen eigene Fans, die auch andere Klemmbausteine bewerben, hat sich der Marktführer der Klemmbausteine einige Sympathien verspielt.

 

Wien, 05.04.2021 | Thorsten Klahold, der Inhaber von „Steingemachtes“, ein Geschäft für Klemmbausteine wie LEGO, staunte nicht schlecht, als ihn die unliebsame Post im März erreichte. Da er auch andere Hersteller wie Qman im Angebot habe, rückten die Anwälte von LEGO aus und klagten ihn wegen Urheberrechtsverletzungen. Die Figuren von Qman seien LEGO zu ähnlich und deshalb eine unzulässige Kopie. Doch die LEGO-Anwälte versetzten Klahold noch einen weiteren Schlag: Seine bestellte Ware im Wert von 60.000 Euro wurde am Zoll des Bremer Hafens festgehalten.

YouTuber gegen LEGO

Aber der Angriff gegen Klahold wurde zum Bumerang. Sein Geschäft „Steingemachtes“ wird über einen YouTube-Channel beworben, den auch sehr viele LEGO-Fans konsumieren. Gleiches gilt für Thomas Pankes Channel „Held der Steine“. Beide machten gegen den dänischen Konzern mobil. Daraufhin haben sich viele LEGO-Fans vom dänischen Spielzeughersteller abgewandt. Einige Geschäfte nahmen LEGO ganz aus dem Sortiment. Ihr Vorwurf: LEGO versuche nicht durch Qualität, sondern durch Klagen gegen Konkurrenten seine Marktanteile zu verteidigen. Alternative Hersteller böten oft bessere Qualität zu einem geringeren Preis an. Beginnt die LEGO-Welt zu bröckeln?

LEGO antwortete auf ZackZack-Anfrage:

Wir begrüßen einen fairen und gesunden Wettbewerb, da er uns und die Spielwarenindustrie dazu anhält, fokussiert zu sein und Verbrauchern eine breitere Auswahl bietet.

Bezüglich weiterer rechtlicher Maßnahmen heiß es vonseiten LEGO:

Derzeit prüfen wir, ob in dieser Angelegenheit eine einvernehmliche Lösung zwischen den Parteien gefunden werden kann. Innerhalb der gesetzlichen Frist ist dies jedoch aufgrund der Komplexität des Falles nicht möglich. Infolgedessen haben wir uns entschlossen, die nächsten rechtlichen Schritte einzuleiten, während wir weiter nach einer einvernehmlichen Lösung suchen, da wir der Meinung sind, dass u.a. eine Verletzung unserer 3D-Markenrechte der LEGO® Minifigur vorliegt.     

Spendenaktion treibt LEGO in die Ecke

Weil LEGO drohte, die Ware am Bremer Hafen zu vernichten, war Klahold zum Handeln gezwungen. Er rief deshalb zu einer Spendenaktion auf, Produkte alternativer Hersteller wie Qman an Kinderheime zu verschenken. Die Aktion schoss übers Ziel hinaus: In kurzer Zeit wurden über 500.000 Euro für Klaholds Aktion lockergemacht. Viele ehemalige LEGO-Fans dürften sich der Aktion angeschlossen haben. Etliche Container erreichten erneut den Bremer Hafen, prall gefüllt mit Spielzeug für Kinderheime.

Für LEGO eine schwierige Situation. Sollte man auch diese Ware am Zoll blockieren und sich somit gegen die karitative Aktion wenden? Nachdem man ohnehin schon einen Imageschaden zu verbuchen hatte, ließ man offenbar davon ab. Unterdessen musste LEGO resignierend hinnehmen, dass auch Klaholds eigene Ware vom Zoll weitgehend freigegeben wurde.

(dp)

Titelbild: APA Picturedesk

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