Liebe und Sex in der Pandemie

Mehr Beziehung – weniger Erotik

Seit mittlerweile über einem Jahr sind insbesondere soziale Kontakte stark eingeschränkt. Wie sich das auf unser Liebes- und Sexleben ausgewirkt hat, hat die Soziologin Barbara Rothmüller von der Universität Wien erforscht.

 

Wien, 07. April 2021 | Die Pandemie und die Lockdowns haben massive Umwälzungen in vielen Bereichen mit sich gebracht. Besonders betroffen waren im Jahr 2020 auch das Liebes- und Sexleben, wie eine Studie der Soziologin Barbara Rothmüller herausfand. Sie befragte über 8.000 Personen zu Veränderungen in ihrer Beziehung und sexueller Intimität. Über ein Drittel der Befragten gab dabei an, ihre Liebesbeziehungen nicht so leben zu können, wie vor der Pandemie.

Verbindliche Beziehungen stabil

Rund 58% der Befragten lebten in einer verbindlichen Beziehung. Das heißt, dass mit nur einer Person ein intimes Verhältnis gepflegt wird. Die Gruppe der Personen in verbindlichen Beziehungen gab mehrheitlich an, in einem stabilen Beziehungsstatus zu sein. Die sexuelle Lust nahm aber bei dieser Personengruppe leicht ab. Insgesamt gaben rund 9% der Menschen in verbindlichen Beziehungen an, kaum sexuelles Begehren zu haben. Vor der Pandemie herrschte nur in 3% der Schlafzimmern Flaute.

Unverbindliche Beziehungen eingeschränkt

Ungefähr 12% der Befragten gaben an, vor der Pandemie mehrere sexuelle Partner gehabt zu haben. Diese Gruppe lebte entweder in einer offenen Beziehung oder pflegte ein ausgedehnteres Sexleben mit wechselnden Personen ohne Beziehung. Das änderte sich während der Lockdowns: Fast die Hälfte der Personen mit mehreren sexuellen Kontakten hatte kaum bis gar kein intimes Verhältnis mit Personen außerhalb des eigenen Haushalts mehr. Personen in offenen Beziehungen intensivierten den Kontakt zur Beziehungsperson und reduzierten andere romantische und erotische Begegnungen. Unverbindliche Beziehungen wurden dadurch manchmal unfreiwillig zu verbindlichen Beziehungen, obwohl 35% der Befragten ein starkes Bedürfnis auf Sex mit einer anderen Person verspürt haben. Vor der Pandemie waren das nur 22%.

Einsamkeit und Partnersuche

Nicht einfach sind die Lockdowns für Singles. In etwa zwei Drittel der allein lebenden Studienteilnehmer gab an, sich einsam und sozial isoliert zu fühlen. Mit zunehmendem Alter nahm das Gefühl der Einsamkeit ab: Jüngere Personen klagten am öftesten über das Alleinsein.

Die Einsamkeit ist in Lockdowns schwieriger zu überwinden als davor. Befragungen zur Partnersuche und Dating Apps zeigen, dass die Bereitschaft, unbekannte Menschen zu treffen, insgesamt abgenommen hat. Darunter leiden am öftesten Menschen, die sich nicht an Maßnahmen halten. Besonders beim Dating erkundigten sich Interessierte öfter nach dem Umgang mit COVID und dem Gesundheitszustand des anderen.

Das Bedürfnis, Einsamkeit zu bekämpfen war bei den Befragten, die Dating Apps nutzten, stärker als die Lust auf unverbindlichen Sex. In der Pandemie suchen Menschen vermehrt nach stabilen romantischen Beziehungen, das Sexleben fällt oftmals bescheidener aus.

(dp)

*Insgesamt nahmen deutlich mehr Frauen an der Studie teil als Männer oder Personen mit keiner klaren geschlechtlichen Zugehörigkeit. Die Begriffe „Partner“, „Sexpartner“ etc. beziehen sich in obigem Artikel trotzdem immer auf alle Geschlechter.

Titelbild: APA Picturedesk

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