Lockdown-Verlängerung kostet Händler 420 Millionen Euro

Seit Dienstag ist es fix: Wien, Niederösterreich und das Burgenland verlängern den harten Lockdown vorläufig bis zum 18. April. Dem Handel entgehen dadurch Einnahmen in der Höhe von 420 Millionen Euro. Diese Entscheidung sei “kaum noch argumentierbar”, klagt der Handelsverband.

Wien, 07. April 2021 | Die Entscheidung, den harten Lockdown bis zum 18. April zu verlängern, bedeutet für 10.000 betroffene Händler in der Ostregion weiterhin geschlossen zu halten. Gemeinsam müssen sie durch die weitere Lockdown-Woche Umsatzverluste von rund 420 Millionen Euro in Kauf nehmen, so der Handelsverband in einer Aussendung. Auch Tausende Arbeitsplätze seien gefährdet.

“Dauerlockdown kaum noch argumentierbar”

Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will zeigt sich angesichts des anhaltenden Lockdowns verärgert und verweist auf die Lage in Deutschland. Dort würden die Corona-Fallzahlen seit Wochen stark ansteigen, obwohl der stationäre Handel geschlossen ist. Die Ansteckungen würden hauptsächlich im privaten Bereich passieren:

“Aus unserer Sicht ist die heutige Entscheidung, Wien, Niederösterreich und das Burgenland im vierten Dauerlockdown zu halten, kaum noch argumentierbar. Mit jeder weiteren Einschränkung des öffentlichen Raums verlagert man das Ansteckungsgeschehen noch stärker ins Private – wo man eben nicht kontrollieren kann”,

so Will.

Den Handel, der “kein Corona-Hotspot ist, zuzusperren, nur um die Mobilität der Menschen zu reduzieren”, sei nicht verhältnismäßig und könne nicht der richtige Weg sein. Will verweist auch auf Studien, welche belegen würden, dass die Strategie eines harten Lockdowns nicht mehr funktioniert. Das System würde sich von Lockdown zu Lockdown nur noch mehr abnützen, da die Menschen sich immer weniger daran halten würden.

Neben zusätzlichen Corona-Hilfen für die Händler im Osten fordert der Handelsverband auch einen “Impf-Turbo”:

“Allen, die sich impfen lassen wollen, muss so schnell wie möglich auch eine entsprechende Möglichkeit geboten werden. Unsere filialisierten Händler haben dem Gesundheitsministerium bereits ihre Kooperationsbereitschaft zugesichert, eigene Impfstraßen zu betreiben”

Die von Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) vorgeschlagenen Eintrittstests lehnt der Handelsverband klar ab. Diese würden “bis zu zwei Drittel aller Umsätze vernichten” und “tausende Unternehmen in ihrer Existenz gefährden”, so Will.

Körpernahe Dienstleister: “Verlängerung ist bittere Pille”

Auch Friseure und andere körpernahe Dienstleister bleiben geschlossen. Deren Vertreter in der Wirtschaftskammer, Bundesinnungsmeister Dagmar Zeibig und Wolfgang Eder, betonten in einer Aussendung:

„Das ist eine bittere Pille, weil unsere Betriebe ihre Vorreiterrolle in der Pandemiebekämpfung mustergültig ausgeübt und höchstmögliche Sicherheitsstandards umgesetzt haben. Testungen für alle Mitarbeiter und Eintrittstests für die Kunden gibt es sonst in keiner anderen Branche. Es gab und gibt bei uns keine Cluster.“

So sei man in der Branche Vorreiter für die sichere Ausübung gewesen. Zwangsschließungen würden die Neuinfektionen nicht senken. Im Gegenteil, man befürchte, dass Dienstleister zunehmend pfuschen würden und es so im privaten Bereich zu noch mehr Ansteckungen kommen könnte. Wie auch der Handel fordert die Branche erhöhte Unterstützungsmaßnahmen. Denn die Mitgliedsbetriebe würden schon jetzt unter enormen Umsatzausfällen von bis zu 60 Prozent leiden.

Wie gehts weiter?

Unklar bleibt, ob es nach dem 18. April zu einer weiteren Lockdown-Verlängerung kommt. Für die noch stärker betroffenen Branchen Sport, Kultur, Tourismus und Gastronomie hat die Regierung jedenfalls Öffnungsschritte im Mai in Aussicht gestellt.

(mst)

Titelbild: APA Picturedesk

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