Sonntag, Mai 19, 2024

Nach Kurz-Schmid-SMS – Kirche: “Vertrauen erschüttert”

Kirche: “Vertrauen erschüttert”

Die Katholische Kirche sieht nach den Chat-Protokollen von ÖBAG-Chef Thomas Schmid und Bundeskanzler Sebastian Kurz das Vertrauen zwischen Regierung und Kirchenspitze erschüttert. Ein Mesner sagte gegenüber Kathpress: “Ich habe Sebastian Kurz immer verteidigt, aber das geht zu weit!”

Wien, 07. April 2021 | Die jüngst bekannt gewordenen Protokolle offenbarten, dass die damalige ÖVP-FPÖ-Regierung bei Steuerprivilegien Druck auf die katholische Kirche ausüben wollte. “Das Vertrauen ist bei vielen, nicht nur Repräsentanten, erschüttert”, sagte Bischofskonferenz-Generalsekretär Peter Schipka zu den Kirchenzeitungen.

“Ja super. Bitte Vollgas geben”

In den Chats geht es unter anderem um ein berufliches Treffen Schmids (damals Generalsekretär im Finanzministerium) mit seinem Gegenüber in der katholischen Bischofskonferenz, Schipka, im März 2019. Thema war die Abschaffung von Steuerprivilegien. “Ja super. Bitte Vollgas geben”, schrieb Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) im Vorfeld des Treffens an Schmid. Schmid textete, im Rahmen eines “Steuerprivilegien-Checks” sollte auch “die Kirche massiv hinterfragt” werden. Nach dem Treffen berichtete Schmid dem Kanzler: “Also Schipka war fertig!” Und: “Er war zunächst rot dann blass dann zittrig. Er bot mir Schnaps an den ich in der Fastenzeit ablehnte weil Fastenzeit. Waren aber freundlich und sachlich.”

Schipka betonte nun im Interview mit der Kooperationsredaktion der heimischen Kirchenzeitungen, die Katholische Kirche in Österreich genieße keine Steuerprivilegien, berichtete die “Kathpress” am Mittwoch. Die steuerlichen Bestimmungen bzw. Erleichterungen würden alle anerkannten Kirchen und Religionen – Juden, Orthodoxe, Evangelische, Muslime oder Buddhisten – gleichermaßen betreffen. “Es sind keine Privilegien der katholischen Kirche”, sagte Schipka. Die Steuerbestimmungen berücksichtigten, “was für die Gesellschaft wichtig ist, so wie der Familienbonus für Familien oder die Vorsteuerabzugsberechtigung für Unternehmen”. Dass ein Repräsentant des Finanzministeriums (Schmid, Anm.) “das nicht besser wusste, ist bedauerlich”, so der Generalsekretär der Bischofskonferenz.

Zum konkreten Gesprächstermin mit Schmid sagte Schipka: “Thomas Schmid und sein Kollege waren bei mir, um anzukündigen, dass man mit uns hart verhandeln will. Das ist ungewöhnlich, entweder man verhandelt hart oder nicht. Sonst war es ein angenehmes Gespräch, ganz anders als man aus dem Chatverlauf den Eindruck hat. Es war sachlich und freundlich, wie am Ende der besagten SMS auch steht.”

“Gefragt, was das soll”

Zwar habe er sich im Anschluss an das Gespräch keine Sorgen gemacht, “aber ich habe mich gefragt, was das soll.” Zu den öffentlich gewordenen Chatverläufen sagte der Bischofskonferenz-Generalsekretär: “Die Sache ist wirklich sehr peinlich, aber nicht für mich. Ich empfinde es als eine Art Politik zu machen, die sich nicht gehört.” Gefragt, ob diese Art das Vertrauen zwischen Regierung und Kirchenspitze angegriffen habe, sagte Schipka: “Das nehme ich an.” Und er verwies auf ein Beispiel aus dem Alltag: “Ein Mesner sagte: ‘Ich habe Sebastian Kurz immer verteidigt, aber das geht zu weit!'”

Die Kirche werde sich von der Politik “sicher nicht” einschüchtern lassen, betonte Schipka grundsätzlich. Das betreffe etwa auch das Thema der Flüchtlingsfrage. “Wir dürfen uns nicht daran gewöhnen, dass auf europäischem Boden Menschen menschenunwürdig leben müssen. Wie man dem Abhilfe leistet, da kann ich mir Unterschiedliches vorstellen. Aber daran dürfen wir uns nicht gewöhnen!”

(apa/bf)

Titelbild: APA Picturedesk

Benedikt Faast
Benedikt Faast
Redakteur für Innenpolitik. Verfolgt so gut wie jedes Interview in der österreichischen Politlandschaft.
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30 Kommentare

  1. Wir schreiben das Jahr 2021, in einem kleinen Land zwischen den Alpen gehen wunderliche Dinge vor.
    Die Hüter von Bronzezeitlichen Geschichtensammlungen versuchen zusammen mit türkisen Ordensbrüdern das Land zu beherrschen und das Volk zu knechten.
    Die Einen setzen alles daran die Menschen Dumm zu halten,
    die Anderen bemühen sich redlich alle Arm zu machen und zu entmündigen.
    Ein ziemlich fieses Virus wird dazu benutzt die letzten gebliebenen Rechte der Menschen zu pulverisieren. Und das Volk – es jubelt! 🤔😳😟

  2. Die Katholen haben ca. 2.000 Jahre Erfahrung mit Intrigantentum und haben das perfektioniert … die spielen ihre Spielchen in einer ganz eigenen Liga … da kann eine über die Pubertät nicht hinaus gekommene schwürkise Buberlpartie nicht mal ansatzweise abschätzen, was sie da mit dieser Nötigung im Hintergrund wirklich losgetreten haben … wer sich mit Kirchenfürsten auf eine so derart primitive Art und Weise anlegt, dem kann gar nicht geholfen werden … wäre nur interessant zu wissen, ob die Kirche den Fallenden zumindest ansatzweise zu verstehen gibt, worüber sie letztlich wirklich gestolpert sind …

  3. Falsch, nicht die ÖVP-FPÖ-Regierung übte bei Steuerprivilegien Druck auf die katholische Kirche aus, es war die Türkise ÖVP. Oder glaubt ihr wirklich, dass diese kriminelle Vereinigung seine Koalitionspartner über alles informiert?
    In dieser gleichen Falle stecken nun, wie damals die FPÖ, nun auch die Grünen.

    • Das sind sehr wichtige Aspekte!
      Die ÖVP baut auf eine lange Tradition des Austricksens und über-den-Tisch-Ziehen auf, die über Klerikalfaschismus bis weit in die Monarchie zurückreicht. Und so ist auch erklärbar, dass ihre Köpfe etwa das sehr selektive Informieren ihrer Koalitionspartner eher als Sendungsbewusstsein und leadership empfinden – und ihnen Unrechtsbewußtsein dabei weitgehend fehlt.

      Ich denke aber, dass es für die Grünen möglich sein sollte, dieser Falle nicht nur zu entkommen, sondern Positives daraus zu machen. Sie haben jetzt hautnahe eigene Erfahrungen mit dem “System”, Einblicke, die ihnen ermöglichen sollten, in der Folge effektiv dagegenzusteuern.
      Insofern denke ich, es wäre wertvoll, sie in der nächsten Regierung wieder dabei zu haben.

      • PS. Dass die ÖVP ausgerechnet die Kirche unter Druck setzen wollte ist voll Ironie, angesichts ihrer eigenen klerikalen Herkunft und der Gemeinsamkeit, PR als wichtigste Agenda anzusehen. (Den 59 PR-Experten von Kurz stehen in der Kirche hochausgebildete PR-Experten in Person jedes einzelnen Klerikers gegenüber.)

      • Hat nicht Werner Kogler in der Opposition so etwas Ähnliches gesagt wie: Die Hälfte der ÖVP müsste im “Häfn” sitzen?
        Die Grünen haben in der Opposition genug Erfahrung gesammelt. Sie sind für mich vollkommen unglaubwürdig geworden.

        • Es kann aber ein großer Unterschied sein, ob man als Gegner oder als Partner ausgetrickst wird.

  4. Mich entsetzt viel mehr das die Kirche wegen Moria die Gosch’n gehalten haben, nur um die Steuerprivilegien beizubehalten. Pfui Teufel.

    • Ja, der Kirche gehts in erster Linie auch nur um Macht und Machterhalt. Die christliche Botschaft hat von den Kirchen-Managern (sind ja nichts anderes) keiner verstanden. So viel ist gewiss.

  5. Mich hat die ö. “Realverfassung” (keine klare Trennung Staat-Religionen, Religionsprivilegien; undefinierte Macht der Landeshauptleute (habe dazu sehr bissige Kommentare von Florian Scheuba in Erinnerung)) seit langem gestört.
    Momentan schaut es aber doch nach einem gewissen Vorteil aus. Wenn es darum geht, türkis loszuwerden, scheinen Kirchen und Landeshauptleute Gewichtiges beitragen zu können.

    Ob sie auch bereit sind, das “System Pilnacek” (oder wie auch immer die schwarzen Verflechtungen in der Justiz zu nennen sind) zu bekämpfen ist aber mehr als fraglich.

  6. Jetzt heisst es abwarten. Kurz hat der ÖVP zwar wieder den Kanzler gebracht, hat aber mit seiner ” Familie” auch die Grundwerte der ÖVP zerstört.
    Abgesehen von ein paar Spendern und seine Freunden haben da nicht unbedingt auch Alt Övpler profitiert.
    Bin sicher der Groll ist da.
    Noch verhalten aber es grummelt….

  7. Spannend wird’s erst wenn die Pfarrer von der Kanzel gegen Kurz predigen.

  8. (Zitat Schipka zur Flüchtlingsfrage): “Wir dürfen uns nicht daran gewöhnen, dass auf europäischem Boden Menschen menschenunwürdig leben müssen. Wie man dem Abhilfe leistet, da kann ich mir Unterschiedliches vorstellen. Aber daran dürfen wir uns nicht gewöhnen!” (Zitat Ende).

    98% der Weltbevölkerung gewöhnen sich bereits an den Gedanken, in Zukunft zunehmend menschenunwürdiger leben zu müssen, während sich 2% den gesamten Reichtum des Planeten unter sich aufteilen. Kirchentüren vor Flüchtlingen abzuschliessen, wird daran auch nichts ändern. Und das Verantwortungs-Karussell dreht sich munter weiter, bis zum St.Nimmerleinstag.

    Gott hat nicht den Menschen geschaffen, es war genau umgekehrt. Gäbe es einen wahrhaft gütigen Gott, dann hätte er bestimmt nicht so ein elendiges Montags-Modell wie den Menschen geschaffen.

  9. Des anzige wie ma d’ (röm. kath.) Kiachn und de “Christlich Sozialen” mit Gott in Vabindung bringan kau is ehna Bigotterie.

  10. Kurz beschädigt so gut wie jede Institution nach Kräften, die seinen Machtanspruch nicht unterstützt. Im Fall der Katholischen Kirche ist es einmal im Klartext dokumentiert, aber das Muster zieht sich doch durch seinen ganzen politischen Werdegang.
    Man braucht sich überhaupt keine Illusionen über Kurz zu machen, dass er gegen die Kirche bösartiger und rücksichtsloser vorgeht als gegen Journalisten, Ermittler, EU-Kollegen, Koalitionspartner oder “Parteifreunde”.

  11. wir sind mit den türkisen A……. schon bedient genug! Und jetzt mischt sich auch wieder die Kirche ein! Haltet den Rand! Euch braucht keiner! Wer sich in Geschichte auskennt hat die Schnauze voll von Kirche/Kurz/Co

  12. Der Gerichtspsychiater Reinhard Haller hat auf “Vorarlberg live” die türkise Regierungstruppe anhand ihrer Chats sehr treffend charakterisiert. Wie lange schauen wir hier noch alle “scheinbar machtlos” zu?

    • Na wenn sich schon ein Gerichtspychiater mit Typen wie Kurz beschäftigt … lässt ja tief blicken! Wäre wegweisend … GERICHT – Gerichtspsychiater! Auf gehts!

  13. Also bei der Gebetsrunde im Parlament würd ich jetzt auch mal gerne dabei sein.

  14. Hat nicht ein ÖVP Politiker damals “Hände falten, Gosch’n halten” gesagt? Die Kirche schön mit Steuerprivilegien klein halten. Wow, was für ein perverses System. Danke ÖVP Wähler.

  15. Diese zynische Verhöhnung der katholischen Kirche durch Sebastian Kurz – “Super! Mach sie fertig!” – macht deutliche, dass die Türkise ÖVP-Liste Kurz keine (partei)politische Heimat mehr für Katholiken im Land sein kann. Sie bilden vor allem in den ländlichen Gebieten immer noch eine starke Basis der ÖVP-Wählerschaft. Diese gilt es jetzt von den anderen liberal-demokratischen Parteien auch gezielt anzusprechen. Denn sie können den Ausschlag dafür geben, dass Kurz keine Regierungsmehrheit mehr zustande bringt.

    • Ihr Wort in Gottes Ohr!
      Hoffentlich wird auch von der Kanzel verkündet werden, daß „Kurz unser“ einer der vielen Heidengötter ist, welche die Demokratie auf ihrem Altar schlachten.
      🩸 Blutopfer 🩸 Kurz und die gleichgeschalteten Medien wollen das Blut dieses Landes und seiner Bürger!

      • DIE verkünden gar nichts! Die schleimen weiter denn die wollen ja auch was vom Steuerkuchen

        • Naja, der eine Mesner zumindest wird Kurz nicht mehr verteidigen (wenn die Geschichte wahr ist).

      • Die heutige Karikatur von Sobotka als Hannibal Lecter passt bestens zu obigem Kommentar. Man kann sich Sobotka gut als Zeremonienmeister am Altar vorstellen!

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