Nach Kurz-Schmid-SMS

Kirche: “Vertrauen erschüttert”

Die Katholische Kirche sieht nach den Chat-Protokollen von ÖBAG-Chef Thomas Schmid und Bundeskanzler Sebastian Kurz das Vertrauen zwischen Regierung und Kirchenspitze erschüttert. Ein Mesner sagte gegenüber Kathpress: “Ich habe Sebastian Kurz immer verteidigt, aber das geht zu weit!”

Wien, 07. April 2021 | Die jüngst bekannt gewordenen Protokolle offenbarten, dass die damalige ÖVP-FPÖ-Regierung bei Steuerprivilegien Druck auf die katholische Kirche ausüben wollte. “Das Vertrauen ist bei vielen, nicht nur Repräsentanten, erschüttert”, sagte Bischofskonferenz-Generalsekretär Peter Schipka zu den Kirchenzeitungen.

“Ja super. Bitte Vollgas geben”

In den Chats geht es unter anderem um ein berufliches Treffen Schmids (damals Generalsekretär im Finanzministerium) mit seinem Gegenüber in der katholischen Bischofskonferenz, Schipka, im März 2019. Thema war die Abschaffung von Steuerprivilegien. “Ja super. Bitte Vollgas geben”, schrieb Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) im Vorfeld des Treffens an Schmid. Schmid textete, im Rahmen eines “Steuerprivilegien-Checks” sollte auch “die Kirche massiv hinterfragt” werden. Nach dem Treffen berichtete Schmid dem Kanzler: “Also Schipka war fertig!” Und: “Er war zunächst rot dann blass dann zittrig. Er bot mir Schnaps an den ich in der Fastenzeit ablehnte weil Fastenzeit. Waren aber freundlich und sachlich.”

Schipka betonte nun im Interview mit der Kooperationsredaktion der heimischen Kirchenzeitungen, die Katholische Kirche in Österreich genieße keine Steuerprivilegien, berichtete die “Kathpress” am Mittwoch. Die steuerlichen Bestimmungen bzw. Erleichterungen würden alle anerkannten Kirchen und Religionen – Juden, Orthodoxe, Evangelische, Muslime oder Buddhisten – gleichermaßen betreffen. “Es sind keine Privilegien der katholischen Kirche”, sagte Schipka. Die Steuerbestimmungen berücksichtigten, “was für die Gesellschaft wichtig ist, so wie der Familienbonus für Familien oder die Vorsteuerabzugsberechtigung für Unternehmen”. Dass ein Repräsentant des Finanzministeriums (Schmid, Anm.) “das nicht besser wusste, ist bedauerlich”, so der Generalsekretär der Bischofskonferenz.

Zum konkreten Gesprächstermin mit Schmid sagte Schipka: “Thomas Schmid und sein Kollege waren bei mir, um anzukündigen, dass man mit uns hart verhandeln will. Das ist ungewöhnlich, entweder man verhandelt hart oder nicht. Sonst war es ein angenehmes Gespräch, ganz anders als man aus dem Chatverlauf den Eindruck hat. Es war sachlich und freundlich, wie am Ende der besagten SMS auch steht.”

“Gefragt, was das soll”

Zwar habe er sich im Anschluss an das Gespräch keine Sorgen gemacht, “aber ich habe mich gefragt, was das soll.” Zu den öffentlich gewordenen Chatverläufen sagte der Bischofskonferenz-Generalsekretär: “Die Sache ist wirklich sehr peinlich, aber nicht für mich. Ich empfinde es als eine Art Politik zu machen, die sich nicht gehört.” Gefragt, ob diese Art das Vertrauen zwischen Regierung und Kirchenspitze angegriffen habe, sagte Schipka: “Das nehme ich an.” Und er verwies auf ein Beispiel aus dem Alltag: “Ein Mesner sagte: ‘Ich habe Sebastian Kurz immer verteidigt, aber das geht zu weit!'”

Die Kirche werde sich von der Politik “sicher nicht” einschüchtern lassen, betonte Schipka grundsätzlich. Das betreffe etwa auch das Thema der Flüchtlingsfrage. “Wir dürfen uns nicht daran gewöhnen, dass auf europäischem Boden Menschen menschenunwürdig leben müssen. Wie man dem Abhilfe leistet, da kann ich mir Unterschiedliches vorstellen. Aber daran dürfen wir uns nicht gewöhnen!”

(apa/bf)

Titelbild: APA Picturedesk

Lesen Sie auch

30 Kommentare
Neueste
Älteste Meisten Bewertungen
Inline Feedbacks
Zeige alle Kommentare

Folge einem manuell hinzugefügten Link
Link zu: Politik

Kanzler-Beraterin Mei-Pochtler im ORF: Keine neuen Steuern

Keine neuen Vermögenssteuern - trotz Krise. Darauf beharrte „Schattenkanzlerin“ Antonella Mei-Pochtler in einer ORF-Debatte mit Lisa Mittendrein von Attac. Zu wenig Geld hätten die Menschen nicht, heißt es aus dem Kanzleramt.
Link zu: MeinungLink zu: Leben

Video: Live bei der Recherche

Wenn in Österreich etwas mit Nachrichtenwert passiert, ist ZackZack dabei. Videoreportage zu unserer Coronademo-Berichterstattung.

Cyberangriff: Israel zerstört iranische Atomanlage

Ein israelischer Cyberangriff hat große Teile der iranischen Atomanlage Natanz zerstört. Irans Programm zur Urananreicherung sei dadurch um mindestens neun Monate zurückgeworfen worden, heißt es.

Weiteres Sobotka-Marsalek-Treffen in Moskau? Innenminister verweigert Antworten

Traf Sobotka Jan Marsalek ein weiteres Mal in Moskau? Ein Schreiben legt nahe, dass Sobotka schon am Vorabend vor dem berühmten Schnappschuss mit Marsalek zum Abendessen verabredet war. Diesmal über die Österreichisch-Russische Freundschaftsgesellschaft. David Stögmüller fragte bei Innenminister Nehammer nach. Dieser gibt keine Auskunft.

Dazu brauchen wir eure Unterstützung:

im ZackZack-Club.

Kurz attackiert ZackZack!

Wir bleiben dran: in Wien,

Ibiza und Mallorca.

Schließen