Slowakei gibt Sputnik keine Zulassung

Kurz schließt Alleingang nicht aus

Sebastian Kurz will auf den russischen Impfstoff Sputnik setzen. In der Slowakei wurde gestern allerdings ein gehöriges Problem bekannt. Die 200.000 gelieferten russischen Dosen stimmen nicht mit denen aus anderen Ländern überein. Die Slowakei erteilte der Zulassung eine Abfuhr.

 

Wien, 07. April 2021 | Das Slowakische Staatliche Institut für Arzneimittelkontrolle (SUKL) hat nicht genügend Informationen, um über Nutzen und Risiko des russischen Corona-Impfstoffs Sputnik V urteilen zu können. Sputnik erhält derzeit keine Zulassung in Österreichs Nachbarstaat.

Die Arzneimittelbehörde sandte eine entsprechende Stellungnahme Ende März an das Gesundheitsministerium in Bratislava, wie die SUKL-Sprecherin Magdaléna Jurkemíková der slowakischen Nachrichtenagentur TASR mitteilte.

Slowakischer Sputnik ist anderer Sputnik

Die Slowakei erhielt eine erste Lieferung von 200.000 Dosen Sputnik V Anfang März. Das Land hatte zwei Millionen Dosen von dem Impfstoff bestellt, der von der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA noch nicht zugelassen ist.

Das slowakische Arzneimittelinstitut erklärte, dass konkrete Daten des Herstellers zur Produktion und Sicherheit fehlten. Von Inkonsistenzen war die Rede und der Unmöglichkeit, verschiedene Studien und in Staaten verwendete Chargen zu vergleichen. Sputnik V hat laut Tageszeitung “Denník N” mehrere Tests in der Slowakei erfolgreich bestanden, aber die ließen keine endgültige Beurteilung der Sicherheit und Effizienz zu. Die Zeitung schrieb laut Nachrichtenagentur CTK, dass der russische Impfstoff, der in die Slowakei geliefert wurde, aber nicht identisch mit Sputnik V sei, das in anderen Ländern verimpft werde und dessen Bewertung im Fachblatt “The Lancet” veröffentlicht wurde. Gemäß der “Lancet”-Studie vom Februar war der Impfstoff “grundsätzlich sicher” und zeigte auch eine Effektivität von um die 90 Prozent.

Behörden-Sprecherin Jurkemíková sagte, dass das Gesundheitsministerium über die Verwendung des russischen Impfstoffs entscheide. Laut Zuzana Eliášová, einer Sprecherin des slowakischen Gesundheitsministeriums, werden noch drei Labortests durchgeführt.

Ungarn war der erste EU-Staat, der nicht von der EMA zugelassene Corona-Impfstoffe aus Russland und China einsetzte. Seit Februar wird in dem Land neben den mRNA-Impfstoffen von Biontech/Pfizer und Moderna sowie dem Vektorimpfstoff von AstraZeneca auch das russische Vektorvakzin Sputnik V sowie der inaktivierte Impfstoff der chinesischen Sinopharm verimpft.

Kurz schließt Alleingang nicht aus

Auch in Österreich wird der Einsatz des russischen Vakzins offenbar stark in Betracht gezogen. Die Vertragsverhandlungen seien “in den letzten Zügen”, sagte Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) am Dienstag. Prioritär wäre für Kurz eine Zulassung durch die EMA, doch schloss er auch einen Alleingang Österreichs über eine Notfallzulassung nicht aus.

Ob Österreich den Impfstoff früher als die EU zulassen könnte, ließ Kurz offen. Das hänge von der Dauer der entsprechenden Prüfung ab und von den Gründen dafür. Er habe das Gefühl, dass “von manchen geopolitisch agiert wird”. Dies hält er in Gesundheitsfragen wie der aktuellen nicht für angebracht.

(bf/apa)

Titelbild: APA Picturedesk

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